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Strandkorbbriefe (eBook)

Spiegel-Bestseller
Roman
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
383 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-6093-5 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
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Wellen, Wind und Liebesworte

Das Krummhörner Wochenblatt will die Tradition des Briefeschreibens wieder aufleben lassen und hat seine männlichen Leser dazu aufgerufen, der Liebe ihres Lebens öffentlich zu schreiben. Gewonnen hat ein anonymer Liebesbrief, der so wundervoll romantisch ist, dass die ganze Gegend darüber spricht. Und alle sind sich einig: Merle ist diejenige, die dem mysteriösen Dichter das Herz gestohlen hat. Die hält das jedoch für Humbug. Wenn jemand ihr so zugetan wäre, wüsste sie schließlich davon! Oder etwa nicht?! Um auf Nummer sicher zu gehen, versucht sie, die Identität des Schreibers herauszufinden. Leider weigert sich Bastian, der attraktive Redakteur des Wochenblatts, Informationen herauszurücken. Er wittert nämlich eine herzergreifende Story und heftet sich bei Merles Suche ungefragt an ihre Fersen ...



<p><strong>Marie Merburg</strong>wurdeam 7.7.1977 in Mühlacker in Süddeutschland geboren. Sie studierte in Stuttgart und zog dann mit ihrer Familie in die Nähe von Heilbronn, wo sie auch heute noch lebt. Nach ihren zahlreichen Ostsee-Romanen und <strong>NORDSEESTERNE</strong> ist <strong>STRANDKORBBRIEFE</strong> ihr zweiter Roman, der an der Nordsee spielt. Unter dem Namen Janine Wilk schreibt die Autorin auch erfolgreich Kinder- und Jugendbücher.</p>

Prolog


Acht Monate zuvor

Ein Schicksalsschlag kam meist ohne Vorwarnung und veränderte von einer Sekunde auf die andere das Leben auf so dramatische Weise, dass nichts mehr war wie zuvor. So auch bei mir. Dabei war es ein Tag wie jeder andere gewesen …

Ich stand auf dem Parkplatz am Pilsumer Leuchtturm und hatte die Daumen am Gürtel meiner Uniform eingehakt.

»Hat mir deine neue Kollegin gerade unterstellt, ich würde die Polizei bestechen?«, fragte Siggi, der hier seinen Imbisswagen abgestellt hatte. »Mit einem Fischbrötchen?«

Er stand hinter der Theke, und sein Doppelkinn zitterte vor Empörung. Mit Ende sechzig besaß er kaum noch Haare, doch den Rest der weißblonden Strähnen hatte er liebevoll auf seinem Kopf verteilt und offenbar dort festgeklebt, denn sie bewegten sich keinen Millimeter.

Ich kannte Siggi schon ewig, und er verfügte über so viel kriminelle Energie wie eine laue Nordseebrise. Er war seit über dreißig Jahren verheiratet, hatte vier Kinder, war Schriftführer beim TV Greetsiel und hatte sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Deshalb war seine Entrüstung in gewisser Weise nachvollziehbar.

»Nimm dir das mal nicht zu Herzen! Antje meint es eigentlich nicht so«, entgegnete ich, obwohl ich es doch besser wusste.

Meine neue Kollegin Antje Voß hatte Siggis freundliche Essenseinladung gerade resolut abgelehnt und ihn in scharfem Ton darauf hingewiesen, dass es Beamten im Dienst nicht erlaubt war, Geschenke und Gefälligkeiten anzunehmen. Mit kerzengeradem Rücken und vorgerecktem Kinn marschierte sie nun zurück zum Polizeiwagen – ein Abbild wahrer Integrität und Rechtschaffenheit. Diese Frau liebte und lebte das deutsche Gesetz.

»Ich wollte doch nur nett zu ihr sein, Himmel noch mal!«, brummelte Siggi und drückte mir ein kostenloses Fischbrötchen in die Hand.

Ich schenkte ihm ein Lächeln. »Ich dank dir!«

Es war Anfang Oktober, und obwohl die Sonne schien, pfiff ein ungemütlicher Wind über die Ebene. Er legte sich wie ein kühler Schal in meinen Nacken und wirbelte eine Haarsträhne, die sich aus meinem Flechtzopf gelöst hatte, in mein Gesicht. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Herbststürme, die uns bevorstanden.

»Mich kannst du mit so viel Fischbrötchen bestechen, wie du willst, ich bleibe objektiv und vertrete ungeachtet persönlicher Sympathien das Gesetz«, sagte ich kauend und zwinkerte ihm zu. »Selbst, wenn du dich als Täter herausstellen solltest.«

Er schüttelte schnaubend den Kopf. »Also, ich hab die Fassade ja wohl ganz bestimmt nicht mit diesem riesigen Graffiti verunstaltet!« Er deutete hinauf zum Deich, wo in einiger Entfernung der Pilsumer Leuchtturm mit dem rot-gelben Anstrich stand, der durch die Werbung und den Film »Otto – der Außerfriesische« bekannt war.

»Das weiß ich doch!« Ich hob den Zeigefinger. »Allerdings handelt es sich um eine einzelne Zeichnung und somit um ein Graffito. Genauer gesagt um einen schlecht gesprayten Umriss eines männlichen Geschlechtsteils. Entweder wollte der Täter eine seltene medizinische Anomalie andeuten, oder er hat keine Ahnung von männlicher Anatomie. Ich tippe auf Letzteres.«

Er stutzte. »Du meinst, die Sprayer könnten Mädchen gewesen sein?«

»Warum nicht? Wir leben in Zeiten der Gleichberechtigung. Auch Mädels kommen im Teenageralter mal auf dumme Ideen.«

Da die Hauptsaison vorüber war und mittlerweile deutlich weniger Touristen in der Krummhörn Urlaub machten, vermutete ich, dass eine Gruppe Jugendlicher aus der Umgebung dahintersteckte. Antje und ich hatten den Fall jedenfalls vorschriftsgemäß dokumentiert und offiziell als Sachbeschädigung aufgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Täter erwischten, stufte ich jedoch als gering ein. Eine vielversprechende Spur wäre höchstens, die Zeichenlehrer in den ortsansässigen Schulen zu befragen, welche ihrer Schüler außergewöhnlich wenig Talent besaßen.

Während ich mit Siggi plauderte und mir das Fischbrötchen schmecken ließ, stand Antje mit verschränkten Armen vor unserem Wagen und scannte die Umgebung. Obwohl sie erst Anfang zwanzig war, hatte sie ihre Bad-Cop-Rolle schon perfekt einstudiert. Dabei war sie mit ihren 1,61 Meter und ihrer zierlichen Gestalt von elfenhafter Statur. Ihr autoritärer Blick sorgte in Verbindung mit ihrer Uniform jedoch dafür, dass sich die wenigen Touristen auf dem Parkplatz hastig zerstreuten.

»Diese Antje verjagt meine Kunden! Die guckt wie ein angriffslustiger Pitbull«, schimpfte Siggi. »Habt ihr die von der Hundestaffel übernommen?«

Ich hatte zwar ebenfalls Probleme mit meiner Kollegin, fühlte mich aber verpflichtet, sie zu verteidigen.

»Pass mal auf deine Wortwahl auf!«, ermahnte ich ihn. »Und sei ein bisschen nachsichtig. Antje ist gerade aus Nordrhein-Westfalen hergezogen und hat erst vor Kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen. In ihrem Alter war ich auch übertrieben ehrgeizig.«

Das war noch eine Untertreibung. Ich hatte meinen Job derart ernst genommen, dass ich überall Verbrechen witterte, und leider war ich dabei einmal auch kräftig ins Fettnäpfchen getreten. Über den Vorfall war sogar in der Zeitung berichtet worden. Obwohl das schon elf Jahre zurücklag und ich mittlerweile eine erfahrene dreiunddreißigjährige Polizistin war, zogen meine Kollegen mich heute noch damit auf.

»Sie muss einfach etwas Erfahrung sammeln«, erklärte ich. »Dann wird sie auch lockerer. Antje braucht nur etwas Anleitung und Selbstsicherheit.«

»Wenn du meinst …«

»Ganz bestimmt sogar. Zeig ein bisschen Herz!«

Er seufzte ergeben. »Na schön, ich bin ja nicht nachtragend. Hoffentlich weiß deine Kollegin zu schätzen, dass sie ein Goldstück wie dich an ihrer Seite hat.«

»Logisch!«, erwiderte ich grinsend und verputzte den Rest des Fischbrötchens.

Mein Funkgerät knackte, und die Zentrale meldete sich, um einen Einsatz durchzugeben. Es handelte sich um einen Nachbarschaftsstreit, und als ich die Adresse hörte, stöhnte ich gequält auf. »Nicht schon wieder!«

»Alte Bekannte?«, fragte Siggi.

Ich nickte. »Ich sehe die beiden Streithähne im Durchschnitt einmal pro Woche.«

Nachdem ich der Zentrale durchgegeben hatte, dass wir auf dem Weg wären, verabschiedete ich mich von Siggi und ging zum Wagen. Antje wartete schon auf dem Beifahrersitz mit verschränkten Armen auf mich. Sie wirkte äußerst unzufrieden. War sie immer noch wegen des Fischbrötchens sauer? Obwohl ich Siggi gegenüber etwas anderes behauptet hatte, war Antje noch kein Fitzelchen lockerer geworden, seit ich sie unter meine Fittiche genommen hatte. Dass sie mich endlich beim Vornamen nannte, verzeichnete ich schon als gewaltigen Fortschritt. Zum Glück beschäftigte sie jedoch etwas anderes.

»Ich bin noch nicht lange hier, aber das ist schon das vierte Mal, dass wir dorthin gerufen werden«, sagte sie mit gerunzelter Stirn. »Wenn Herr Kammelk und Herr Schluff sich aus Langeweile ständig streiten, ist das doch deren Sache. Uns jedes Mal zu rufen ist Verschwendung von Steuergeldern.«

»Aber was sollen wir machen? Wir werden gerufen – wir kommen.«

Ich fuhr los und nahm einige Abkürzungen über die Feldwege. Die beiden Bauernhöfe lagen außerhalb und sehr idyllisch auf einer Warft, eingerahmt von hochgewachsenen Bäumen und umgeben von Feldern und Wiesen. Weit und breit war kein anderer Nachbar zu sehen. Was wahrscheinlich eines der Grundprobleme der streitlustigen Männer darstellte. Herrn Schluffs Ehefrau war vor einigen Jahren verstorben, während sich Herrn Kammelks Frau vor zwei Jahrzehnten aus dem Staub gemacht hatte. Die Einsamkeit hier draußen tat den beiden nicht sonderlich gut.

Ich parkte den Wagen auf dem blank gefahrenen Kopfsteinpflaster zwischen den Höfen. Früher waren hier noch Kühe gehalten worden, doch inzwischen waren die Ställe verwaist. Die beiden Herren waren schon Ende siebzig, und keines ihrer Kinder hatte in ihre Fußstapfen treten wollen. Man sah den Gebäuden an, dass die betagten Besitzer sich kaum noch um die Instandhaltung kümmern konnten. Überall wucherte Unkraut, landwirtschaftliche Geräte rosteten ungenutzt vor sich hin, und am Eingang von Herrn Schluffs Scheune flatterte eine zerschlissene Plane. Auch sie war schon der Grund für einen Einsatz gewesen: Herr Kammelk hatte uns wegen nächtlicher Ruhestörung gerufen, da ihm das Geräusch der im Wind umherschlagenden Plane angeblich den Schlaf geraubt hatte.

Wir stiegen aus, und ich gab Antje letzte Instruktionen, während sie ihre Schutzweste zurechtrückte. »Wir machen es wie gehabt. Wir bleiben neutral und mischen uns nicht in den aktuellen Streitfall ein. Unsere Aufgabe ist es, zu deeskalieren und eine Situation zu schaffen, mit der beide Parteien leben können.«

Nachbarschaftsstreitigkeiten gehörten zu unserem Alltag. Ebenso wie Verkehrsverstöße, Tätlichkeiten, Trunkenheit, verschwundene Haustiere oder kleinere Diebstahlsdelikte. Schwerverbrechen kamen in unserer Gegend so gut wie nie vor.

Antje nickte mir zu. »Ich bin bereit.«

Sie hatte wieder ihre strenge Bad-Cop-Miene aufgesetzt, was ich in gewisser Weise nachvollziehen konnte. Als Frau musste man Autorität ausstrahlen, um als Polizistin ernst genommen zu werden. Auch ich verhielt mich in Uniform anders als privat. Ich legte alles Weibliche und Warme ab, meine Körperhaltung war straffer, und ich nahm durch den hüftbreiten Gang mehr Raum ein. Ich verwandelte mich in eine toughe Beamtin, die alles unter Kontrolle hatte, den Menschen hilfreich zur Seite stand und für Gerechtigkeit sorgte....

Erscheint lt. Verlag 28.2.2025
Reihe/Serie Nordsee-Reihe
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Aurich • Krummhörn • Liebesbrief • Liebesroman • Meer • Nordsee • Ostfriesland • romantisch • Sommerroman
ISBN-10 3-7517-6093-8 / 3751760938
ISBN-13 978-3-7517-6093-5 / 9783751760935
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