Um unsere Webseiten für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch Bestätigen des Buttons »Akzeptieren« stimmen Sie der Verwendung zu. Über den Button »Einstellungen« können Sie auswählen, welche Cookies Sie zulassen wollen.

AkzeptierenEinstellungen

Dich schickt der Himmel (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
528 Seiten
Goldmann (Verlag)
978-3-641-22606-0 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Fixie führt den Tante-Emma-Laden ihrer chaotischen Familie in London. Für mehr hat sie eigentlich keine Zeit - außer für Ryan, den besten Freund ihres Bruders, zu schwärmen. Als sie den Laptop eines Fremden vor einer einstürzenden Decke rettet, ist das ihre Chance, Ryan nahezukommen. Denn der Jungunternehmer Sebastian besteht darauf, Fixie einen Gefallen für ihre gute Tat zu schulden. Und so bittet sie ihn kurzerhand, den arbeitslosen Ryan einzustellen. Die Bitte stellt sich jedoch als fatal heraus, denn in Sebs Unternehmen zeigt Ryan sein wahres Gesicht. Und so ist es plötzlich Fixie, die dem charismatischen Sebastian einen Gefallen schuldet ...

Sophie Kinsella ist ehemalige Wirtschaftsjournalistin. Ihre romantischen Komödien und Shopaholic-Romane werden von einem Millionenpublikum verschlungen und erobern regelmäßig die Bestsellerlisten. Sie lebt mit ihrer Familie in London.

KAPITEL EINS


Mein Problem ist, dass ich über manches nur schwer hinwegsehen kann. Wenn mich etwas nervt, bin ich darauf so fixiert, dass ich es unbedingt aus der Welt schaffen muss – und zwar fix. Nicht umsonst ist mein Spitzname Fixie.

Manchmal ist das auch gut so. Zum Beispiel bei der Hochzeit meiner Freundin Hannah. Als ich zur Feier kam, habe ich gleich gesehen, dass nur auf der Hälfte der Tische Blumen standen. Ich bin gleich losgerannt und habe mich darum gekümmert, bevor die anderen Gäste eintrafen, und in ihrer Rede hat Hannah sich bei mir dafür bedankt, dass ich ein »Dekodesaster« verhindert habe. In dem Fall war es also okay.

Dann wieder gab es da diese Situation, als ich einmal einer Frau, die neben mir am Pool saß, einen Fussel vom Oberschenkel gewischt habe. Ich wollte nur helfen. Leider stellte sich heraus, dass es gar kein Fussel war, sondern ein Schamhaar auf Abwegen. Und dann habe ich alles nur noch schlimmer gemacht, indem ich rief: »O Verzeihung! Ich dachte, es wäre ein Fussel.« Sie lief puterrot an, und zwei Frauen, die mich gehört hatten, sahen neugierig zu uns herüber …

Ich hätte lieber gar nichts sagen sollen. Das ist mir jetzt auch klar.

Egal. Das ist jedenfalls mein Spleen. Mein Tick. Manches stört mich eben. Und was mich in diesem Augenblick stört, ist eine Coladose. Jemand hat sie auf dem obersten Regal in der Freizeitabteilung unseres Ladens stehen lassen, direkt vor einem Schachbrett, das dort aufgebaut ist. Und nicht nur das. Das Schachbrett ist total vollgekleckert. Offensichtlich hat irgendwer die Dose aufgerissen, sie zu energisch abgestellt, alles vollgespritzt und dann nicht weggewischt. Wer war das?

Als ich mich ärgerlich umsehe, habe ich sofort Greg in Verdacht, unseren dienstältesten Verkäufer. Greg trinkt den ganzen Tag über alles Mögliche. Wenn er keine Dose in der Hand hält, dann ekligen Filterkaffee in einem Thermobecher mit Tarnmuster, als wäre er beim Militär und arbeitete nicht in einem Haushaltswarenladen in Acton. Überall lässt er seine Getränke herumstehen. Manchmal drückt er sie sogar einem Kunden in die Hand, mit den Worten: »Halt mal kurz!«, um ihm einen Kochtopf aus dem Schaufenster zu holen. Ich habe ihm schon so oft gesagt, er soll das lassen.

Egal. Nicht der richtige Moment für Schuldzuweisungen. Wer auch immer diese Coladose dort abgestellt hat (Greg, definitiv Greg) … Fest steht, dass da hässliche Flecken drauf sind, ausgerechnet jetzt, wo wir wichtigen Besuch erwarten.

Ja, ich weiß, das Schachbrett steht im obersten Regal. Ich weiß, dass es kaum auffällt. Ich weiß, die meisten Leute würden die Achseln zucken. Sie würden ­sagen: Das ist doch keine große Sache. Nun bleib mal auf dem Teppich.

Aber das konnte ich noch nie besonders gut.

Ich gebe mir alle Mühe, nicht so genau hinzusehen, und konzentriere mich lieber auf den Rest des Ladens, der an Sauberkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Er mag etwas chaotisch wirken, aber das ist auch der Stil, den wir in unserem kleinen Kaufhaus pflegen. (In Fami­lien­besitz seit 1985 steht draußen am Schaufenster.) Wir führen alles Mögliche im Sortiment – Messer, Schürzen, Kerzen – und das muss schließlich alles irgend­wohin.

Da fällt mir in der Küchenabteilung ein alter Mann im Regenmantel auf. Mit zitternder Hand greift er nach einem schlichten weißen Becher, und ich eile hin, um ihm zu helfen.

»Hier, bitte schön!«, sage ich freundlich lächelnd. »Ich bringe Ihnen den Becher gleich zur Kasse. Brauchen Sie noch mehr davon? Oder kann ich Ihnen sonst wie behilflich sein?«

»Nein danke, Liebes«, sagt er mit zittriger Stimme. »Ich brauche nur diesen einen Becher.«

»Ist Weiß denn ihre Lieblingsfarbe?«, frage ich etwas vorlaut. Der Wunsch nach einem einzelnen weißen Becher strahlt eine solche Einsamkeit aus, dass ich es kaum ertragen kann.

»Nun …« Zweifelnd streift sein Blick über das Angebot. »Ein brauner würde mir wohl auch gefallen.«

»Der hier vielleicht?« Ich nehme einen braunen Kera­mikbecher aus dem Regal, den der Mann vermutlich gar nicht wahrgenommen hat, weil er ohnehin außer Reichweite stand. Er ist stabil und hat einen großen Griff. Sieht aus wie ein Becher, mit dem man gemütlich vor dem Kamin sitzen möchte.

Die Augen des Mannes leuchten auf, und ich denke: ›Wusst ich’s doch!‹ Wenn einem im Leben alles nicht mehr so leichtfällt, dann wird selbst die Becherwahl zur großen Sache.

»Der kostet allerdings etwas mehr«, erkläre ich ihm. »Vier Pfund neunundneunzig. Wäre das okay?«

Weil man nie irgendwas für selbstverständlich nehmen sollte. Man darf nichts voraussetzen. Das hat mein Dad mir beigebracht.

»Aber ja, Liebes.« Er lächelt mich an. »Natürlich.«

»Na, wunderbar! Dann bitte hier entlang!«

Vorsichtig führe ich ihn durch den schmalen Gang, behalte mögliche Gefahrenpunkte im Auge. Was keine ganz so selbstlose Geste ist, wie es scheinen mag – dieser Mann ist ein Umkipper. Man sieht es sofort. Zitternde Hände, unsicherer Blick, schäbiges altes Einkaufswägelchen, das er hinter sich herzieht … alles Anzeichen eines klassischen Umkippers. Und zerschlagenes Geschirr kann ich jetzt am allerwenigsten brauchen. Wenn doch jeden Moment Jakes Besuch kommt.

Ich schenke dem Mann ein strahlendes Lächeln, verberge, was ich insgeheim denke, obwohl die Tatsache, dass der Name Jake mein Hirn durchstreift, mir ein flaues Gefühl im Magen beschert. Das passiert mir andauernd. Ich denke Jake, und mir wird flau im Magen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, auch wenn ich nicht weiß, ob es eigentlich normal ist. Keine Ahnung, wie andere Leute über ihre Geschwister denken. Meine beste Freundin Hannah ist ein Einzelkind, und schließlich stellt man diese Frage nicht wahllos irgendwelchen Leuten, oder? »Wie ist Ihnen zumute, wenn Sie an Ihre Geschwister denken? Irgendwie ängstlich, angespannt und argwöhnisch?« Denn genauso geht es mir, wenn ich an meinen Bruder Jake denke. Denke ich an Nicole, bin ich zwar nicht ängstlich, aber angespannt bin ich doch, und oft genug würde ich am liebsten etwas kaputtschlagen.

Kurz gesagt vermitteln mir beide kein sonderlich gutes Gefühl.

Vielleicht liegt es daran, dass beide älter sind als ich und es nicht so leicht war, in ihre Fußstapfen zu treten. Als ich mit elf auf die weiterführende Schule kam, war Jake sechzehn und der Star der Fußballmannschaft. Nicole war fünfzehn, bildschön und bereits als Model entdeckt worden. Jeder in der Schule wollte mit ihr befreundet sein. Ehrfürchtig wurde ich gefragt: »Jake Farr ist dein Bruder? Nicole Farr ist deine Schwester

Nicole war damals schon genauso unverbindlich wie heute, aber Jake dominierte alles. Er war zielstrebig. Hellwach. Unbeherrscht. Ich werde nie vergessen, wie er mal mit Mum Streit hatte und spätabends draußen auf der Straße laut fluchend eine Dose herumkickte. Ich habe ihn von meinem Fenster aus beobachtet, etwas verschreckt und doch fasziniert. Inzwischen bin ich siebenundzwanzig, aber irgendwie kann man sein elfjähriges Ich doch nie ganz abschütteln, oder?

Und natürlich gibt es auch noch andere Gründe, sich neben Jake klein und mies zu fühlen. Handfeste Gründe. Finanzielle Gründe.

An die ich jetzt nicht denken werde. Stattdessen lächle ich den alten Herrn an und versuche, ihm das Gefühl zu vermitteln, dass ich alle Zeit der Welt habe. So wie Dad es auch getan hätte.

Morag tippt den Preis in die Kasse ein, während der Mann ein altes Lederportemonnaie zückt.

»Fünfzig …«, höre ich ihn murmeln, während er eine Münze mustert. »Ist das ein Fünfzig-Pence-Stück?«

»Zeigen Sie doch mal her«, sagt Morag auf ihre beruhigende Art. Morag ist seit sieben Jahren bei uns. Ursprünglich war sie nur eine Kundin, bis sie eines ­Tages unseren Aushang im Laden sah und sich daraufhin beworben hat. Mittlerweile ist sie als leitende Angestellte verantwortlich für den Grußkarteneinkauf – sie hat einen fabelhaften Blick dafür. »Nein, das sind zehn Pence«, sagt sie freundlich zu dem alten Mann. »­Haben Sie da drinnen vielleicht noch eine Pfundmünze?«

Mein Blick schweift zurück zu Coladose und Schach­brett. Die Flecken sind nicht so schlimm, sage ich mir. Dafür ist jetzt keine Zeit. Unser Besuch wird schon nichts merken. Die wollen uns schließlich ihr Sortiment an Olivenölen vorführen, nicht den Laden inspizieren. Denk einfach nicht daran, Fixie.

Denk nicht daran.

O Gott, das kann ich aber nicht. Es macht mich kirre.

Immer wieder schweift mein Blick dorthin. Meine Finger tun, was sie immer tun, wenn ich irgendwas unbedingt in Ordnung bringen möchte, wenn die eine oder andere Situation mich in den Wahnsinn treibt. Sie trommeln unruhig aufeinander ein. Und mit den ­Füßen tripple ich nervös auf der Stelle: vorwärts-seitwärts-ran, vorwärts-seitwärts-ran.

So war ich schon als Kind. Es ist stärker als ich. Ich weiß, es wäre Quatsch, jetzt eine Leiter rauszu­holen, einen Eimer mit Wasser zu besorgen und die Flecken wegzuwischen, weil jeden Moment unser Besuch kommt. Ich weiß es ja.

»Greg!« Als er hinter dem Glaswarenregal auftaucht, kann ich nicht mehr an mich halten und rufe: »Schnell! Die Leiter! Ich muss diese Flecken da oben wegwischen!«

Greg sieht, wohin ich deute, und zuckt schuldbewusst zusammen, als er die Coladose bemerkt.

»Das war ich nicht!«, sagt er sofort. »Bestimmt nicht!« Dann stutzt er und fügt hinzu: »Und falls doch, dann nicht mit Absicht.«

Dazu muss gesagt werden, dass Greg eine wirklich treue Seele ist...

Erscheint lt. Verlag 15.7.2019
Übersetzer Jörn Ingwersen
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel I Owe You One
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Bestsellerautorin • eBooks • Familienunternehmen • Frauenromane • Happy End • Jugendliebe • Liebesromane • London • Romane für Frauen • Romantische Komödie • Sommerbuch • Spiegel Bestseller Autorin • Weg zu sich selbst • Zufallsbekanntschaft
ISBN-10 3-641-22606-6 / 3641226066
ISBN-13 978-3-641-22606-0 / 9783641226060
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 2,7 MB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Roman

von Wolf Haas

eBook Download (2025)
Carl Hanser Verlag München
18,99
Roman

von Percival Everett

eBook Download (2024)
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
19,99