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Missbrauchtes Vertrauen -  Beate Kriechel

Missbrauchtes Vertrauen (eBook)

Wie sich sexualisierte Gewalt in der Kindheit auf Angehörige auswirkt
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
230 Seiten
Mabuse-Verlag
978-3-86321-587-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
24,99 inkl. MwSt
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Sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend hat nicht nur weitreichende Folgen für die Betroffenen, sondern wirkt sich auch spätestens nach der Offenlegung auf das Leben von Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen aus. Beate Kriechel hat für dieses Buch mit mehreren Angehörigen gesprochen und erfahren, mit welchen Gedanken und Gefühlen sie sich auseinandersetzen mussten. Sie erzählen von Scham, Wut und ihrem schlechten Gewissen. Sie berichten, mit welchen Strategien die Täter:innen gezielt ihr Vertrauen erschlichen haben und wo sie selbst an Grenzen stießen - auch im Willen, den Missbrauch umfassend aufzuklären. Sie zeigen aber ebenfalls auf, wie es ihnen gelungen ist, der oder dem Betroffenen eine wertvolle Stütze zu sein, die eigene Erschütterung zu verarbeiten und manchmal auch in gesellschaftliches Engagement umzusetzen.

Beate Kriechel, geb. 1971, arbeitet seit 2008 als freiberufliche Autorin und Referentin. Außerdem ist sie in Teilzeit als Mediaberaterin tätig. Seit einigen Jahren meldet sie sich als selbst Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kindheit und Jugend vermehrt öffentlich zu Wort und engagiert sich gesellschaftspolitisch in unterschiedlichen Gremien. Seit Anfang 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Kölner Fachberatungsstelle 'Zartbitter e.V.' Ihr erstes Buch 'Für immer traumatisiert? Leben nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit' ist 2019 im Mabuse-Verlag erschienen.

Beate Kriechel, geb. 1971, arbeitet seit 2008 als freiberufliche Autorin und Referentin. Außerdem ist sie in Teilzeit als Mediaberaterin tätig. Seit einigen Jahren meldet sie sich als selbst Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kindheit und Jugend vermehrt öffentlich zu Wort und engagiert sich gesellschaftspolitisch in unterschiedlichen Gremien. Seit Anfang 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Kölner Fachberatungsstelle "Zartbitter e.V." Ihr erstes Buch "Für immer traumatisiert? Leben nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit" ist 2019 im Mabuse-Verlag erschienen.

Vorab 7

ELTERN

Wir waren in der allergrößten Not, und keiner hat uns geholfen! 13
Elisabeth Brodesser

Es gibt ein Leben vor und ein Leben nach dem Missbrauch 33
Monika Stein und Henning Stein

Mein schöner Rucksack 50
Melanie

Es ist ein unerträgliches Gefühl von Alleinsein 80
S. Jaeger

GESCHWISTER

Unser Leben war nicht mehr dasselbe 93
Stefanie Lachmann

Ab da ist für mich die Welt zusammengebrochen 117
Emilia

Abschied von einer Täterin 129

KINDER

Ich hoffe, dass es von Generation zu Generation leichter wird 140
Sophia Wolf

Es gab für mich nie einen Grund, mich zu sorgen 154
Joschua

PARTNER:INNEN

Missbrauch ist wie ein Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht 164
Emma

Wir hatten als Paar einfach keine Chance 178
Elena

Es war ein beidseitiger Lernprozess 189
Markus K.

FREUNDINNEN

Natürlich hätte ich sie nie retten können 201
Irmi Wette

Wir reden zu wenig über schwierige Themen 219
Kristina

Dank und Hinweis 230

Vorab


Als selbst Betroffene, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend erfahren hat und weitestgehend mit der Bewältigung der Folgen alleingelassen wurde, fand ich die Idee, ein Buch zu veröffentlichen, in dem Angehörige ihre Sicht schildern, lange befremdlich. Und ich wusste nicht, ob ich mich auf das nicht nur für mich schwierige Wagnis würde ausreichend einlassen können.

Aber nachdem ich mein erstes Buch „Für immer traumatisiert? Leben nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit“1 veröffentlicht habe, sind, neben vielen anderen Betroffenen, auch Angehörige auf verschiedenen Wegen auf mich zugekommen. Mit einigen von Ihnen entwickelte sich punktueller Austausch, mit anderen längere Gespräche. In diesem Austausch zeigte sich, dass Angehörige sich oft mit ähnlichen Gedanken und Gefühlen in Bezug auf die stattgefundene Gewalt auseinandersetzen müssen wie die direkt Betroffenen. Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung gibt es Parallelen.

Betroffene haben lange darum kämpfen müssen, dass sie überhaupt als Betroffene wahrgenommen und die weitreichenden Folgen der Gewalt ernst genommen wurden. Spätestens seit den 80er-Jahren haben sich einige von ihnen, (Kinder-) Fachkräfte aus der Praxis und Wissenschaft und auch Mitarbeiter:innen meist feministischer Fachberatungsstellen immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet und über die Gewalt und die immensen Auswirkungen berichtet. Und auch darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nicht um tragische Einzelfälle am Rande unserer Gesellschaft handelt. Sie wurden aber nur sporadisch gehört, lange nicht ernst genommen, oft als hysterisch diskreditiert und/oder der Täter-Opfer-Umkehr bezichtigt und „die Parteinahme für das Opfer als unwissenschaftlich, unprofessionell und/oder grundgesetzwidrig abqualifiziert“2. Die vor allem in den 90er-Jahren von Befürwortern vom „Recht von Kindern auf Sexualität mit Erwachsenen“ und von Täterlobbyist:innen angeführte Debatte des vermeintlichen „Missbrauchs mit dem Missbrauch“, derer die Fachleute beschuldigt wurden, beeinflusste die öffentliche Debatte immens zum Nachteil der Betroffenen und ihrer Unterstützer:innen und sie beeinflusst sie bis heute.

Erst das Jahr 2010 gilt als Wende. Mit Bekanntwerden zahlreicher Vorfälle von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Geistliche und Lehrer an sogenannten Eliteschulen, wie etwa am Canisius-Kolleg in Berlin, im Internat des bayrischen Benediktinerklosters Ettal oder auch erneut an der hessischen Odenwaldschule (ein Bericht in der FAZ im November 1999 hatte noch keine nennenswerten Reaktionen zur Folge), rückte das Thema vermehrt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und hat seitdem zu entscheidenden Veränderungen in der Gesellschaft und der Politik geführt. Und spätestens seit der Aufdeckung von Missbrauchskomplexen wie Lügde, Bergisch Gladbach und Münster wurde auch über Betroffenen- und Fachkreise hinaus deutlich, wie nah, wie weit verbreitet und alltäglich die Gewalt ist – in bundesweiten Netzwerken trafen sich Täter aus dem familiären Umfeld online, um Hunderttausende Fotos und Videos mit Gewaltdarstellungen an Kindern und Jugendlichen zu tauschen, herzustellen und sich auch zum realen Missbrauch von Kindern zu verabreden. Inzwischen gibt es fast wöchentlich neue Berichte von sexualisierter Gewalt an Schulen, in Kindertageseinrichtungen, in (Sport-)Vereinen, Behinderteneinrichtungen, Kliniken, bei Ferienfreizeiten … Sie findet überall statt, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten. Dass es durchschnittlich ein bis zwei betroffene Kinder in jeder Schulklasse gibt3, gehört inzwischen fast zum Allgemeinwissen und zeigt sehr deutlich die gesellschaftliche Realität vieler Kinder und Jugendlicher auf.

All diese betroffenen Kinder und auch die heute erwachsenen Betroffenen haben Angehörige. In Diskussionen um Angehörige der Betroffenen sexualisierter Gewalt wird vor allem Eltern, aber auch Geschwistern und anderen nahen Verwandten, nach der Offenlegung der Taten oft unterstellt, sie hätten „es doch gewusst“ oder „merken müssen“ oder auch sie hätten bewusst weggeschaut. Gerade wenn es um innerfamiliären oder familiennahen Missbrauch geht, werden Eltern nicht selten als Mittäter:innen dargestellt.4 Und gerade bei Müttern wird oft das Narrativ der „rachsüchtigen Ehefrau“, die etwa in Scheidungsverfahren „plötzlich mit dem Vorwurf des Missbrauchs herausrückt“ als „Argument und Beweis“ für falsche und übertriebene Berichterstattung angeführt.

Bisher fast völlig ausgeblendet werden in dieser Diskussion aber etwa die Strategien der Täter und Täterinnen, die alles dafür tun, dass der Missbrauch nicht aufgedeckt wird. Und wenn doch, die Schuld und die Verantwortung für Ihre Taten eben nicht ihnen zugeschrieben wird. Lange konnten Sie sich hierbei auch auf eine Gesellschaft verlassen, die diese Strategien mittrug, sei es auch „nur“ weil sie tatsächlich, trotz lang bekannter Fakten, weiter weggeschaut und/ oder Betroffenen nicht geglaubt hat oder auch „(Täter:innen-)Argumenten“ wie die der „hilflosen Verführten“ oder „verkannter Liebe“ (unreflektiert) gefolgt ist.

Auch ich habe es lange vermieden, mir diese Strategien anzuschauen. Oder besser gesagt, sie mit meiner eigenen Situation damals als Kind in meiner Familie in Verbindung zu bringen – gewusst habe ich um die Strategien aus eigener Erfahrung leider schon lange. Und auch ich bin teilweise der Erzählung gefolgt, dass vor allem Eltern es merken müssen, dass das gar nicht geht, nichts zu merken. Aber neben den anfangs vereinzelten Gesprächen mit Angehörigen, die nicht aus meinem direkten Umfeld kommen, hat vor allem auch ein Redebeitrag des Soziologen und Psychologen Prof. Arnfried Bintig über Eltern von Betroffenen in einer Sendung des WDR5, in der ich als Betroffene als Studiogästin teilnahm, bei mir ein Umdenken auf den Weg gebracht.

Ich bin mir dennoch der Gratwanderung bewusst – denn ja, es gibt Angehörige, die wegschauen, verharmlosen, verleugnen, vertuschen und/oder in anderen Formen davon „profitieren“, Betroffenen nicht beizustehen und sich ihrer Verantwortung nicht zu stellen. Diese Angehörigen kommen in diesem Buch nicht zu Wort. Und Angehörige, die ebenso Täter und Täterinnen sind, selbstverständlich auch nicht.

Dann weiß ich, dass es für viele Betroffene schmerzhaft sein kann zu lesen, dass es Angehörige gibt, die unterstützend und solidarisch an der Seite Betroffener stehen. Mir ging es jedenfalls bei meinen ersten intensiveren Gesprächen mit Angehörigen, die ich schon vor der endgültigen Entscheidung zu diesem Buch hatte, so, dass ich erst erstaunt und fassungslos war. Dann kamen Phasen der Enttäuschung, Trauer und Wut darüber, noch mal aufgezeigt zu bekommen, dass ich vor allem als Kind und Jugendliche vieles weitestgehend alleine bewältigen musste. Aber inzwischen habe ich so viele unterstützende Angehörige kennengelernt, mit ihnen gesprochen und ihr Engagement erlebt und beobachtet, dass es mich letztlich ein Stück weit in meiner eigenen Geschichte tröstet, dass es sie gibt. Und es bewegt mich zu sehen, dass sich viele von ihnen in irgendeiner Form für Betroffene und ihre Familien, die Prävention von sexualisierter Gewalt und gesellschaftliche Veränderungen einsetzen oder einfach „nur“ an der Seite von Betroffenen sind.

Damit sie das tun können, mussten und müssen sie sich mit ihrem eigenen Schmerz in all seinen Facetten auseinandersetzen, sind oft in Therapien gewesen. Aber das meist erst dann, wenn sie – wie es zunächst und bei Eltern zu Recht erwartet wird – nach der Aufdeckung der Gewalt für die Betroffenen da waren. Die unterstützenden Angehörigen, die ich kennengelernt habe und von denen ein paar hier zu Wort kommen, waren das auch. Oft über lange Strecken und bis heute und oft ausschließlich. Viele Angehörige holen sich erst dann für sich selbst Hilfe, wenn sich „ihre Betroffenen“ stabilisiert haben und es ihnen etwas besser geht. Oder leider (erst) dann, wenn sie in einigen Fällen den Suizid einer/ eines Betroffenen verarbeiten müssen. Oft kommen im Zuge der Aufdeckung und/oder dann, wenn sich die Situation vermeintlich etwas entspannt hat, Teile ihrer eigenen oft schmerzhaften Vergangenheit auf und „zwingt“ sie, auf zugrunde liegende Strukturen, Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, blinde Flecken oder verdrängte Anteile in ihrer Biografie zu schauen. Manchmal werden ihnen erst zu diesem Zeitpunkt eigene sexuelle Gewalterfahrungen wieder bewusst.

Auch Angehörige brauchen Unterstützung, Begleitung, Informationen. Auch sie wurden aus ihren bis dahin für sie tragenden Selbstverständlichkeiten und ihrem Alltag geworfen, ihre Werte und Ansichten wurden erschüttert, ihre Arglosigkeit und ihr (Grund-)Vertrauen von Tätern und Täterinnen missbraucht, getäuscht, hintergangen. Sie wurden belogen und oftmals ebenso von anderen Angehörigen, von...

Erscheint lt. Verlag 13.3.2023
Verlagsort Frankfurt am Main
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Familie • Gewalterfahrung • Kindheitstraume • Missbrauch • Opferrolle • Psychotherapie • Sexualisierte Gewalt • Traumatisierung
ISBN-10 3-86321-587-7 / 3863215877
ISBN-13 978-3-86321-587-3 / 9783863215873
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