Billy - das Buch (eBook)

Ein Versuch, diese Welt zu verstehen
eBook Download: EPUB
2024
278 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-0933-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Billy - das Buch - Billy-Luise Sauerampfer
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Eine poetische Autobiografie über Identität und Liebe. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Wie ist das mit der Liebe? Diese Fragen begleiten uns ein Leben lang - doch wie oft nehmen wir uns die Zeit, wirklich nach Antworten zu suchen? In diesem Buch erzählt die Autorin ihre eigene Reise voller Zweifel, Einsichten und poetischer Gedanken. Eine Autobiografie, die tief ins Herz blicken lässt, Fragen stellt und ein Gefühl der Verbundenheit schafft. Mit literarischer Kraft und poetischem Feingefühl beschreibt sie, wie es ist, den eigenen Platz in einer komplexen Welt zu suchen. Für alle, die sich inspirieren, reflektieren und bewegen lassen wollen.

Hier ist sie, Billy, die schon so viele Namen bekam, dass sie sich auf diesen festlegte. Geboren 1967, hinter der Mauer. Im schönen Örtchen Finsterwalde versucht sie, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein, bricht aber immer wieder aus, um sich selbst, Freiheit und den Sinn des Lebens zu finden.

SYMPTOME


Es ist gut, innezuhalten und zu überlegen, was wirklich erzählenswert ist. Ich habe am eigenen Leib Dinge erfahren, die mein atheistisches, rationales Weltbild zerstört haben. Es geht auch darum, was für eine große Verantwortung uns selbst gegenüber wir haben, Körper, Geist und Seele gesund zu erhalten. Was mir auf der Seele brennt, was ich zwar im Geiste erfassen, aber nicht ausdrücken, nicht kommunizieren kann, zeigt sich körperlich. Ich gehe gedanklich mal den Weg der Symptome.

Als Kind hatte ich sehr oft Angina oder Mumps. Um nicht in den Kindergarten zu müssen oder weil mir das Verhältnis zwischen meinen Eltern die Luft zum Atmen nahm. Krebs wünschte ich mir, weil mein Bruder es hatte und er über den Tod hinaus mehr Aufmerksamkeit bekam. Er fehlte mir einfach so sehr. Ich lernte: Wer auf tragische Weise stirbt, wird beachtet.

Und ich malte mir aus, wie es dereinst wäre, wenn auch ich an Krebs gestorben sein würde. Werdet IHR an meinem Grabe bereuen, mich nicht wahrgenommen zu haben? Später, als mir die Brüste wuchsen, war ich peinlich berührt, versuchte sie mir abzubinden, veränderten sie doch plötzlich das Benehmen der Jungs mir gegenüber. Wir hatten vorher miteinander gespielt, als wäre ich einer von ihnen. Mit 14 bekam ich kreuz und quer über die Brust Muluscum Contagiosum, Warzen. Ich liebte es, mich zu verlieben und auch zu knutschen. Aber ich wollte nicht, dass nur mein Körper begehrt wird und meine Seele nicht. Also wurde der Körper unansehnlich.

Außerdem hatte ich diese Idee im Kopf: Einer würde mir eines Tages begegnen und wir würden erkennen, dass wir füreinander bestimmt sind. Und dann fanden sie sich und waren für immer glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und sicher so verliebt wie am ersten Tag. Ich bin geflüchtet, wenn ich die Beine breit machen sollte. Oder sie verließen mich, weil ich sie nicht ließ. So oder so, immer war es sehr traurig, denn ich liebte ja. Doch wollte ich etwas anderes befriedigt sehen als die tierischen Triebe. Ich verstehe mich als Seele und möchte um meiner selbst Willen geliebt werden. Nicht, weil meine Titten an die Mama erinnern oder ich etwas leiste, was andere befriedigt.

Was ist mit mir? Also ich als Linkshänder kraule mir meine rechte Armbeuge. So zärtlich, dass ich es fast nicht mehr aushalten kann. Dann kratze ich drüber, um wieder klarzukommen. Gefühle zeigen ist nicht so leicht und darum gibt und gab es sehr viele Symptome in meinem Leben. An dem Arm, den ich immer kraulte, bekam ich Warzen, wenn ich unglücklich war und sie verschwanden, war ich zufrieden. Mit 23 hatte ich 23 Warzen an Händen und Füßen. Ich konnte nicht handeln, nicht streicheln, nicht geben oder nehmen. So konnte es nicht weitergehen, ich nicht weitergehen. Die Füße schmerzten.

Als Kind hatte ich dasselbe in Grün und es gab einen Termin beim Arzt zur chirurgischen Entfernung der Warzen, vor dem ich mich sehr fürchtete. Meine Mutter gab mir den Tipp, bei Vollmond mit fauligen Blättern im Schuh dreimal um unser Haus zu rennen und dann die Warzen zu vergessen. Ich glaubte fest an ein Gelingen und hatte Erfolg. Die OP wurde abgesagt.

Jetzt nahm ich die Sache gleich selbst in die Hand, fuhr jedes Mal bei Vollmond des Nachts in den Park –mein Hund freute sich –und nutzte die Gelegenheit, Häschen zu jagen. Ich nahm einen Spruch als Mantra, der mir bei meinen Aktionen den Kopf freihielt: »Im going to leave it all behind, what makes me mad and sad and blind.« Ob ich rannte oder gymnastizierte, immer versuchte ich, mich zu überwinden, mir zu zeigen, dass ich stärker war, als ich dachte. Nach einem Jahr war ich warzenfrei.

Ich wusste jetzt, was für Selbstheilungskräfte in mir steckten und wie ich sie aktivieren konnte: mit Fantasie, vollem Einsatz, Konzentration und Aktion. Es ging um die Materialisierung von Gedanken. Womöglich scheiden sich hier die Geister. Was ist glaubwürdig? Das, was wirkt.

Nach meiner schlimmsten Beziehungskiste mit dem Jeckyll/ Hyde-Mann, der so lieb und schrecklich böse sein konnte, mich regelmäßig verprügelte, um mich dann weinend um Verzeihung zu bitten, bekam ich Krebs am Gebärmutterhals. Dabei war er der Erste, von dem ich ein Kind wollte. (Ausgerechnet!) Felix, der Glückliche sollte es werden. Was für eine Illusion. Wie hätten wir Eltern sein können, wo doch zuhause alle drei Tage Krieg herrschte. Warum bin ich diesem Typen nicht schon nach der ersten Faust auf mein Auge davongelaufen? Hörig war ich und kann nicht recht verstehen, wie mir das passieren konnte. Ich bin doch sonst so stark. Liebe verblendet.

Er hat mich demontiert, meine Tagebücher studiert, während ich brav unseren Lebensunterhalt verdiente. Und mich dann stasimäßig verhört, wen ich wie und wann und warum geliebt hätte, warum es nicht hielt. Ich würde sowieso alle lieben. Warum sollte er mir glauben, dass unsere Geschichte jetzt was Besonderes sei … Hure!

So weit in Rage geredet, schloss er die Wohnung von innen ab, steckte demonstrativ den Schlüssel ins Schloss, drängte mich in die Ecke und verprügelte mich nach Lust und Laune. Einmal wars so schlimm, ich wünschte mir, tot zu sein, und entschwand tatsächlich, war weg. Als ich wieder zu mir kam, kniete ich in der Zimmerecke auf der Matratze und er ganz fassungslos vor mir. Ich sei ganz weiß geworden und hätte durch ihn hindurchgeschaut, als wäre er nicht anwesend. Diese kleine Flucht rettete mir den Abend und warf Fragen auf. Konnte ich in der Not meinen Körper verlassen? War ich ohnmächtig gewesen? Dann wäre ich doch schlapp zusammengesackt. Noch eine weitere Geschichte, die uns dahin führt, was mir am wichtigsten ist, zu all den Erlebnissen, die ich vielleicht als irre eingestuft hätte, wären sie nicht mir selbst passiert.

Es war die Zeit des Krieges im Irak. Würde es zum Weltkrieg kommen oder würden all die Gifte, die wir unserer Umwelt antun, uns letztlich umbringen? Es war das Unterrichtsfach Umwelthygiene, welches mir so richtig die Augen öffnete. Wie wir Menschen die Erde zerstören, anderen Wesen den Lebensraum nehmen, Wälder abholzen, uns selbst krank machen und uns so den Teppich unter den Füßen wegziehen. Ich war nicht allein, es war unser aller Angst und ich wurde auf die Prophezeiungen von Nostradamus gestoßen, denen zufolge ein großes Übel bevorstand.

In solch recht trübe Gedanken verstrickt, radelte ich morgens circa 5.30 Uhr zur Arbeit auf »Bonnies Ranch«. Es war noch dunkel, die Stadt verschlafen, die Straßen leer. Linkerhand die Klinik, musste ich die Fahrbahnen überqueren. Ich drehte mich um, wie ich das immer tat, fand alle Bahnen verlassen und wollte los. –Ein Knall, ein Flug und ich lag auf der Straße, sah das Auto auf mich zukommen und hatte plötzlich das Gefühl, alles in Zeitlupe zu erleben. Fragte mich, ob ich schon fertig wäre, was ich noch wollte und ob der Wagen stoppen würde, bevor ... War es die Todesangst, die mich der Zeit enthob, oder hatte ich einfach nur einen Schock erlitten und deshalb schien die Zeit für mich anders zu vergehen? Hätte das Auto rechtzeitig gestoppt, wenn die Zeit normal vergangen wäre?

Erst als der Mercedesfahrer ausstieg, mich anbrüllte, ob ich denn keine Augen im Kopf habe etc., tickte die Uhr wieder richtig. Ich rappelte mich auf, nahm, was von meinem Rad noch übrig war, und lief zur Arbeit. Es war nicht mehr weit.

Ich hatte großes Glück gehabt und kam mit einigen blauen Flecken und Schürfwunden davon. Für den Denkanstoß bin ich jedenfalls dankbar.

Meine Reaktion: Ich verpflichtete mich für ein Jahr als Dauernachtwache und wollte anschließend ein Jahr unbezahlten Urlaub haben, um die weite Welt zu erkunden. Außerdem beschloss ich, mir die Nachrichten nicht mehr anzuhören. Informiert sein ja, aber mir nicht jeden Morgen die Angst schon in den Frühstückskaffee rühren zu lassen, denn sie lenkt mich davon ab, meinen Weg zu finden und auch zu gehen.

Ich wollte in der Klinik für mehr Sinnenfreude sorgen und fragte Team und Chefs, ob ich denn den tristen Gang verschönern dürfe. Man erlaubte mir, während der Nachtschichten, sollte ich Zeit finden, die ganze Station anzumalen. Ich durfte meinen Hund mitbringen. Der war so treu und pflegeleicht, dass ich ihn im Park rumflitzen lassen konnte. Er kam von selbst, um nach mir zu schauen, und wenn ich nach ihm pfiff, sowieso.

Sieben Wände bemalte ich, dreizehn Menschen begleitete ich in den Tod in diesem Jahr. Damals waren es Coxsackie-Viren, die die Alten und Schwachen dahinrafften. Immer öffnete ich das Fenster, hatte jemand die Schwelle übertreten. Ich war mir noch nicht sicher, was ich glauben durfte über das Leben der Toten. Es war etwas im Raum, das raus wollte, und meist waren die Gesichter der Verstorbenen friedlich.

Dass ich als Kind mit meinem Bruder kommuniziert hatte (Post mortem), daran glaubte ich, weil ich es so wahrgenommen hatte.

So ein Buch verhält sich eigenartig. Es schreibt sich selbst. Es wird kein chronologisch korrekter Lebenslauf, weil mir immer wieder...

Erscheint lt. Verlag 7.5.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte autobiografische Gedichte • Emotionale Entwicklung • Für Menschen auf Identitätssuche • Für Suchende und Denker • Gedanken über Liebe und Leben • Gedichte • Gedichte über das Leben • Identitätssuche • Identitätssuche Selbsthilfe • Innere Balance • Innere Reise • Lebenserinnerungen • Lebenserinnerungen Lebensgestaltung • Lebenshilfe Ratgeber • Lebensweg • literarische Autobiografie • Literarische Lebensreflexion • Poetische Selbstentfaltung • Selbstreflexion • Selbstreflexion Biografie
ISBN-10 3-7597-0933-8 / 3759709338
ISBN-13 978-3-7597-0933-2 / 9783759709332
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