Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs (eBook)
368 Seiten
Verlagsgruppe Droemer Knaur
978-3-426-43730-8 (ISBN)
Pierre Martin ist das Pseudonym eines erfolgreichen Autors, der sich für seine Hauptfigur Madame le Commissaire eine neue Identität zugelegt hat. Alle seine Krimis um Isabelle Bonnet aus Fragolin landen bereits kurz nach Erscheinen unter den Top Ten der Bestsellerliste. 'Madame le Commissaire und das geheime Dossier' war zuletzt Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Ebenfalls auf Platz 1 landete 'Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens' - der erfolgreiche Auftakt zu einer neuen Südfrankreich-Reihe um einen adeligen Auftragsmörder, der den festen Vorsatz hat, niemanden umzubringen.
Pierre Martin ist das Pseudonym eines erfolgreichen Autors, der sich für seine Hauptfigur Madame le Commissaire eine neue Identität zugelegt hat. Alle seine Krimis um Isabelle Bonnet aus Fragolin landen bereits kurz nach Erscheinen unter den Top Ten der Bestsellerliste. "Madame le Commissaire und das geheime Dossier" war zuletzt Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Ebenfalls auf Platz 1 landete "Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens" - der erfolgreiche Auftakt zu einer neuen Südfrankreich-Reihe um einen adeligen Auftragsmörder, der den festen Vorsatz hat, niemanden umzubringen.
3
Den nächsten Morgen begann sie mit Croissant, café au lait und der aktuellen Ausgabe des Var-Matin. Auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung gab es einen enthusiastischen Bericht über ein Jazz-Konzert im Belle-Époque-Casino von Beaulieu-sur-Mer. Darunter stand ein Kommentar zur Entwicklung der Fremdenverkehrszahlen an der Côte d’Azur. Und schon auf Seite zwei gleich mehrere Fotos von Bastians Beerdigung in La Seyne. Als ob es kein wichtigeres Thema gäbe als die Trauerfeier für einen cholerischen Polizeichef. Isabelle tunkte ein Croissant in den Milchkaffee – und entschuldigte sich für diesen Gedanken. Natürlich war das für die Region von Interesse. Nicht zuletzt boten die vielen Polizeiautos vor dem malerisch gelegenen Friedhof ein eindrucksvolles Bild. Doch, das ging in Ordnung. Aber nun war es auch gut.
Eine Stunde später öffnete sie die Tür zu ihrem Kommissariat im Rathaus von Fragolin. Apollinaire war schon da. Er befand sich in einer lebensbedrohlichen Situation. Auf einem Drehstuhl stehend, mit einem Fuß auf der Lehne, versuchte er ein Bild mit dem Konterfei von Charles de Gaulle aufzuhängen. Das Ganze machte einen ausgesprochen instabilen Eindruck. Es war den hohen Räumen im alten hôtel de ville geschuldet, dass ihr Assistent überhaupt eine Aufstiegshilfe benötigte, denn er war ebenso klapperdürr wie himmellang.
»Der General hatte Staub angesetzt«, gab Apollinaire eine kurzatmige Erklärung. »Jetzt glänzt er wieder, aber er will nicht mehr an seinen angestammten Platz zurück.«
Isabelle eilte zum Drehstuhl, der schon bedrohlich hin und her schlingerte, und hielt ihn fest.
»Merci, Madame. Jetzt schaff ich es.«
Es war Apollinaires Idee gewesen, in ihrem Büro den ersten Staatspräsidenten der Fünften Republik aufzuhängen. Der sei wesentlich respekteinflößender als der aktuelle Präsident – und habe eine längere Halbwertszeit.
Isabelle hatte Apollinaires Socken in Augenhöhe und stellte beruhigt fest, dass ihr Assistent nur bei der Trauerfeier eine Ausnahme gemacht hatte. Heute trug er wieder verschiedenfarbige Modelle, links rot-weiß gestreift und rechts marineblau. Für seine Verhältnisse fast schon konservativ.
»Attention, ich komme.«
Er stützte sich auf ihre Schulter und wagte den Absprung.
»Sie hätten sich den Hals brechen können. Gibt es im Haus keine Leiter?«
»Es ging auch so, dank Ihrer Hilfe. Ich bin ein großer Freund der konstruktiven Zweckentfremdung.« Er betrachtete den General, nahm Haltung an und salutierte. »Übrigens hat er eine Form der Gelbsucht«, stellte er mit Bedauern fest.
Isabelle runzelte die Stirn. »De Gaulle? Er ist 1970 gestorben, soviel ich weiß, an den Folgen eines Aorta-Risses.«
»Bien sûr, genauer gesagt am 9. November in Colombey-les-Deux-Églises, wo er auch begraben ist.«
»Aber Sie erwähnten doch gerade seine Gelbsucht?«
Apollinaire schüttelte den Kopf und deutete über die Schulter. »Ich sprach natürlich nicht von ihm, sondern von unserem Kaktus.«
»Aber warum schauen Sie dann das Bild vom General an, wenn Sie vom Kaktus auf dem Fensterbrett sprechen?«
»Madame, verzeihen Sie, ich gebe zu, das war verwirrend. Meine Gedanken sind meinem Blick vorausgeeilt.«
»Und warum Gelbsucht? Unser Kaktus ist doch kein Mensch. Außerdem macht er einen gesunden Eindruck.«
»O ja, dafür, dass er von seinen früheren Besitzern sträflich missachtet wurde, hat er sich glänzend gehalten. Jede andere Pflanze wäre jämmerlich eingegangen. Unser Pilosocereus chrysostele hat einen bemerkenswerten Überlebenswillen.«
Isabelle ging zum Fenster und nahm den Kaktus genauer in Augenschein.
»Meinen Sie die gelben Stellen?«
»Ganz genau. Erst dachte ich an eine Wurzelfäule und hatte den Schadpilz Phytophthora in Verdacht.«
Isabelle, die es gewohnt war, dass Apollinaire auf den unglaublichsten Gebieten Bescheid wusste, je abwegiger, desto genauer, war jetzt doch verblüfft.
»Ich wusste gar nicht, dass Sie sich so gut mit Kakteen auskennen?«
»Nicht wirklich, Madame, aber es gebietet der Respekt gegenüber unserem einzigen Bürogenossen, sich mit ihm eingehend zu beschäftigen. Und jetzt weiß ich, dass er wohl nur unter Eisenmangel leidet und unter einem zu hohen pH-Wert. Ich denke, wir sollten ihn umtopfen.«
Isabelle lachte. »Dann tun Sie das. Ich bewillige hiermit den Kauf eines neuen Topfes.«
»Und Blumenerde.«
»Selbstverständlich, die Investition kann ich verantworten.«
»Merci. Ich hoffe, Sie hatten eine gute Rückfahrt.«
»Gestern? Aber ja, kein Problem. Und Sie?«
»Ich habe noch mit einigen ehemaligen Kollegen ein Glas getrunken und über frühere Zeiten geredet. Aber dann hatte ich auch genug. Qu’il repose en paix!«
»Möge er in Frieden ruhen! So soll es sein.«
Sie deutete auf eine abgegriffene Akte, die auf ihrem Schreibtisch lag. »Wir sollten uns zur Abwechslung mal wieder einen Fall vornehmen.«
»Einen aus der Kiste mit den verstaubten, unaufgeklärten Fällen? Eine wunderbare Idee. Haben Sie einen Vorschlag?«
»Ich habe noch mal über den Überfall auf das Juweliergeschäft in Cannes nachgedacht, bei dem nicht nur die Frau des Inhabers erschossen wurde, sondern auch eine prominente Kundin aus dem Filmgeschäft.«
»Ich erinnere mich. Auch daran, dass Sie gesagt haben, dass alles für einen bandenmäßigen Überfall spreche und dass solche Gangs leider zur Côte d’Azur gehörten wie die Palmen zur Croisette. Ich glaube, das waren Ihre Worte.«
»So habe ich das gesagt? Nun, da hatte ich leider recht, aber wohl auch mit der Annahme, dass die Ganoven nach über sechs Jahren sicherlich längst über alle Berge sind, nicht mehr am Leben oder wegen eines anderen Delikts im Gefängnis.«
»Weshalb es wenig Sinn mache, den Fall wieder aufzurollen. Das war Ihre Schlussfolgerung.«
»Ich hab mir die Akte erneut angeschaut. Es gibt da einige Ungereimtheiten. Angenommen, es war kein bandenmäßiger Überfall, sondern man hat sich nur der bekannten Muster bedient, um eine falsche Spur zu legen, dann würde es vielleicht doch Sinn machen, mal genauer nachzuforschen. Einen Versuch wäre es wert.«
Apollinaire rieb sich erfreut die Hände. »Absolut. Wo fangen wir an?«
»Zunächst kaufen Sie einen Blumentopf und Kaktuserde, dann sehen wir weiter.«
»Blumentopf, Kaktuserde«, wiederholte Apollinaire, »und dann kommen die Juwelen.«
Isabelle nickte. »Ganz genau, und zwar in dieser Reihenfolge.«
Wenig später war sie alleine im Kommissariat, sie hatte die Füße auf einen Hocker gelegt und dachte nach. Sie griff zum Telefon, zögerte, zog die Hand wieder zurück und biss sich auf die Unterlippe. Nein, den Gefallen würde sie ihm nicht tun. Thierry Blès, die untreue Seele. Wirft einfach seine vielgepriesenen Prinzipien über Bord und lässt sich für ein politisches Amt nach Paris locken. Von wegen savoir-vivre und die genussvollen Freuden eines entspannten Lebens in der Provence. Alles blödes Gerede. Offenbar waren die Verlockungen einer Politkarriere größer. Sein Schreibtisch im Bürgermeisterbüro, nur ein Stock über ihrem, war verwaist. Offiziell übte er das Amt noch aus, bis zur vorgezogenen nächsten Wahl. Er hatte versucht, ihr seine Entscheidung zu erklären, dass es nämlich eine Chance sei, den oft missachteten Interessen der Region in Paris eine Stimme zu geben. Er mochte ja recht haben, aber es war trotzdem ein Bruch mit seiner Lebensphilosophie. Gleichzeitig setzte er ihre Beziehung aufs Spiel, auch das. Sie stand auf und ging im Zimmer auf und ab. Ihre Beziehung? Nun, sie hatten nicht zusammengelebt, aber sie waren gut befreundet gewesen, sehr gut sogar – auch in den Stunden zwischen den Tagen.
Sie blieb erschrocken stehen. Hatte sie in ihren Gedanken gerade die Vergangenheitsform gewählt? Waren befreundet gewesen … Thierry glaubte, sie würden es schaffen. Er komme so oft nach Fragolin, wie es nur gehe. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV sei das kein Problem. Paris liege doch nicht auf einem anderen Stern. Natürlich lag Paris auf einem anderen Stern. Wenn das jemand wusste, dann sie. Deshalb hatte sie ja die Galaxie gewechselt und lebte jetzt hier. Ob das gutgehen würde? Ob ihre Beziehung eine Perspektive hatte? Möglich war es – aber sie spürte, dass es nicht einfach werden würde.
Zögerlich näherte sie sich erneut dem Telefon. Sollte sie oder sollte sie nicht? Oder lag es nicht vielmehr an ihm, zum Hörer zu greifen?
Sie zuckte zusammen, als just in diesem Augenblick das Telefon klingelte. Gedankenübertragung? Gab es das? In fester Erwartung, dass Thierry am Apparat war, hob sie ab.
»Hallo, chérie«, wurde sie von einer sonoren Stimme begrüßt.
Nein, das war nicht Thierry. Aber das Gespräch kam aus Paris, das schon, und zwar aus dem Innenministerium. Maurice Balancourt war nicht nur ihr oberster Chef, sondern der Einzige, der sich die Freiheit nahm, sie chérie zu nennen. Er durfte das. Balancourt durfte fast alles, er schwebte gewissermaßen über den Dingen.
»Hallo, Maurice«, antwortete sie, »schön, dich zu hören.«
»Das Pläsier ist ganz auf meiner Seite. Wie geht es meiner kleinen Isabelle?«
Sie lächelte. Meiner kleinen Isabelle? Balancourt durfte auch das. Er war schon im Seniorenalter.
»Tout va bien, mir geht es gut. Die Sonne scheint, es riecht nach Lavendel.«
»Nach Lavendel? In deinem Büro? Du willst mich wohl veralbern. Nur weil du weißt, dass vor...
Erscheint lt. Verlag | 2.3.2016 |
---|---|
Reihe/Serie | Ein Fall für Isabelle Bonnet |
Ein Fall für Isabelle Bonnet | |
Verlagsort | München |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
Schlagworte | Bücher für den Urlaub • Cosy Crime • Cosy Krimi • Fragolin • Frankreich • Französische Krimis • Isabelle Bonnet • Juwelier • Kommissarin • Krimi • Krimi Bestseller • Krimi Frankreich • Krimi Kommissarin • Kriminalfall • Kriminalroman • Kriminalromane Serien • Krimi Provence • Krimi Reihe • krimi reihen • Krimi Serien • Krimis mit Kommissarin • Krimis und Thriller • Madame le Commissaire • Madame le Commissaire 3 • Madame le Commissaire Band 3 • Madame le Commissaire Reihenfolge • Pierre Martin • pierre martin bücher • Pierre Martin Madame le Commissaire Reihenfolge • PIerre Martin Reihenfolge • Provence • Provence Kommissarin Kriminalfall • provence krimi • Provencekrimi • Provence Romane • Raubüberfall • Regional-Krimi • Roman Urlaub • Selbstmord • Sophie Bonnet • SPIEGEL-Bestseller • Urlaubskrimi • Urlaubslektüre • Urlaubsromane |
ISBN-10 | 3-426-43730-9 / 3426437309 |
ISBN-13 | 978-3-426-43730-8 / 9783426437308 |
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
Haben Sie eine Frage zum Produkt? |

Größe: 3,5 MB
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich