Krisen der Demokratie (eBook)
240 Seiten
Suhrkamp Verlag
978-3-518-76692-7 (ISBN)
»Wenn die Vergangenheit die Zukunft erhellen soll, müssen wir prüfen, ob die Bedingungen in der Gegenwart denen in der Vergangenheit entsprechen.«
Steckt die Demokratie in der Krise? Befinden wir uns in einer ähnlichen Lage wie zur Zeit der Weimarer Republik? Adam Przeworski sucht nach Antworten, indem er Staaten unter die Lupe nimmt, die ein Abgleiten in autoritäre Verhältnisse erlebten. Er identifiziert drei Bündel von Ursachen: ökonomische wie Wohlstand und Ungleichheit, soziale, aber auch im engeren Sinn politische. Heute sei die Situation in vielen Staaten dadurch gekennzeichnet, dass Teile der Bevölkerung nicht länger am wachsenden Wohlstand partizipieren und den Glauben an eine bessere Zukunft verloren haben. Doch wenn Menschen den Eindruck bekommen, sie könnten ihr Leben durch Wahlen nicht länger positiv beeinflussen, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegen das System wenden.
Adam Przeworski, geboren 1940 in Warschau, gilt als einer der bedeutendsten Politikwissenschaftler der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Johan-Skytte-Preis 2010, und ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. Przeworski lehrt an der New York University.
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Allgemeine Muster
In diesem Kapitel werden wir untersuchen, ob Zusammenbruch und Überleben der Demokratie mit beobachtbaren Unterschieden zwischen den Ländern zusammenhängen, welche die eine oder die andere Erfahrung gemacht haben. Natürlich bin ich nicht der Erste, der diese Zusammenhänge untersucht: Die einschlägige Literatur ist umfangreich, mittlerweile sehr differenziert und auch methodisch auf einem hohen Niveau. Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Demokratie in wirtschaftlich entwickelten Ländern eher nicht zusammenbrechen wird, während es zahlreiche Belege dafür gibt, dass die Demokratie in weniger entwickelten Ländern anfällig für gesellschaftliche Krisen aufgrund der Einkommensungleichheit ist. Außerdem deutet vieles darauf hin, dass die Demokratie in einem Land umso stabiler sein wird, je länger sie dort bereits existiert. Umstritten ist, welchen Einfluss Faktoren wie der institutionelle Rahmen, ethnische, sprachliche oder religiöse Fragmentierung, das Bildungsniveau usw. haben (die Liste ist lang). Zwar beschränke ich mich in der vorliegenden Untersuchung auf Demokratien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als gefestigt betrachtet werden konnten, aber meine Analysen bestätigen dennoch einige dieser Befunde. Mein Interesse gilt insbesondere den Auswirkungen verschiedenartiger Krisen: wirtschaftlicher, politischer Krisen in einem weiteren und Krisen des Regierungssystems in einem engeren Sinn. Die folgenden statistischen Analysen sind rein deskriptiver Natur, weshalb keine Schlüsse bezüglich einer Kausalität gezogen werden sollten. In diesem Kapitel geht es lediglich darum, eine Liste von Faktoren zusammenzustellen, die uns helfen kann zu bestimmen, wonach wir in der gegenwärtigen Situation Ausschau halten sollten.
Tabelle 2.1: Demokratien, in denen es nach 1918 mindestens zu zwei friedlichen Machtwechseln durch Wahlen kam und die irgendwann zusammenbrachen
Land | Jahr des zweiten friedlichen Machtwechsels | Jahr des Zusammen- | Regierungs- | Modus |
Deutschland | 1928 | 1933 | 3 | von oben |
Estland | 1932 | 1934 | 2 | von oben |
Griechenland | 1951 | 1967 | 2 | Putsch |
Chile | 1952 | 1973 | 4 | Putsch |
Sri Lanka | 1960 | 1977 | 3 | von oben |
Philippinen | 1961 | 1965 | 2 | von oben |
Salomonen | 1989 | 2000 | 2 | Putsch |
Peru | 1990 | 1990 | 2 | von oben |
Ecuador | 1992 | 2000 | 3 | Putsch |
Thailand | 1996 | 2006 | 3 | Putsch |
Pakistan | 1997 | ... |
Erscheint lt. Verlag | 26.10.2020 |
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Übersetzer | Stephan Gebauer |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
Schlagworte | AfD • Brexit • Crises of Democracy deutsch • Daniel Ziblatt • edition suhrkamp 2751 • ES 2751 • ES2751 • Fratelli d'Italia • Giorgia Meloni • Linkspopulismus • Nordamerika (USA und Kanada) • Populismus • Rechtspopulismus • Rechtsruck • Rechtsrutsch • Trump • Vereinigte Staaten von Amerika USA • Yascha Mounk |
ISBN-10 | 3-518-76692-9 / 3518766929 |
ISBN-13 | 978-3-518-76692-7 / 9783518766927 |
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