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Der Gaukler und die Tänzerin (eBook)

Historischer Roman
eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
544 Seiten
Verlagsgruppe Droemer Knaur
978-3-426-44075-9 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
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Ein praller historischer Roman über eine Frau, die sich im Hessen des 18. Jahrhunderts ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen muss, von der Erfolgsautorin Nicole Steyer und ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Diskriminierung. Einst trug die Zigeunerin Suni einen anderen Namen. Einst wohnte sie in einem Schloss und nicht in Zelten. Aber das war in einem anderen Leben, vor jener Nacht, in der der dunkelhäutige Mathis, den man den 'Schokoladen-Jungen' nennt, dem kleinen Mädchen das Leben rettete und die Freunde getrennt wurden. Als Suni Jahre später nach Darmstadt zurückkehrt, weckt die vertraute Umgebung verdrängte Erinnerungen. Damit wird Suni erneut zur Gefahr für die Frau, die ihr schon einmal nach dem Leben trachtete ... Wird ihr Lebensretter von einst ihr noch einmal helfen können?

Nicole Steyer wurde 1978 in Bad Aibling geboren und wuchs in Rosenheim auf. Doch dann ging sie der Liebe wegen nach Idstein im Taunus. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder begann sie zu schreiben, beschäftigte sich mit der Idsteiner Stadtgeschichte und begann zu recherchieren. Das Ergebnis dieser Recherchen war ihr erster historischer Roman, DIE HEXE VON NASSAU, der sich mit den Hexenverfolgungen in Idstein und Umgebung befasst und ein großer Erfolg wurde. Auch ihre folgenden historischen Romane haben ein großes Publikum begeistert.

Nicole Steyer wurde 1978 in Bad Aibling geboren und wuchs in Rosenheim auf. Doch dann ging sie der Liebe wegen nach Idstein im Taunus. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder begann sie zu schreiben, beschäftigte sich mit der Idsteiner Stadtgeschichte und begann zu recherchieren. Das Ergebnis dieser Recherchen war ihr erster historischer Roman, DIE HEXE VON NASSAU, der sich mit den Hexenverfolgungen in Idstein und Umgebung befasst und ein großer Erfolg wurde. Auch ihre folgenden historischen Romane haben ein großes Publikum begeistert.

1727


Magdalene stand am Fenster, versteckt hinter den schweren Brokatvorhängen, und blickte sehnsüchtig nach draußen, wo Schneeflocken ihren sanften Reigen tanzten. Sie deckten die Straßen von Darmstadt zu, legten sich auf Dächer, Fenstersimse, Leiterwagen und Wollmützen, doch leider verwandelte sich der weiße Teppich auf der Gasse schnell in eine graue Matschbrühe. Menschen eilten an ihrem Fenster vorüber, mit tief ins Gesicht gezogenen Hüten und Mützen und umhüllt von Umhängen und dicken Mänteln waren sie kaum zu erkennen. Der eisige Winterwind, den Väterchen Frost über das Land schickte, trieb die Menschen in die Häuser und ließ die Welt erstarren. In den Zimmern des Hauses eingesperrt, war Magdalene in den letzten Wochen immer rastloser geworden und hatte ihre Kinderfrau, die gute Dorothea, nicht nur ein Mal verärgert. Am liebsten würde sie auch jetzt nach draußen laufen, um durch den Flockenwirbel zu tanzen oder mit anderen Kindern zu spielen und an deren Schneeballschlachten teilzunehmen. Doch das durfte sie nicht, denn sie war kein Gassenkind, sondern ein feines Mädchen. Die Tochter des Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt trieb sich nicht mit schmutzigen Bälgern herum. Dorotheas Worte hatten endgültig geklungen. Magdalene wollte es trotzdem nicht einsehen. Sie versuchte ständig, auszubüxen, was meistens misslang. Einmal jedoch wäre es ihr beinahe gelungen, wenn da nur nicht die dummen Schnürsenkel an ihren feinen Schühchen gewesen wären, die so schwer zu binden waren. Die Schlaufe wollte nicht halten, immer wieder waren ihr die schwarzen Bänder durch die Finger gerutscht. Da half es auch nichts, dass sie den Mantel aus dem Zimmer geholt hatte, genauso wie das hübsche wollene Tüchlein, das ihren Hals vor dem Wind schützen sollte. Sogar hinter einen der Vorhänge war sie geschlüpft, als Thomas, der Hausdiener, die Eingangshalle betreten hatte. Doch sie war nicht schnell genug gewesen. Ertappt hatte er sie, auf Strümpfen, die Schühchen in den Händen, in den Mantel gehüllt, das Tüchlein um den Hals. Thomas war ein lieber Hausdiener. Er hatte ihr zugezwinkert und verständnisvoll gelächelt. Trotzdem hatte er sie – mit einer Ausrede – zu Dorothea zurückgebracht. Nein, ein Verräter war er nicht, der Thomas. Stets gelassen, ruhig, verschwiegen. Er hatte den Mantel an den Haken im Garderobenzimmer gehängt, die Schühchen in den feinen Schrank gestellt und hatte sie liebevoll auf den Arm genommen. Sie liebte es, von dem stattlichen Mann mit dem silbergrauen Haar getragen zu werden und die vertrauten Gerüche von Pfeifentabak und Vanille einzuatmen. Seit sie denken konnte, hob er sie auf seine Arme, obwohl sie inzwischen eigentlich zu groß dafür war. Jedenfalls behauptete das Dorothea. Ein sechsjähriges Mädchen konnte selbst laufen, es schickte sich nicht, vom Personal durch die Gegend getragen zu werden. Doch Thomas scherte sich nicht um das Gerede des Kindermädchens. Für ihn war Magdalene seine kleine Zuckermaus, der er schleunigst das Binden der Schuhe beigebracht hatte, was sie inzwischen perfekt beherrschte.

Vor dem Eingangsportal des Hauses hielt eine Kutsche. Magdalene beobachtete, wie der Kutscher vom Bock herabsprang, einen Regenschirm öffnete und die Kutschentür öffnete. Luise von Spiegel eilte hastig zum Eingangsportal des Stadtpalais, wo sie von Thomas in Empfang genommen wurde. In der letzten Zeit kam die blonde Frau mit den hohen Wangenknochen und der winzigen spitzen Nase immer öfter zu ihnen, was Magdalene missfiel, denn sie raubte ihr die knapp bemessene Zeit mit dem geliebten Vater. Er war viel unterwegs, reiste nach Gießen, Frankfurt, manchmal sogar in das ferne Berlin. Oder er hatte Verpflichtungen, wie Dorothea oftmals erklärte. Dann hielt er sich im Schloss Wolfsgarten oder Kranichstein auf, wo zur Jagd gerufen wurde. Im letzten Sommer hatte sie das Schauspiel beobachten dürfen. An der Hand ihrer Mutter hatte sie auf der Terrasse von Schloss Wolfsgarten gestanden und dem lauten Klang der Jagdhörner und dem Gebell der Hunde gelauscht. Die Lautstärke hatte sie genauso erschreckt wie die vielen Menschen, Pferde und der entschlossene Blick des Vaters. Hier im Stadtpalais, dem Landgraf-Johann-Haus, das dem Landgrafen aufgrund der stockenden Bauarbeiten am Schloss als Wohnsitz diente, war er anders. Sein Blick war milde, seine Stimme ruhiger. Oftmals hielt er sich stundenlang in seinem Musikzimmer auf und entsann neue Musikstücke, manchmal auch mit seinem Kapellmeister Christoph Graupner, den sie sehr mochte, denn er hatte stets Pfefferminzbonbons in seiner Tasche, die er bereitwillig mit ihr teilte. Die Musik war es wohl, die Magdalene am meisten mit ihrem Vater verband. Er bemühte sich, seiner Tochter das Spiel auf dem Spinett beizubringen, und liebte es, wenn sie zu seinen selbst komponierten Stücken durch den Raum tanzte. In diesen Momenten schien es, als wären sie eine Einheit. Weit fort von allen höfischen Zwängen, Zeremonien und Regeln, stahlen sie sich wenige Stunden der Zweisamkeit, die für Magdalene jedes Mal die größten Augenblicke des Glücks darstellten.

»Magdalene, Kind, was stehst du nur die ganze Zeit am zugigen Fenster.« Dorotheas Stimme riss Magdalene aus ihren Gedanken.

»Luise von Spiegel ist eingetroffen«, sagte Magdalene, ohne auf die Ermahnung des Kindermädchens einzugehen. Sie schlüpfte hinter dem Brokatvorhang hervor und nahm erfreut Dorotheas säuerliche Miene zur Kenntnis. Niemand im Haus konnte die hochnäsige Ziege, wie Luise von Spiegel hinter vorgehaltener Hand genannt wurde, leiden.

»Auch das noch«, seufzte Dorothea und ließ ihre Stickarbeit sinken. »Als ob der Herr heute nicht schon genug Sorgen hätte.«

Magdalene zuckte zusammen. Die Sorgen, von denen Dorothea sprach, betrafen ihre Mutter, die bereits seit drei Tagen oben in der Kammer lag. Einige Male war Magdalene die Treppe hinauf- und den langen Gang entlanggeschlichen und vor der geschlossenen Tür stehen geblieben. Die Sehnsucht nach einer Umarmung der geliebten Mama hatte sie immer wieder dorthin getrieben. Doch jedes Mal wurde sie durch das laute Stöhnen, einmal sogar durch durchdringende Schreie, wieder vertrieben. Weinend war sie in ihr Zimmer geflohen, wo Dorothea sie getröstet hatte. Ihr Geschwisterchen würde auf die Welt kommen. Das Schreien und Stöhnen wäre normal, es ginge vorüber. Bald schon würde sich die Tür zum Zimmer der Mutter öffnen, und sie dürfte den neuen Erdenbürger bewundern, vielleicht ein Brüderchen, das wäre doch fein. Doch bis heute war die Tür geschlossen geblieben, und die Mienen der Erwachsenen waren immer ernster geworden. Nach dem Arzt war gerufen worden, und eine ältere Frau, eine Hebamme, wie Dorothea erklärt hatte, lief immer mal wieder schweigend durchs Treppenhaus.

»Sorgen?«, fragte Magdalene vorsichtig. »Ist es wegen der Mama? Die Zimmertür, sie öffnet sich einfach nicht.«

Dorothea atmete tief durch und nickte. »Ich habe gehört, dass es nicht gut um deine Mutter steht. Sie ist wohl sehr schwach und müde.«

Schwach und müde wiederholte Magdalene in Gedanken Dorotheas Worte. Das war die geliebte Mutter bereits seit Wochen. Bleich lag sie in ihrem Bett oder auf einer Chaiselongue am Feuer, oftmals ein Buch in der Hand. Einmal war sie beim gemeinsamen Kartenspiel eingeschlafen. Noch im Frühjahr hatten sie alle gemeinsam im Herrengarten gepicknickt und Fangen gespielt. Sogar der Vater war anwesend gewesen. So hübsch hatte ihre Mutter damals in dem gelben Seidenkleid und mit ihrem hochgesteckten kastanienbraunen Haar ausgesehen. Wie es Mode war, hatte sie sich das Gesicht weiß gepudert, doch die frische Luft hatte ihre Wangen gerötet, und einige wenige Sommersprossen hatten sich auf ihre Nase gestohlen. Doch am meisten liebte Magdalene das Strahlen ihrer grünen Augen und ihr fröhliches Lachen. Du bist wie ich, hatte die Mutter oft zu ihr gesagt, ein kleines Charlotte-Abbild.

»Wir müssen für sie beten«, sprach Dorothea weiter.

»Als ob das was helfen würde«, erwiderte Magdalene und biss sich auf die Lippe.

»Wie redest du denn, Kind«, gab Dorothea entrüstet zurück.

»Na, beim letzten Mal hat es doch auch nichts geholfen«, verteidigte sich Magdalene und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust. »Mein Fohlen ist, trotzdem ich gebetet habe, gestorben. Und ich hab dem lieben Gott erklärt, wie sehr ich das Fohlen gernhab und dass ich gut darauf aufpassen würde.«

»Manchmal ist er eben zu beschäftigt, um zuzuhören«, erwiderte Dorothea, die es nicht fertigbrachte, gegen Magdalenes kindlich naive Worte mit Ermahnungen vorzugehen.

»Vielleicht sollten wir ihm erklären, dass wir gar kein Brüderchen haben wollen«, schlug Magdalene vor. »Dann ist doch alles wieder gut, oder?«

»Wenn das so einfach wäre«, erwiderte Dorothea seufzend.

»Oder ich gehe hinauf, umarme sie und gebe ihr genau hierhin« – sie deutete auf ihre rechte Wange – »einen dicken Kuss. Dann geht es ihr bestimmt bald besser.«

»Ach, Kind«, antwortete Dorothea traurig, »ich denke nicht, dass das gut ist. Und du weißt doch, mein Fuß. Erst gestern bin ich auf der Treppe gestolpert.« Sie deutete auf eine Gehhilfe an der Wand.

»Dann geh ich eben allein.« Magdalene lief, ohne eine weitere Antwort von Dorothea abzuwarten, zur Tür, öffnete sie, eilte den Flur hinunter und bog schwungvoll um die nächste Ecke. Mit einem Aufschrei rannte sie in Mathis, den kleinen Mohrenjungen, hinein, der ein Tablett mit einer hübschen Porzellantasse trug, die auf den Boden fiel, dank des weichen Teppichs aber nicht zerbrach.

»So pass doch auf«, rief Mathis erschrocken. Magdalene hastete, eine Entschuldigung nuschelnd, an ihm vorüber und die Treppe hinauf. Auf dem obersten...

Erscheint lt. Verlag 29.5.2017
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte 18. Jahrhundert • Adlige • Darmstadt • Flucht • Gräfin von Eppstein • Hessen • Historische Romane Deutschland • Historischer Roman • Intrigen • Landgraf Ernst Ludwig • Lebensretter • Liebesgeschichte • Luise Sophie von Spiegel • Mathis • Mordkomplott • Schokoladen-Junge • Starke Frauen • Suni • Tänzerin • Vorurteile • Zeugin • Zigeuner • Zigeunerin
ISBN-10 3-426-44075-X / 342644075X
ISBN-13 978-3-426-44075-9 / 9783426440759
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