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Das Parlament der Natur (eBook)

Was uns Farne, Finken und ihre Verwandten zu sagen haben | Nichts ist politischer als die Natur - oder: Wie es gelingt, die Welt zu retten.
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
320 Seiten
Ullstein (Verlag)
978-3-8437-3539-1 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
31,99 inkl. MwSt
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Warum in den großen Naturkundesammlungen ein Schlüssel zur Rettung der Menschheit steckt Was haben der Schädel eines Quaggas, eine ausgestopfte Wandertaube und ein Riesenalk gemeinsam? Richtig, alle drei Arten sind ausgestorben. Doch warum ist es ein Problem, wenn eine bestimmte Vogelart oder eine Tomatensorte verschwindet? Die Naturforscher Sarah Darwin und Johannes Vogel haben ein großes gemeinsames Lebensthema: Im Gespräch mit Boris Herrmann entwerfen sie nichts Geringeres als ihre Vision zur Rettung der Welt. Eine Schlüsselrolle kommt darin den großen Naturkundesammlungen zu. Denn aus diesem größtenteils unentdeckten Schatz - allein im Berliner Naturkundemuseums lagern über 200.000 Vogelpräparate - lassen sich Entwicklungen beschreiben, Zeitachsen bilden und Vorhersagen treffen. Vor allem könnten hier Orte der politischen Debatte entstehen, die die entscheidenden Impulse zum Umdenken liefern. Die wissensbasierte demokratische Gesellschaft zu stärken, um die notwendigen politischen Mehrheiten zum Handeln zu gewinnen - das ist das Anliegen der Autorin und der Autoren. Deshalb ist ihr leidenschaftliches Gespräch über Natur zugleich ein Gespräch über wegweisende Politik.   

Sarah Darwin, geboren 1964 in London, ist die Ururenkelin von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie. Sie gilt als eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Tomaten. Auf den Galapagos-Inseln hat sie als Erste eine endemische Art beschrieben, die nur dort wächst. Sie verheiratet mit Johannes Vogel, dem Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums. 

Sarah Darwin, geboren 1964 in London, ist die Ururenkelin von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie. Sie gilt als eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Tomaten. Auf den Galapagos-Inseln hat sie als Erste eine endemische Art beschrieben, die nur dort wächst. Sie verheiratet mit Johannes Vogel, dem Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums.  Johannes Vogel, geboren 1963 in Bielefeld, ist Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums und hat über das Sexualverhalten von Farnen promoviert. Er ist verheiratet mit Sarah Darwin, der Ururenkeln von Charles Darwin.  Boris Herrmann, geboren 1978 in Karlsruhe, ist US-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Zuvor arbeitete er im Berliner Parlamentsbüro der SZ und als Korrespondent in Lateinamerika. Dr. Sebastian Vogel, geb. 1955 in Berlin. Ich habe in Heidelberg und Köln Biologie studiert und das Studium 1985 mit der Promotion abgeschlossen. Danach war ich zunächst als Journalist und Autor tätig, ab 1987 als wissenschaftlicher und literarischer Übersetzer. Seither habe ich über 200 Titel – vorwiegend Sachbücher – für verschiedene deutschsprachige Verlage aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Seit 2003 lebe und arbeite ich in Kerpen.

Die Denkwand des Museums – auch bekannt als Biodiversitätswand.

VORWORT


Dieses Buch wäre ohne die Riesenschildkröte Alejandra nicht zustande gekommen. Sicherlich, auch Alexander von Humboldt, Charles Darwin und Frank-Walter Steinmeier haben ihre Beiträge geleistet, aber der Reihe nach.

Die Vorfahren der Schildkröte Alejandra kamen vor etwa zwei Millionen Jahren auf die Galápagosinseln im Pazifischen Ozean. Die Schildkrötenforschung geht davon aus, dass sie günstige Strömungen nutzten, um vom südamerikanischen Festland herüberzuschwimmen, etwa 1000 Kilometer sind es von der Küste Ecuadors. Frank-Walter Steinmeier erreichte den Archipel knapp zwei Millionen Jahre nach den Riesenschildkröten, im Februar 2019. Er war damit aber immer noch der erste deutsche Bundespräsident, den eine Dienstreise auf die Galápagosinseln führte.

Alexander von Humboldts Haustier: Papagei Jacob hat die Zeit als Präparat überdauert.

Ich durfte als Berichterstatter für die Süddeutsche Zeitung dabei sein, als Steinmeier in der Zuchtstation »Charles Darwin« ein Glaskästchen überreicht bekam, in dem sich die neugeborene, also noch nicht ganz so riesige Riesenschildkröte Alejandra befand. Steinmeier hielt das Kästchen behutsam, aber auch ein bisschen stolz in die Luft. Dann gab er Alejandra an eine Mitarbeiterin der Zuchtstation zurück. Etwa zwei Dutzend Zuschauer applaudierten. Seit diesem Moment gehörten sie zusammen – der Schildkrötenpate aus Deutschland und sein Bundespräsidentenpatenkind von den Galápagosinseln. Steinmeier sagte: »Ich kann aber nicht täglich zum Füttern vorbeikommen.«

Der Bundespräsident war damals offiziell »auf den Spuren Alexander von Humboldts« in Südamerika unterwegs. Auf den ersten Blick mochte es wie ein Fehler im Reiseplan aussehen, dass Steinmeier dabei auch einen Abstecher auf die Galápagosinseln machte. Denn im Gegensatz zu uns allen, die wir hier in der Zuchtstation standen oder etwa auch Charles Darwin, nach dem diese Station benannt ist, war Humboldt nie auf Galápagos.

Allerdings lautete die zentrale Erkenntnis, die der preußische Naturforscher auf seiner Südamerikareise von 1799 bis 1804 gewann, dass auf dieser Welt alles mit allem zusammenhängt. In seinem 1808 erschienenen Buch »Ansichten der Natur« schrieb er über die Kondore am Antisana, einem 5704 Meter hohen schneebedeckten Vulkanmassiv auf dem ecuadorianischen Festland: »Es ist eine merkwürdige physiologische Erscheinung, dass derselbe Vogel, welcher stundenlang in so luftdünner Region im Kreise umherfliegt, sich bisweilen plötzlich zum Meeresufer herabsenkt und in einigen Stunden gleichsam alle Klimate durchfliegt.« Humboldts Erkenntnis, dass die Erde über alle Kontinente hinweg in verschiedene Klima- und Vegetationszonen unterteilt ist, formulierte er hier wie eine Selbstverständlichkeit, dabei war sie damals radikal neu. Alexander von Humboldt entdeckte in den kleinsten Details die großen Zusammenhänge, er entwickelte unser Verständnis von Ökosystemen, lange bevor der Begriff geprägt wurde. Er hat auf seiner Südamerikareise als einer der Ersten den menschengemachten Klimawandel beschrieben. Er erkannte, dass Natur und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind. Und: Er war es, der Charles Darwin inspirierte.

Hätte Darwin die Schriften Humboldts nicht gekannt und bewundert, dann wäre er wohl niemals nach Galápagos gekommen, wo er zu seiner bahnbrechenden Evolutionstheorie inspiriert wurde. Das alles und noch vieles mehr bekam der Bundespräsident von Expertinnen und Experten erklärt, die ihn auf dieser Reise begleiteten. Zwei Teilnehmer der Steinmeier-Delegation erschienen mir von Beginn an besonders interessant: eine Frau mit langen dunklen Locken und einem sehr britischen Akzent sowie der Mann mit dem größten Ringelschnäuzer, den ich je gesehen hatte. »Darwin hat Humboldt hier zu Ende gedacht«, sagte die Frau mit dem britischen Akzent zu Steinmeier. »Nichts ist so politisch wie die Natur«, merkte der Ringelschnurrbartträger an.

Später, bei einem Spaziergang über die menschenleere Galápagosinsel Seymour Norte stellte ich mich den beiden vor, es war mein erstes Gespräch mit Sarah Darwin und Johannes Vogel – und damals ahnte ich nicht, wie viele noch folgen würden. Während wir so an Braunpelikanen, Seelöwen, Landleguanen, Fregattvögeln und Blaufußtölpeln vorbeistapften, die hier keine natürlichen Feinde haben – und deshalb auch keine Fluchtreflexe –, erfuhr ich, dass Sarah Darwin nicht nur die führende Forscherin über die endemische Galápagos-Tomate ist, sondern auch eine Ururenkelin Charles Darwins sowie die Ehefrau des Ringelschnurrbartträgers und Direktors des Berliner Naturkundemuseums, nämlich von Johannes Vogel. So hatte es Humboldt wahrscheinlich nicht gemeint, aber jetzt verstand ich: Alles hängt mit allem zusammen.

Die Eheleute Darwin und Vogel, beide promovierte Botaniker, darf man ohne rot zu werden als das Traumpaar der Naturforschung bezeichnen. Johannes Vogel hat über das Sexualverhalten von Farnen geforscht. Sarah Darwin hat auf den Galápagosinseln eine bis dahin unbekannte Tomatenart beschrieben, die nur dort wächst. Sowohl Darwin als auch Vogel begreifen sich aber auch als politische Aktivisten im Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben.

Charles Darwin hat die Vorstellung des Menschen entzaubert, er sei die Krone der Schöpfung. Allerdings hat der Mensch seither nicht aufgehört, sich wie die Krone dieser Schöpfung zu benehmen. Das ist das gemeinsame Lebensthema von Sarah Darwin und Johannes Vogel. Sie kämpfen für nichts Geringeres als für die Rettung der Welt.

Bei unserem Kennenlern-Spaziergang auf Seymour Norte erzählten mir die beiden, dass die Riesenschildkröten wie Alejandra hier inzwischen gezüchtet und später ausgewildert werden, weil sie auf einigen der Galápagosinseln ausgestorben sind. Präziser gesagt: weil sie von Menschen ausgerottet wurden. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein haben Seeräuber und Walfänger Abertausende dieser Schildkröten auf ihre Schiffe verladen – als Frischfleisch-Proviant blieben sie auf dem Rückenpanzer liegend bis zu ein Jahr am Leben.

Das ist eine von unzähligen Geschichten über den vielleicht fatalsten menschlichen Irrglauben: nämlich dass er, der Mensch, eingebunden ist in eine Natur, die ihm unendlich zur Verfügung steht. Dass die Welt also dazu da ist, um ihm untertan zu sein. Daran hat sich auch knapp 200 Jahre nach Charles Darwins Entdeckungsreise nicht viel geändert. Im Gegenteil. Die menschliche Hybris stößt jedoch bei einer Weltbevölkerung von acht Milliarden komplett an ihre Grenzen.

Wie sagte Johannes Vogel? »Nichts ist so politisch wie die Natur«. Der Satz ist mir, dem Politikjournalisten, nie wieder aus dem Kopf gegangen.

Nach Steinmeiers Galápagos-Reise auf den Spuren Humboldts und zu Ehren der Schildkröte Alejandra bin ich mit Sarah Darwin und Johannes Vogel in Kontakt geblieben. Wir sind uns seither in unregelmäßigen Abständen immer wieder begegnet, haben über preußische Naturforscher und Fridays for Future geredet, über ausgestopfte Pinguine und die damalige Ampelkoalition. Irgendwann haben wir begonnen, uns zu duzen. So entstand die Idee zu diesem Interview-Buch über den Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der Arten und der Krise der Demokratie – beides sind große, weltumspannende Themen. Und alle drei Autoren sind der Ansicht, dass sie mehr miteinander zu tun haben, als gemeinhin angenommen wird.

Was meine Rolle als Co-Autor im Verbund mit Sarah und Johannes betrifft, so musste ich an Douglas Adams denken. Natürlich würde ich mich niemals im Leben auch nur ansatzweise mit dem großen und leider viel zu früh verstorbenen Douglas Adams vergleichen wollen. In meiner Jugend im beschaulichen Kurstädtchen Baden-Baden gab es zu Beginn der Neunziger nicht allzu viel zu erleben. Wir wuchsen auf mit dem dummen Gefühl, dass gerade das beste Jahrzehnt aller Zeiten begonnen hatte – und wir saßen hier im Schwarzwald rum. Es gab drei Dinge, die uns zumindest emotional in das große weite Universum hinauszogen, das waren die Lieder von Kurt Cobain, die Filme von Quentin Tarantino und die Bücher von Douglas Adams.

Auch wenn der größte Teil der Romanreihe »Per Anhalter durch die Galaxis« natürlich in den Achtzigern geschrieben wurde, für mich in meinem Kurstädtchen war das Mitte der Neunziger die Literatur der Gegenwart. Eines Tages, ich war vielleicht in der neunten Klasse, stieß ich auf ein Buch von Douglas Adams, von dem ich bis dahin nie gehört hatte. Es hieß »Die Letzten ihrer Art«, natürlich kaufte ich es mir sofort.

Am Anfang war ich schwer enttäuscht, dass es nicht um Arthur Dent, den Planeten Magrathea, die Weltraumflotte der Vogonen und die Zahl 42 ging. Es war, wie ich mit Schrecken feststellte, nicht einmal ein Roman. Es ging um das echte Leben, um die Natur und um bedrohte Tierarten. Das erste Kapitel handelte vom Komodowaran in Indonesien. Das hat mich damals nicht sonderlich interessiert.

Ich weiß noch, dass ich das Buch trotzdem bis zum Ende gelesen habe. Ich hatte mein Taschengeld dafür ausgegeben, also musste ich da jetzt irgendwie durch, ob es mir gefiel oder nicht. Aus demselben Grund habe ich in dieser Zeit mindestens drei Mal die CD mit dem unterirdischen Guns N’ Roses Coveralbum »The Spaghetti Incident« von vorne bis hinten durchgehört.

Jetzt, wo ich plötzlich selbst an einem Buch über die Natur und das Verschwinden der Arten arbeite, habe ich nach rund drei Jahrzehnten noch einmal »Die Letzten ihrer Art« gelesen. Meine alte...

Erscheint lt. Verlag 13.3.2025
Übersetzer Sebastian Vogel
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Natur / Technik Naturwissenschaft
Technik
Schlagworte Alexander von Humboldt • Archiv • Arten • Artenschutz • Charles Darwin • Dinosaurier • Engagement • Klimawandel • Naturkunde • Naturkundemuseum • Naturwunder • Objekte • Sammlungen • Tristan • Umweltzerstörung • Zukunftsangst
ISBN-10 3-8437-3539-5 / 3843735395
ISBN-13 978-3-8437-3539-1 / 9783843735391
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