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Engelskinder (eBook)

Kriminalroman
eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
384 Seiten
Rowohlt Verlag GmbH
978-3-644-22241-0 (ISBN)
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Das Skelett der berüchtigtsten Kindsmörderin Englands - Dr. Ruth Galloways sechster Fall. Die Arme auf dem Rücken gefesselt, ein rostiger Eisenhaken statt der linken Hand, so liegt die Tote in ihrem Grab. Als Dr. Ruth Galloway unter dem Gemäuer einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigtsten Mörderin von Norfolk gefunden zu haben. Zahlreiche Schauermärchen ranken sich um «Mother Hook», die Kinder bei sich aufgenommen und dann getötet haben soll. Doch während der Untersuchung kommen der forensischen Archäologin Zweifel an ihrer Schuld. Zur gleichen Zeit verschwindet ein Kind aus der Nachbarschaft. Offenbar will jemand mit allen Mitteln ein jahrhundertealtes Geheimnis hüten. «?Engelskinder? hat einen Twist am Ende, der Sie umhauen wird.» The Sun

Elly Griffiths lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Bisher sind sieben Krimis mit der forensischen Archäologin Dr. Ruth Galloway und DCI Harry Nelson erschienen: «Totenpfad», «Knochenhaus», «Gezeitengrab», «Aller Heiligen Fluch», «Rabenkönig», «Engelskinder» und «Grabesgrund».

Elly Griffiths lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Bisher sind sieben Krimis mit der forensischen Archäologin Dr. Ruth Galloway und DCI Harry Nelson erschienen: «Totenpfad», «Knochenhaus», «Gezeitengrab», «Aller Heiligen Fluch», «Rabenkönig», «Engelskinder» und «Grabesgrund». Tanja Handels, geboren 1971 in Aachen, lebt und arbeitet in München, übersetzt zeitgenössische britische und amerikanische Literatur, unter anderem von Zadie Smith, Bernardine Evaristo, Anna Quindlen und Charlotte McConaghy, und ist auch als Dozentin für Literarisches Übersetzen tätig.  2019 wurde sie mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.

1


«Und so erbitten wir, o Herr, deinen grenzenlosen Segen für diese Ausgestoßenen unter den Verstorbenen …»

Das Grüppchen, das sich auf der Böschung unterhalb der Burgmauern versammelt hat, murmelt eine Erwiderung. Nur Ruth Galloway, die ganz weit hinten steht, schweigt. Sie trägt die höflich neutrale Miene zur Schau, die sie immer aufsetzt, wenn von Gott die Rede ist. Im Lauf der Jahre hat ihr diese Maske gute Dienste geleistet, und auch jetzt sieht sie keinen Anlass, sie abzulegen. Dabei findet sie die Andacht für die verstoßenen Toten durchaus lobenswert. Einmal im Jahr wird dieser ökumenische Gottesdienst für die namenlosen Toten von Norwich abgehalten: die in anonymen Gräbern verscharrten Leichen, die Armen, die Pestopfer – von allen vergessen und unbetrauert, wäre da nicht dieses bunt gemischte Häuflein aus Archäologen, Historikern und anderen Getreuen.

«Herr, du sagst uns, dass kein Sperling auf die Erde falle ohne Gott. Und so wissen wir, dass du auch diese Menschen gekannt hast und sie von dir geliebt wurden …»

Der Pfarrer spricht mit dünner, zögerlicher Stimme, die kaum bis zu Ruth nach hinten dringt. Jetzt hört sie ohnehin nur noch Ted, einen der Feldarchäologen, der mit dröhnendem Bass die Erwiderung intoniert: «Wir werden ihrer gedenken.»

Ruth weiß nicht, ob Ted in irgendeiner Form religiös ist. Sie weiß nur, dass er in Bolton aufgewachsen und vielleicht Ire ist, vielleicht aber auch nicht. Falls er tatsächlich Ire sein sollte, wird er wohl katholisch sein, so wie DCI Harry Nelson, der sich, sosehr er das auch bestreitet, einen Restglauben an Himmel, Hölle und alles dazwischen erhalten hat. Beim Gedanken an Nelson fühlt Ruth sich unwohl. Sie entfernt sich, geht ein Stück weiter den Hang hinauf, und eine Frau mit roter Jacke, die dicht beim Pfarrer steht, dreht sich zu ihr um und lächelt sie an. Ruth lächelt zurück. Janet Meadows, Lokalhistorikerin und Fachfrau für namenlose Tote. Zum ersten Mal ist Ruth ihr vor über einem Jahr begegnet, als sie das Skelett eines mittelalterlichen Bischofs zu untersuchen hatte, dem Wunderkräfte zugeschrieben wurden. Cathbad hatte sie damals mit Janet in Kontakt gebracht, und auch jetzt rechnet Ruth noch damit, dass ihr Druidenfreund jeden Moment im Schatten der Burg auftauchen könnte, mit wehendem lila Umhang, den sechsten Sinn auf Dauerempfang geschaltet. Doch Cathbad ist weit weg, und Zauberkräfte haben ihre Grenzen, wie Ruth nur zu gut weiß.

Der sanfte Sommerwind trägt Wortfetzen zu ihr herüber.

«Gedenken … verloren … vorausgegangen … himmlischer Vater … Allerbarmer … Gnade … Vergebung.»

So viele Worte, denkt Ruth (keineswegs zum ersten Mal), und sie sagen doch so wenig. Die Toten sind tot, und kein Wort, so klangvoll es auch sein mag, kann sie je wieder zurückholen. Ruth ist forensische Archäologin und mit Toten wohlvertraut. Sie glaubt fest daran, dass man ihrer gedenken und ihre Knochen mit Respekt behandeln muss, erwartet aber nicht, sie dereinst wiederzusehen, wenn sie auf Wolken der Herrlichkeit himmelwärts schweben. Unwillkürlich blickt sie zum blassblauen Abendhimmel hinauf. Es ist Juni, der längste Tag des Jahres steht kurz bevor.

Teds vernehmliches «Amen» zeigt an, dass der Gottesdienst zu Ende ist, und Ruth kehrt zu den anderen zurück, die dicht gedrängt auf dem in die grasbewachsene Böschung gehauenen Zuschauerrund sitzen oder stehen. Sie geht auf Ted zu, sieht dann aber, dass er mit Trace Richards redet, die ebenfalls zum Team der Feldarchäologen gehört. Ihrem plakativ alternativen Äußeren – lila gefärbtes Haar, zahllose Piercings – zum Trotz kommt Trace aus einer äußerst wohlhabenden Familie und hat sich erst kürzlich mit einem bekannten Geschäftsmann aus der Gegend verlobt. Ruth kann nicht viel mit ihr anfangen, und so dreht sie in letzter Sekunde ab und findet sich neben Janet wieder.

«Mir gefällt dieser Gottesdienst», sagt Janet. «Wir sollten wirklich viel mehr auch an die einfachen Leute denken. Nicht immer nur an Könige und Bischöfe und Leute, die reich genug sind, um sich Schlösser zu bauen.»

«Das ist mit ein Grund, warum ich Archäologin geworden bin», sagt Ruth. «Ich wollte herausfinden, wie die einfachen Leute gelebt haben.» Sie muss an Erik denken, ihren einstigen Doktorvater und Mentor, der immer zu sagen pflegte: «Wir sind ihre Chronisten. Wir halten ihr tägliches Leben, ihre Alltagsgeschäfte, ihre Hoffnungen und Träume für die Ewigkeit fest.» Doch Erik ist tot, und seine Hoffnungen und Träume sind von allen vergessen, außer von Menschen wie Ruth, deren Leben er unwiderruflich geprägt hat.

«Haben Sie nicht gerade eine Ausgrabung oben an der Burg?», fragt Janet.

«Ja», sagt Ruth. «Gleich hier drüben, neben dem Eingang zum Café.»

«Und haben Sie was gefunden?»

«Wir glauben, die Überreste von ein paar Gefangenen gefunden zu haben, die hingerichtet wurden.»

«Woher wissen Sie denn, dass es Gefangene sind?»

«Sie wurden ohne jedes Zeremoniell beerdigt, kein Leichentuch, kein Sarg. Manche hatten noch Fesseln an den Händen. Und sie wurden bäuchlings begraben, mit dem Gesicht nach unten und von Norden nach Süden.»

«Von Norden nach Süden?»

«Bei christlichen Begräbnissen wird normalerweise auf einer West-Ost-Achse beerdigt: Der Kopf zeigt nach Westen, die Füße zeigen nach Osten.»

Janet nickt nachdenklich. «Sie standen also tatsächlich außerhalb aller christlichen Nächstenliebe, oder? Womöglich haben sie noch nicht einmal besonders schlimme Verbrechen begangen. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kam man manchmal schon als Taschendieb an den Galgen.»

«Ich weiß», sagt Ruth. Das Skelett, das sie gestern ausgegraben hat und bei dem es sich, wie sie glaubt, um eine Frau handeln könnte, die sich eines weitaus schrecklicheren Verbrechens schuldig gemacht hat, erwähnt sie nicht.

«Können Sie die Leichen datieren?», fragt Janet.

«Wir können eine Radiokarbonanalyse der Knochen vornehmen», sagt Ruth, «und die Gegenstände untersuchen, die sich im Grab finden. Außerdem wissen wir, dass verurteilte Straftäter vor allem von Mitte bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts innerhalb der Burgmauern begraben wurden. Vorher wurden sie meistens als Sektionsobjekte an Wundärzte weitergegeben. Sie zu beerdigen war sogar strafbar. Und noch früher wurden sie mit Pech übergossen und in Metallkäfigen gehenkt.»

«Am Galgen.»

«Richtig. Anscheinend konnte man noch bis in die Zeit von Königin Viktoria hinein Tote sehen, die in solchen Käfigen am Galgen ausgestellt wurden.»

«In der Innenstadt gibt es eine Gibbet Street, eine Galgenstraße», sagt Janet. «Und die Heighman Street hieß früher Hangman’s Lane, Henkersgasse. Hinrichtungen waren in Norwich immer ein großes Ereignis», fährt sie in gleichmütigem Ton fort. «Sie wurden hier vor der Burg vollstreckt. Manchmal gab es dazu auch einen Markt oder Jahrmarkt, um die Sache noch vergnüglicher zu machen, und dann erklangen die Glocken von St. Peter Mancroft, und die Verurteilten wurden nach draußen geführt, der Geistliche und der Kerkermeister vorneweg.»

Wie alle guten Historiker schafft es Janet, einem die Vergangenheit plastisch vor Augen zu rufen. Ruth schaut zur Burg hinauf, die sich schwarz und viereckig vor dem Himmel abhebt. Fast glaubt sie, die Gebete des Geistlichen zu hören, so wie zuvor die Worte des Pfarrers, die in der Sommerluft verklangen. Das Läuten der gewaltigen Glocken, das Johlen der Menge, das bleiche Gesicht des zum Tode Verurteilten, bevor ihm die Kapuze übergestülpt wurde.

«Das muss grauenvoll gewesen sein», sagt sie.

«Grauenvoll?», fragt eine Stimme hinter ihr. «Was ist grauenvoll?» Ruth dreht sich um und sieht sich ihrem Institutsleiter Phil Trent gegenüber, der aussieht, als wäre er auf dem Weg zum Kricket: Er trägt eine weiße Hose, ein Polohemd und einen Panamahut.

«Ach, nichts», sagt sie.

Phil fragt nicht weiter. Er interessiert sich selten für das, was Ruth zu sagen hat, obwohl sie zurzeit recht hoch bei ihm im Kurs steht, seit sie einen Vertrag für ihr erstes Buch abgeschlossen hat. Das Buch über eine Ausgrabung in Lancashire hat zwar weder etwas mit Phil noch mit dem Institut zu tun, was Phil aber nicht daran hindert, es sich größtenteils selbst auf die Fahne zu schreiben. Allzu viel Wert auf ihre Gesellschaft legt er normalerweise trotzdem nicht, doch heute sprüht er geradezu vor Herzlichkeit, fasst Ruth am Arm und lenkt sie von Janet weg. Ruth wirft einen entschuldigenden Blick über die Schulter, und Janet reagiert mit einem Lächeln und einem kuriosen kleinen Winken.

«Großartige Neuigkeiten, Ruth», sagt Phil.

Ruth setzt eine neutrale Miene auf. Sie bezweifelt stark, dass diese Neuigkeiten sie betreffen. Es wird sich wohl um eine Beförderung für Phil oder eine neue Geldquelle für das Institut handeln. Womöglich sind sie auch privater Natur. Phil lebt mit Ruths Freundin Shona zusammen, die beiden haben vor kurzem ein Kind bekommen. Vielleicht wollen sie ja heiraten?

«Du weißt doch, unser Fund von gestern.» Er senkt die Stimme.

Das «unser» ist nun wirklich ein starkes Stück, denn Phil war gar nicht vor Ort, als Ruth das Skelett der Frau entdeckt hat, auch wenn er schleunigst erschienen ist, als er davon erfuhr.

«Er hat einiges Aufsehen erregt», fährt er fort.

«Bei der English Heritage?» Jetzt ist Ruth tatsächlich aufgeregt. Wer weiß, was sie noch alles finden könnten, wenn sie die staatliche Förderung von English Heritage für eine richtig große Ausgrabung bekämen? Die Burg von Norwich wurde im...

Erscheint lt. Verlag 21.7.2017
Reihe/Serie Ein Fall für Dr. Ruth Galloway
Ein Fall für Dr. Ruth Galloway
Übersetzer Tanja Handels
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Ausgrabung • England • forensische Archäologie • Harry Nelson • Kinder • Kriminalroman • Mother Hook • Mutter • Mystik • Norfolk • Ruth Galloway • Salzmoor
ISBN-10 3-644-22241-X / 364422241X
ISBN-13 978-3-644-22241-0 / 9783644222410
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