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Alleine ist man nicht so einsam -  Ingrid Metz-Neun

Alleine ist man nicht so einsam (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
144 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7534-3289-2 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
4,99 inkl. MwSt
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Mit diesem Roman möchte ich allen Frauen Mut machen, nicht in einer unbefriedigenden Lebenssituation zu verharren, sondern sich daraus zu befreien. Dazu ist nur ein großes Wollen nötig und eine gehörige Portion Energie. Aber wenn man ein Ziel vor Augen hat, verleiht das ungeahnte Kräfte.

Ingrid Metz-Neun, Jahrgang 1950, Schauspielerin, Sprecherin, Regisseurin, Autorin. Lebt nacht vielen Großstadtjahren in einem kleinen Ort an der Nordsee. Sie schreibt Geschichten, Gedichte und kleine Romane über das Leben.

PROLOG

Irgendwann ändern sich nicht die Dinge,

sondern die Bedeutung, die wir ihnen geben.

(Unbekannt)

Der Tag war wolkenverhangen und nebelschwer. Das Haus gegenüber war kaum auszumachen. Nur schemenhaft konnte man seine Umrisse erkennen. Die wenigen Menschen davor auf der Dorfstraße gingen leicht gebückt und dick vermummt, als wollten sie dem Wetter trotzen. Keiner sprach mit dem anderen. Jede/r war mit sich selbst beschäftigt.

Mia umfasste ihre Teetasse mit dem filigranen Blumenmuster und wärmte ihre Hände daran, während sie zu dem kleinen Küchenfenster hinaus schaute. Sie war zufrieden mit sich und der Welt.

Gerade hatte sie Melanie verabschiedet, die Tochter ihrer besten Freundin. Diese war Journalistin und Frauenrechtlerin und schrieb gerade an einer Serie: „Frauen aus unserer Nachbarschaft“. Darin stellte sie Persönlichkeiten vor, von denen sie meinte, dass sie Vorbilder für die junge Generation sein könnten, denn sie war überzeugt, dass noch immer der Fokus zu sehr auf den Männern, die etwas geleistet hätten, liegen würde.

Lange hatten sie sich unterhalten. Melanie hatte kluge Fragen gestellt und während Mia diese wohl überlegt und ehrlich beantwortet hatte, wurden ihr selbst manche Abläufe noch klarer.

Nach einer kleinen Pause sagte sie:

„Weißt du, was das Schöne am Altsein ist, Melanie?

Jetzt erst sieht man das Leben in seinem Ablauf und begreift, wie alles letztlich miteinander verwoben ist und Sinn macht. Als junger Mensch kann man viele Situationen gar nicht richtig einordnen.“

Melanie hatte gelacht und gesagt: „Ich glaube, ich verstehe, was du meinst, liebe Mia, aber bezeichne dich bitte nicht als alt. So wie du lebst, bist du das beste Beispiel für eine Frau, die nie ganz erwachsen wird, weil sie sich die kindliche Neugier erhalten hat. Ich danke dir, für dieses sehr, sehr schöne Gespräch. Wenn ich den Artikel fertig habe, schicke ich ihn dir, damit du noch mal drüber schauen kannst.“

Dann hatte sie Mia herzhaft umarmt und auf beide Wangen geküsst. „Ich muss jetzt leider los. Bis bald, Mia.“

„Pass auf dich auf und mach was Schönes“, hatte Mia geantwortet.

Dieser Spruch stammte ursprünglich von Britta, Melanies Mutter und begleitete Mia jetzt schon seit Jahrzehnten.

Sie löste sich vom Blick aus dem Fenster. Melanie war schon lange nicht mehr zu sehen. Sie hatte ihr noch nachgewinkt. Jetzt setzte sie sich wieder in ihren Sessel und war tief in Gedanken versunken.

Sie musste unweigerlich noch einmal zurück denken an die Zeit, als sie mit Britta bei Feinkost Walter arbeitete. Da hatte alles angefangen. Es war schon sooo lange her, aber Mia erinnerte sich, als sei es gestern gewesen …

Es war an einem Freitag, kurz vor Ladenschluss.

Die kleine Fleischereifachverkäuferin und der Kunde, der nach einem Rinderfilet fragte. Mia glaubte, nie zuvor eine solche Stimme gehört zu haben, warm, sonor, verbindlich, beschützend, bestimmend, wohltuend.

Bis zu diesem Moment hatte sie überhaupt nicht besonders auf Stimmen geachtet. Aber diese Stimme zwang sie dazu, danach auch alle anderen Stimmen auf ihren Klang hin zu überprüfen. Viele fielen schnell durchs Raster, einige blieben hängen, aber keine war wie seine.

Er war nicht mal besonders attraktiv, eher in jeder Hinsicht Durchschnitt. Aber wenn er den Mund aufmachte, war es um sie geschehen.

Er kam danach fast täglich. Ihr fiel auf, dass er ausschließlich hochwertige Produkte kaufte. Irgendwann fragte er nach ihrem Namen.

„Können Sie nicht lesen, junger Mann. Er steht doch hier in roten Buchstaben“, hatte sie frech geantwortet und dabei auf ihr Namensschildchen am Busen gedeutet.

Sie lächelten sich an.

Es blieb nicht beim Lächeln.

Sie gingen zusammen aus und gemeinsam ins Bett. Und da geschah dieses Besondere, Einmalige, das sie zuvor so noch nie erlebt hatte. Sie wurde von einer warmen Welle des gleichzeitigen Höhepunktes davon getragen.

Mia war im siebten Himmel – oder was sie dafür hielt. Plötzlich fühlte sich jeder Tag so leicht, so beschwingt an. Aus dieser Glückseligkeit heraus, in der ihr jede Frechheit wie ein kindisches, tollpatschiges Vergnügen erschien, erlaubte sie sich Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätte. Gut gemeinte Warnungen von Britta, die das ein oder andere mitbekam, schlug sie in den Wind.

Fast täglich überraschte sie ihn mit irgendeiner mitgebrachten Leckerei, und es machte ihnen Spaß, diese mit Wein oder Champagner zu verzehren. Niemals fragte er, ob sie sich denn so einen Lebensstil leisten könne. Er genoss einfach nur, was ihm bereitwillig kulinarisch und körperlich dargeboten wurde.

Dabei wuchs sie mit ihren Kochkünsten regelrecht über sich hinaus. Nie zuvor wäre sie auf den Gedanken gekommen für sich alleine so einen Aufwand zu betreiben. Aber sie merkte schnell, wie man mit den besten Zutaten fast gar nichts falsch machen konnte. Und so experimentierte sie und garnierte sie und freute sich, wenn sie selbst der krönende Abschluss des Menüs wurde.

„Du bist mein herrlichstes Dessert“, sagte er dann immer lachend und sie ließ es nur zu gerne geschehen.

Das ging eine ganze Weile gut, bis sie aufflog. Ihr Chef stellte sie zur Rede. Sie hatte keine Ausrede, sie musste alles zugeben, denn die ausgewiesenen Inventarlisten stimmten schon lange nicht mehr mit den getätigten Verkäufen überein. Sie akzeptierte, dass er sie des Hauses verwies.

Das Zeugnis, das er ihr ausstellte, war kein gutes. Sie bewarb sich überall, aber keiner wollte sie haben. Von der Stütze konnte sie ihre Wohnung nicht bezahlen. Sie musste raus, zog in eine abgelegene Gegend, in ein herunter gekommenes Haus und ging putzen.

Ihrer „Stimme“ erzählte sie nichts. Sie schämte sich zu sehr, dabei war doch alles nur wegen ihm passiert.

Aber nein, sie suchte den Fehler bei sich. Sie begriff dunkel, dass sie süchtig nach diesen Abenden war, süchtig nach seinem Lob für ihre Kochkunst, aber in erster Linie süchtig nach seinem Mund, seinen Händen, und wie er sie nahm. Erst langsam und sacht, später immer stärker und tiefer und genüsslicher.

Sie hatte ihm nichts von ihrem Rauswurf erzählt. Sie hatten sich nicht mehr gesehen. Er hatte aber auch nichts gefragt, geschweige denn um sie „gekämpft“. Langsam dämmerte ihr: Sie war für ihn nur bequem gewesen. DAS war ihre Schuld.

„Versuchs doch mal mit einem Resilienzkurs. Den gibt es kostenlos im Ärztezentrum. Du musst was für dich tun, Mia.“ Britta war die einzige, die noch zu ihr hielt.

Sie musste erst mal im Internet nachsehen, was das Wort Resilienz überhaupt bedeutete. „Psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“, las sie leise vor sich hin. „Ja, das würde ja passen.“ Und weiter stand dort: „Führen Sie ein 'Glückstagebuch' und trainieren Sie Ihr positives Denken. Dazu notieren Sie jeden Tag drei positive Ereignisse, die Sie erlebt haben.“

Sie lachte schallend. „Drei positive Ereignisse??? Ich wünschte, ich hätte EIN positives Ereignis täglich.“

Ohne weiter zu lesen, stand sie auf und wurde maßlos traurig und wütend. Am liebsten hätte sie irgendwas zerschlagen. Aber sie konnte sich gerade noch beherrschen. Sie weinte stattdessen laut los, bis sie von Weinkrämpfen geschüttelt wurde.

Von da an liefen ihre Gedanken nur noch im Kreis. Sie sah keinen Ausweg mehr. Sie kannte das schon. Es geschah jetzt immer öfter und dann wollte sie nur noch tot sein. Sie glaubte, keine Kraft mehr zu haben. Zu Nichts. Tot zu sein wäre jetzt der bequemste Weg.

Aber irgendwann rappelte sie sich auf, ging in die Küche und trank ein großes Glas Leitungswasser. Sie setzte sich und versuchte tief ein- und gaaanz langsam auszuatmen. Britta hatte ihr das immer und immer wieder vorgesagt, wie ein Mantra. Und tatsächlich – es funktionierte. Langsam beruhigte sie sich.

Sie erinnerte sich plötzlich an einen Bildband über Paula Modersohn-Becker, eine Malerin, die sie sehr mochte und die leider so früh verstorben war, nach der Geburt ihrer Tochter. Sie sollte einmal gesagt haben: „Traurig sein ist wohl etwas Nützliches. Ein Atemholen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.“

„Nein, liebe Paula, es ist ein großer Unterschied, ob das MAL so ist oder meistens, um nicht zu sagen: immer!“ Mia schrie diesen Satz fast heraus.

Nach einer halben Ewigkeit stand sie auf und sagte laut: „Nie mehr lasse ich mich von einem Mann ausnutzen. Nie mehr!“ Danach stampfte sie mit dem Fuß auf. Das tat richtig weh.

Aber es war der Wendepunkt. Sie schmierte sich ein Butterbrot und las am Computer alles was sie über Resilienz fand und auch noch alles über Selbstwertgefühl und verwandte Begriffe. Ein Zitat lernte sie gleich einmal auswendig.

„Irgendwann ändern sich nicht die Dinge, sondern die Bedeutung, die wir ihnen...

Erscheint lt. Verlag 19.4.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-7534-3289-X / 375343289X
ISBN-13 978-3-7534-3289-2 / 9783753432892
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