Perry Rhodan Neo 218: Abstieg in die Zeit (eBook)

eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-4918-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Perry Rhodan Neo 218: Abstieg in die Zeit -  Rainer Schorm
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Fünfzig Jahre, nachdem die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen ist, haben Kolonisten erste Siedlungen auf fremden Welten errichtet. Der Weg ins Weltall verläuft mühsam und abenteuerlich. Aber geleitet von Perry Rhodan, haben die Menschen bislang jede Gefahr überstanden. Doch im Jahr 2089 werden sie mit einem Gegner konfrontiert, der nicht fassbar erscheint. Das mysteriöse Dunkelleben bedroht die Solare Union. Um dieses Phänomen zu enträtseln, reist Rhodan in ein fernes Sternenreich - zum Compariat. Dort erleidet sein Raumschiff FANTASY einen katastrophalen Unfall. Es gelingt zwar, die Expedition mit einiger Verzögerung fortzusetzen. Aber Rhodan ist mit Dunkelleben infiziert, es geht ihm zunehmend schlechter. Am Ende der Reise liegt Perry Rhodan im Sterben. Nur auf dem Planeten Lashat besteht für ihn noch Hoffnung. Lashat erweist sich jedoch als Ort unerwarteter Gefahren - dort lauert der ABSTIEG IN DIE ZEIT ...

2.

Conrad Deringhouse: Sprünge ohne Ende

 

Es war jedes Mal dasselbe. Conrad Deringhouse hätte es niemals zugegeben, aber sein Vertrauen in die FANTASY schwand. Er war kein Techniker oder Ingenieur. Er konnte, was die Spezifikationen anging, nicht mit dem Technischen Stab mithalten, aber er kannte sein Schiff.

Das ist eine Gabe, dachte er. Ein Fluch leider ebenso.

Er spürte die Beschädigungen des Schiffs, als seien es eigene Wunden. Aus den Augenwinkeln beobachtete er Mentro Kosum. Die Fähigkeiten des Emotionauten, das Schiff zu seinem Körper zu machen, war Deringhouse unheimlich, aber sein eigenes Gespür für die FANTASY glich Kosums Talent auf gewisse Weise.

Darüber sprach er nicht mal mit Montoya. Dass die Erste Offizierin gleichzeitig seine Frau war, änderte daran nichts. Sie war für solche Dinge nicht empfänglich.

Gut so, dachte er. Zwei von der Sorte wären nicht auszuhalten.

In einer spiegelnden Fläche sah er sich selbst: hager, eine lange Narbe am Hals und so viele graue Bartstoppeln, dass ihn ein fiktiver Vorgesetzter sofort zusammengestaucht hätte. Er grinste. Es hatte eindeutig Vorteile, der Kommandant zu sein.

»Mister Kosum, wie sieht's aus?«, fragte er laut.

Der rothaarige und rotbärtige Cyboraner unter der SERT-Haube hob den Daumen. »Die FANTASY schnurrt wie ein Kätzchen, verehrter Kommandant. Wollen Sie sie mal streicheln?«

Deringhouse schnaubte. Kosum gab sich gern betont respektlos, als wolle er der ganzen Welt beweisen, dass er unabhängig war. »Kein Bedarf«, lehnte Deringhouse ab. »Streicheln Sie gefälligst allein. Das ist Ihr Job. Oder wollen Sie sich drücken?«

»Ich mich drücken?«, protestierte Kosum. »Nicht doch!«

»Also los!«, befahl Deringhouse. Er wusste, dass Kosums Optimismus bis zu einem gewissen Grad gespielt war. Aber das war in Ordnung, denn wenn ein Schiffskommandant bei der Besatzung eins nicht gebrauchen konnte, war das Misstrauen oder die Befürchtung, man würde nicht überleben.

Also sollen alle anderen gefälligst anders ticken als ich. Es war ein armseliges Resümee, aber es ging nicht anders. Kommandant zu sein, hieß auch, Psychologe zu sein.

Die FANTASY beschleunigte bereits. Der heikle Punkt war die Eintauchgeschwindigkeit. Je niedriger sie angesetzt wurde, desto belastender war die Transition. Die Strukturfelder rissen das Raumschiff aus dem Normalraum, und der Rücksturz aus dem Hyperraum war kein bisschen harmloser. Es war eine Tortur für das Material. Die FANTASY hatte während ihrer Reise sehr viel mehr ausgehalten, als jede Prognose ihr zugetraut hatte. Die Refraktionszeiten, bei denen ein Kommandant unter normalen Umständen gern mal ein Auge zudrückte, waren im Fall der FANTASY bitterste Notwendigkeit.

»Hoffentlich klappt das«, murmelte Deringhouse und behielt gleichzeitig das Außenbordbeobachtungsholo und die grafischen Schemata im Blick, die ihm die dreidimensionale Trajektorie des Raumschiffs zeigten.

Das Notemesystem war nah, der Sprung somit vergleichsweise anspruchslos, aber Deringhouse vergaß keine Sekunde lang, in welchem Schiff er saß. Der Linearantrieb war ein Erfolg gewesen – zunächst. Alle waren begeistert gewesen und hatten bereits das Heraufdämmern einer neuen Ära der menschlichen Raumfahrt vor sich gesehen. Er selbst war da keine Ausnahme. Aber wie so häufig bedeutete der gelungene Start nicht automatisch eine gute Landung.

Es war vermessen, vom ersten Moment an. Deringhouse bemerkte bitter, dass sich in ihm Selbstmitleid breitmachte.

»Es wird gut gehen!«, sagte Gabrielle Montoya leise. Es erstaunte Deringhouse immer wieder, wie empathisch seine Frau war, trotz ihres sachlich-nüchternen Charakters.

»Wenn du das sagst«, murmelte er kaum hörbar.

Die Zentrale der FANTASY wirkte größer, als sie eigentlich war. Blaue und graue Farbtöne schufen eine neutrale Atmosphäre. In der Mitte des kreisförmigen Raums erhob sich eine Großkonsole, scherzhaft »der Fliegenpilz« genannt. Rundherum positionierten sich die Kernstationen: Ortung, Technik, Energie ... und natürlich der Platz des Emotionauten. Man konnte die FANTASY konventionell steuern, aber auf dieser besonderen Reise war Conrad Deringhouse häufig genug froh darüber gewesen, dass ein Meister wie Mentro Kosum den Experimentalraumer lenkte; gleichgültig wie widerborstig sich der Cyboraner gab.

Die Energiemeiler der FANTASY waren laut; deutlich zu laut für Deringhouses Geschmack, aber daran ließ sich nichts ändern. Der Prototyp hatte sich tapfer gehalten. Sie würden Lashat erreichen, sofern nicht in letzter Sekunde etwas Unvorhergesehenes geschah.

Genau damit rechnete er allerdings, ganz nach dem Murphy'schen Motto: Wenn etwas schiefgehen kann, geht es schief.

Das Ekelhafte daran ist: Ich habe momentan nicht die geringste Ahnung, was das sein könnte, dachte er. Aber etwas wird sich finden, da bin ich sicher.

Seine Frau stupste ihn an. »Du weißt, dass es Murphy nicht gibt, oder? Alter Pessimist!«

Deringhouse musterte konzentriert die Anzeigen, die ihm die Holowolke darbot. »Wenn du meine Gedanken gelesen hast, lies weiter! Ich habe dich geheiratet. War das pessimistisch?«

»Sei froh, dass ich einem Vorgesetzten keine verpassen darf. Aber ich habe ein gutes Gedächtnis, wie du weißt«, warnte sie.

Deringhouse grinste schmal. »Wir sind beide steinalt. Da lässt das Gedächtnis schon mal zu wünschen übrig. Ich hätte beinahe gesagt, vergiss das nicht.«

»Was?«, fragte Montoya.

»Eben!«, sagte Deringhouse.

Sie hatten die Transitionsparameter beinahe erreicht, nah am Optimum. Deringhouse richtete den Blick auf den Platz, an dem Perry Rhodan üblicherweise saß. Der Sitz war verwaist. Rhodan lag in der Medostation.

An den Anblick gewöhne ich mich nie!, dachte Deringhouse deprimiert.

Nach den Abenteuern in der KIRRSH, dem Kommando- und Gefängnisschiff der Shafakk, hatte der MINSTREL, der kleine Ableger der Hyperinpotronik NATHAN, die meiste Zeit über dem Fliegenpilz geschwebt, als sei das sein angestammter Platz. Nun, da er nicht mehr in der Zentrale war, vermisste Deringhouse sogar ihn.

Die beiden NATHAN-Interpreterinnen, Laura und Sophie Bull-Legacy, waren ebenfalls nicht anwesend. Ob das der Fall war, weil der MINSTREL seinen Platz geräumt hatte oder ob dieser den beiden Zwillingen gefolgt war, wusste Deringhouse nicht. Er war verblüfft gewesen, als er erfuhr, dass der MINSTREL in der Medostation aufgetaucht war. Niemand hatte versucht, ihn aufzuhalten, selbst wenn das möglich gewesen wäre.

Was bei allen Sternenteufeln will er in der Intensivstation?, fragte er sich zum tausendsten Mal.

Der MINSTREL war eine anorganische Intelligenz, wie NATHAN, der Vaterverbund, auf dem irdischen Mond; kein Computer, obwohl viele den Unterschied nicht begriffen. Zweifellos verfügte NATHAN über ein medizinisches Wissen in einem Maße wie kein Arzt der Welt. Aber bis auf sehr spezifische Aktionen war die Hyperinpotronik auf diesem Gebiet nicht aktiv geworden. Er hatte Rhodans Söhne zu den ersten Emotionauten der Menschheit und die Töchter von Reginald Bull und Autum Legacy zu seinen persönlichen Interpreterinnen gemacht. Nicht, dass Deringhouse genau gewusst hätte, was damit gemeint war, aber dass die Zwillinge verändert worden waren, daraus machten sie selbst kein Geheimnis.

Bislang jedoch hatte der MINSTREL Perry Rhodan nicht geholfen – wahrscheinlich nicht helfen können. Warum also suchte er nun dessen Nähe?

Ein leises Akustiksignal zeigte das Erreichen der optimalen Sprunggeschwindigkeit an.

»Das Halbraumfeld baut sich auf«, meldete Cameron Canary. Der rothaarige Multi-Ingenieur klang zuversichtlich.

Das Team aus Ingenieuren und Technikern, die den größten Teil der Mannschaft ausmachten, hatte ein Experiment gewagt. Der Linearantrieb funktionierte nicht. Für einen Linearflug war das Halbraumfeld zu instabil, aber für eine Hilfsfunktion war es bestens geeignet.

Das Feld erleichterte der FANTASY den Durchbruch in den Hyperraum und ebenso den Rücksturz. Diese Technik reduzierte nicht nur den Energieaufwand der Strukturprojektoren, sie verringerte zugleich die Belastungen für das Material und die Besatzung erheblich. Für das Transitionstriebwerk der FANTASY, das niemals für die gewaltigen Entfernungen oder die immense Anzahl der dicht hintereinanderfolgenden Sprünge konzipiert worden war, die für ihre derzeitige Fernexpedition nötig waren, war das wahrscheinlich die Rettung gewesen.

Zumindest haben wir so unser Ziel beinahe erreicht, dachte Deringhouse.

Kosum gab das Signal, und die FANTASY sprang.

Der Eindruck unterschied sich von einer normalen Transition. Deringhouse glaubte, einen alles überziehenden, rötlichen Schimmer zu sehen – einen typischen Halbraumeffekt.

Wie immer dauerte der Sprung nicht lange genug, um wirklich wahrgenommen werden zu können, der Vorgang glich eher der Erinnerung an einen Traum. Der übliche Transitionsschock war kaum spürbar. Ohnehin hatte sich Deringhouse im Laufe der Jahrzehnte daran gewöhnt. Aber für viele der Techniker und Ingenieure an Bord, die den größten Teil ihrer Dienstzeit in den Werften auf dem Mond oder der Erde verbracht hatten, war es eine erhebliche Erleichterung. Sprungverspannungen mit ihren unangenehmen Sekundärfolgen gab es keine mehr, das hatte er einem Bericht von Pari Sato entnommen, der Chefärztin der FANTASY.

Wenigstens das, dachte er. Dann ist dieser technische Großversuch immerhin zu etwas...

Erscheint lt. Verlag 23.1.2020
Reihe/Serie Perry Rhodan Neo
Verlagsort Rastatt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction
ISBN-10 3-8453-4918-2 / 3845349182
ISBN-13 978-3-8453-4918-3 / 9783845349183
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