Virale Markenbildung (eBook)
252 Seiten
Haufe Verlag
978-3-648-16939-1 (ISBN)
Thomas Zerlauth ist ein an der Tiefenpsychologie orientierter Markenstratege. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Markenentwickler in der Luxushotellerie und in der Gesundheitsbranche. Als psychotherapeutisch ausgebildeter Coach und Instruktionstrainer veröffentlichte er bereits Mitte der 1990er Jahre mehrere Standardwerke zu NLP, Mentaltraining, Achtsamkeit und Wahrnehmung. Marken definiert er als mehrdimensionale und codierte Bedeutungsrahmen, die vor allem im Unbewussten wirken.
Thomas Zerlauth Thomas Zerlauth ist ein an der Tiefenpsychologie orientierter Markenstratege. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Markenentwickler in der Luxushotellerie und in der Gesundheitsbranche. Als psychotherapeutisch ausgebildeter Coach und Instruktionstrainer veröffentlichte er bereits Mitte der 1990er Jahre mehrere Standardwerke zu NLP, Mentaltraining, Achtsamkeit und Wahrnehmung. Marken definiert er als mehrdimensionale und codierte Bedeutungsrahmen, die vor allem im Unbewussten wirken.
1 Einführung
1.1 Wenn eine Idee Hochsaison hat, erblüht sie überall
»On peut résister à l’invasion d‹une armée mais pas à celle d’une idée dont le temps est venu.« 3
Victor Hugo
Albert Einstein war davon überzeugt, dass die Relativitätstheorie auch unabhängig von ihm von jemand anderem entwickelt worden wäre, weil der Gedanke zu dieser Zeit einfach in der Luft lag. Manche Gedanken müssen sich also übertragen und verdichten sich offenbar, denn nichts wirkt mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
Platon, der Schüler von Sokrates, sah in Ideen die Urbilder der Wirklichkeit. Er war der Ansicht, dass wir in einem vorgeburtlichen Dasein unserer Seelen die Ideen schon einmal geschaut haben. Wahre Erkenntnis ist darum immer eine Wiedererinnerung (anamnesis) an diese frühere Schau der Ideen. Er schreibt: »Die Ideen stehen wie Urbilder in voller Wirklichkeit da. Die anderen Dinge gleichen ihnen und sind Abbilder, und die Teilhabe der anderen Dinge an den Ideen besteht in nichts anderem als darin, dass sie ihnen nachgebildet sind.«
Kollektive kulturelle Imagination
Ideen, Vorstellungen und Visionen haben nicht nur eine ungeheure Kraft, sondern beschreiben vielmehr einen eigenen Wirklichkeitskosmos, dem wir in diesem Buch nachgehen werden. Es ist offensichtlich, dass sich manche Gedanken unfassbar schnell ausbreiten und mitunter die ganze Welt erfassen. Auf einer metaphysischen Ebene muss eine Verbindung zwischen allen Menschen existieren, die aufgrund ihres »ätherischen« Charakters nur sehr schwer zu fassen ist. Diese Vorstellung, dass das Bewusstsein aller Menschen auf eine geheimnisvolle Art und Weise verbunden sein könnte, ist nichts Neues und hat Philosophen und auch wissenschaftliche Denker seit jeher beschäftigt. So sprechen beispielsweise Douglas Hofstadter und Aaron Lynch von einer Ideosphäre. Sie meinen damit einen nicht physischen Ort, an dem Gedanken, Theorien, Ideen gefunden, erstellt, ausgewertet und weiterentwickelt werden – in Form einer kollektiven kulturellen Imagination. Dieser nicht-zentrale Ort befindet sich in den Köpfen aller Menschen dieser Welt, die all diese Gedanken und Vorstellungen verarbeiten und speichern können. Man könnte diese Art der Wissensverteilung in gewissen Aspekten mit einer Blockchain vergleichen, weil sie eine Kette von Daten darstellt, die als nicht-zentrales, sondern verteiltes Register geführt wird. Dieses Register wird gemeinsam geschrieben, ist damit transparent und fälschungssicher.
Die Ideosphäre ist unsichtbar, sozusagen ein Paralleluniversum, das von geisterhaften Bewohnern bevölkert wird. Nur wir Menschen, die einzigen unter den organischen Lebewesen der Erde, haben einen Zugang zu dieser Welt. Man könnte auch mutmaßen, dass wir Menschen sehr lange Zeit mit diesem unsichtbaren Reich koexistiert haben und erst über die Ausbildung unserer großen Gehirne und unserer Sprache auch die erforderlichen Wahrnehmungsfähigkeiten entwickelten, um uns elegant in diesem Ideenreich bewegen zu können. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass unsere erweiterten Fähigkeiten überhaupt erst zur Erschaffung dieses Ideenreichs geführt haben.
Kollektives Bewusstsein der Menschheit
Teilhard de Chardin und einige weitere Autoren entwickelten die Idee einer Noosphäre, welche die gesamte geistige und intellektuelle Aktivität der Erde umfasst. Es handelt sich um eine Art »kollektives Bewusstsein der Menschheit« und einen die Erde umspannenden Wirkungsbereich des menschlichen Geistes, der jede Art von Gehirntätigkeit und jeden Mechanismus zur Speicherung und Verarbeitung von Information enthält.
Der Psychiater und Tiefenpsychologe C. G. Jung spricht vom »kollektiven Unbewussten«. Er ging von einem kollektiven Menschheitsgedächtnis aus, das im Gegensatz zum individuellen Gedächtnis vorgeburtlich ist. Die menschliche Seele ist demnach keine tabula rasa, sondern immer bereits vorgeprägt. Unsere Fantasie, Wahrnehmung und das gesamte Denken werden von diesen angeborenen Formprinzipien beeinflusst. Er schreibt: »Das kollektive Unbewusste entwickelt sich nicht individuell, sondern wird ererbt. Es besteht aus präexistenten Formen, Archetypen, die erst sekundär bewusstwerden können und den Inhalten des Bewusstseins fest umrissene Form verleihen.« 4
Der bemerkenswerte Quantenphysiker und Vertraute von Albert Einstein und Robert Oppenheimer, David Bohm, spricht von einer impliziten Ordnung, aus der sich eine explizite Ordnung entfaltet. Der Biologe Rupert Sheldrake geht von einem »morphogenetischen Feld« aus, das sich in unsichtbaren Netzen um die Erde spinnt und global betrachtet ein gemeinsames, alles durchdringendes Energiefeld darstellt. Diese Felder nehmen Gestalt an und entwickeln sich wie Organismen. Sie haben eine Geschichte und enthalten ein immanentes Gedächtnis aufgrund des Prozesses, den Sheldrake als morphische Resonanz bezeichnet.
Gemeinsame Ausrichtung der Menschen
Die renommierte Eliteuniversität Princeton forscht an ihrem »Globalen Bewusstseinsprojekt«. Der Gründer und Leiter dieser Studie, Roger Nelson, schreibt von einem Weltgeist und zeigt auf, wie wir alle miteinander verbunden sind. Er hat in unzähligen wissenschaftlichen Experimenten in Princeton nachgewiesen, dass wir mit unseren Gedanken die physische Welt verändern und dass man die emotionale Reaktion einer großen Anzahl von Menschen mit geeigneten Messinstrumenten tatsächlich nachweisen kann.
Das alles ist weder revolutionär noch überraschend und jeder Mensch kennt das aus eigener Erfahrung. Man braucht sich nur an gewisse »Ereignisse globalen Ausmaßes«, wie den Terroranschlag des 11. Septembers, den Tod von Prinzessin Diana, die in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen und nach etwa zwei Wochen schließlich befreiten Jugendlichen, den Anschlag auf das Bataclan-Theater in Paris oder an die öffentliche Tötung von Georg Floyd zu erinnern, um nur einige zu nennen. Sie haben die Menschheit näher zusammenrücken und gebannt hoffen lassen. Man hofft, bangt, betet oder gedenkt gemeinsam. Ich habe sehr viele Menschen dazu befragt und praktisch alle haben diese »Synchronisation und gemeinsame Ausrichtung der Menschen« wahrgenommen. Teilweise sehr unterschiedlich – gemeinsam war das Empfinden, dass man sich der Menschheit etwas näher gefühlt hat. Vielleicht ist Ihnen das auch so ergangen?
Diese Vorfälle haben uns jedenfalls berührt und in manchen Fällen zu einer starken Reaktion geführt. Nach innen, weil sie uns mitunter betroffen gemacht haben, und auch nach außen, weil wir diese Informationen mitteilen wollten oder mussten. Wir haben unsere Freunde oder Familie angerufen, einschlägige Nachrichten auf unseren sozialen Kanälen gesucht und geteilt oder unser Profilbild entsprechend angepasst. Informationen dieser Art verbreiten sich heutzutage in Windeseile um den gesamten Erdball und die technischen Möglichkeiten des Internets begünstigen die Geschwindigkeit und Genauigkeit dieser Weitergabe. Auf allen Kanälen werden wir mit mehr oder weniger wichtigen Breaking News bombardiert. Nachrichten, die so wichtig sind, dass man dafür das aktuelle Programm unterbricht. Fernseh- und Radiostationen tun das ebenso wie die Gesellschaft und die meisten Bürger.
Die Sozialen Medien – endlos durch das Nirgendwo scrollen
Die Sozialen Medien sind im Wesentlichen nichts anderes als ein unaufhörlicher Zustrom von Breaking News. Bei genauerer Betrachtung müssen wir allerdings von Belanglosigkeiten reden, denen wir augenscheinlich den Status einer relevanten Information zuweisen. Sie unterbrechen das, was man ansonsten getan hätte, und werden immer mehr zu dem, was man als moderner und sozial verbundener Mensch eben tut: endlos durch das Nirgendwo scrollen.
Blick in unser erweitertes Ich
Dem aufmerksamen Beobachter fällt längst auf, dass dieser Zustrom von Neuigkeiten immer lauter, aggressiver, brutaler und schneller wird. Und das muss er wohl auch, um in der Fülle der Informationen Gehör zu finden. Immer mehr Informationen und Informationsverbreiter buhlen um unsere Aufmerksamkeit und suggerieren uns ihre Besonderheit und Wichtigkeit. Mit immer skrupelloseren und ausgefeilteren Mitteln werden wir förmlich gezwungen, uns noch dies oder jenes anzusehen und dieses Einklinken in den geistigen Zustrom unzählige Male am Tag zu wiederholen. Dauernd fühlen wir uns aufgerufen und überprüfen, was die Welt an Ablenkungen, emotionalen Zwischenmahlzeiten, Absurditäten und anderen Nichtigkeiten zu bieten hat. Wir blicken in die aufgehübschte und selektiv präsentierte Welt von Influencern und bezahlten oder selbstverliebten Selbstdarstellern und haben dabei vergessen, uns...
Erscheint lt. Verlag | 24.7.2023 |
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Reihe/Serie | Haufe Fachbuch | Haufe Fachbuch |
Verlagsort | Freiburg |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Wirtschaft ► Betriebswirtschaft / Management ► Marketing / Vertrieb |
Schlagworte | Branding • Erfolg • GlobusMarkenentwicklung • Idee • Information • Marke • Markenbildung • Marketing • Memes • Mensch • Replizieren • Unternehmen • verbreiten • Viral • Wettstreit |
ISBN-10 | 3-648-16939-4 / 3648169394 |
ISBN-13 | 978-3-648-16939-1 / 9783648169391 |
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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Größe: 1,3 MB
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