Chicagoland Vampires - Wie ein Biss in dunkler Nacht (eBook)
400 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-7363-0196-2 (ISBN)
Die Vampire Merit und Ethan konnten schon viel Erfahrung in ihren Kämpfen sammeln - doch jetzt haben sie es mit einem Gegner zu tun, der mächtiger ist, als sie es sich je vorzustellen vermochten. Und er hat es auf Chicago abgesehen. Ethan hat Haus Cadogan in Alarmbereitschaft versetzt, aber der Feind wird nicht Halt machen, bevor Vampir gegen Vampir kämpft. Merit muss nun alles opfern, um dieses Spiel zu gewinnen ...
<p>Chloe Neill ist im Süden der USA aufgewachsen. Mit der Chicagoland-Vampires-Serie hat sie einen internationalen Erfolg gelandet.</p>
Chloe Neill ist im Süden der USA aufgewachsen. Mit der Chicagoland-Vampires-Serie hat sie einen internationalen Erfolg gelandet.
Kapitel Eins
Des Teufels Auge
Ende April
Chicago, Illinois
Ich stand an der Ecke Clark und Addison, in Jeans und einem Cubs-T-Shirt, meine langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und durch meine alte Cubs-Kappe gesteckt.
Auf den ersten Blick unterschied ich mich kaum von den Tausenden Menschen um mich herum. Aber ich war eine Vampirin, und der Teufel hatte ein Auge auf mich geworfen. Daher hing ein Haus-Medaillon um meinen Hals, ein Meistervampir stand neben mir, und in einem meiner Stiefel steckte ein Dolch.
Ich starrte an dem Gebäude hoch und war aufgeregt wie jedes Mädchen, jeder Junge beim ersten Baseballspiel. Die berühmte rote Anzeigetafel leuchtete über Harry Caray, der lächelnd und mit einer dick umrandeten schwarzen Brille als Hologramm auf den Bürgersteig projiziert wurde.
Ich war seit dreihundertvierundachtzig Tagen eine Vampirin, und heute würde einer der besten Tage davon sein, denn ich war endlich zu Hause.
Zum ersten Mal seit meiner Verwandlung war ich in Wrigley Field.
»Brauchst du noch einen Augenblick, Hüterin?«
Ich ignorierte den neckenden Tonfall des Mannes neben mir, eines vierhundert Jahre alten Meistervampirs, der Haus Cadogan in Chicago anführte und dem jene Teile meines Herzens gehörten, die sich nicht mit großartigen Büchern und erstklassiger Pizza beschäftigten.
Ich drehte mich zur Seite, um ihm einen strafenden Blick zuzuwerfen, und erwartete eine sarkastische Bemerkung, doch in seinen tief liegenden grünen Augen entdeckte ich eine unerwartete Sanftheit. Liebe, mit einem Hauch Belustigung. Seine langen goldenen Haare, die an morgendliche Sonnenstrahlen erinnerten, hatte er in seinem Nacken zusammengebunden, was sein markantes Kinn und die hohen, ausgeprägten Wangenknochen betonte. Und obwohl er nicht gerade ein Baseballfan war und wir noch dazu in Chicagos South Side lebten, trug er ein klassisches Cubbies-T-Shirt, das sich wie ein sehr glückliches Stück Stoff an seinen schlanken Körper schmiegte. Ethan Sullivan trug nur selten lässige Kleidung, aber er trug sie mit genau derselben Haltung wie seine maßgeschneiderten Tausend-Dollar-Anzüge.
»Ich brauche noch einen Augenblick«, erwiderte ich grinsend. »Hör auf, mich abzulenken.«
»Gott bewahre mich vor einem solchen Fehltritt«, sagte er wissend, während er mir die Hand auf den Rücken legte.
»Könntest du dich vielleicht aus einer Restaurantnische heraus sattsehen? Ich habe nämlich einen Bärenhunger.«
Ausnahmsweise war nicht ich es, die ans Essen dachte. Diese Ehre gebührte meiner besten und frisch verheirateten Freundin, Mallory Carmichael Bell.
An die Namensänderung musste ich mich erst noch gewöhnen.
Ich sah zu ihr hinüber. Ihre Haare waren so dunkelblau wie das Cubs-Logo, ihre zierliche Figur steckte in Skinny Jeans und einem eng anliegenden blau-roten »Save Ferris«-T-Shirt. »Hast du nicht im Auto einen Müsliriegel gegessen?«
»Das stimmt«, antwortete sie, »aber das war das Einzige, was ich heute gegessen habe. Ich habe den halben Tag damit zugebracht, den Orden wegen seiner mangelhaften Dokumentation anzumeckern«, brummte sie. »Wie auch immer, ich habe einen Bärenhunger.«
Der Orden war die offizielle, wenn auch überraschend inkompetente Gewerkschaft der amerikanischen Hexenmeister. Diese Art von Beschwerde erwartete man eigentlich nicht vor Wrigley Field zu hören, aber für unsere Truppe war das durchaus normal: zwei Vampire und zwei Hexenmeister, die gemeinsam versuchten, den mächtigsten Finanzmogul und politischen Strippenzieher der Stadt dranzukriegen, der zufälligerweise auch noch Chicagos oberster Gangsterboss war. Unser Feind hieß Adrien Reed, und seine Organisation hieß »der Zirkel«. Er hatte übernatürliche Handlanger, unter anderem einen Hexenmeister, der seine beachtlichen Kräfte dazu genutzt hatte, einen Vampir in jenen Meister zu verwandeln, den Ethan seit Ewigkeiten für tot gehalten hatte.
»Lasst uns das mal im intimeren Kreis besprechen«, warf der Hexenmeister neben Mallory ein. Ihr Ehemann Catcher Bell war groß gewachsen, muskulös, aber schlank, hatte einen glatt rasierten Schädel, grüne Augen und einen sinnlichen Mund, der aber im Augenblick zu einer schmalen Linie zusammengepresst war, weil er die Menge nach Bedrohungen absuchte.
Er war nicht der Einzige, der sich umsah. Ethan hatte die Cubs davon in Kenntnis gesetzt, dass wir an dem Spiel teilnehmen würden, und da auf der Anzeigetafel WILLKOMMEN, HAUS CADOGAN! stand, schienen sie sich dazu entschlossen zu haben, das nicht geheim zu halten. Wir mussten uns von unserer besten Seite zeigen – und zugleich in höchster Alarmbereitschaft sein.
Der Abend im Baseballstadion war Ethans Idee gewesen – ein paar Stunden Normalität in einem Monat, in dem wir einen geheimnisvollen Bösewicht aus Ethans Vergangenheit besiegt hatten und uns einem neuen Bösewicht stellen mussten, der glaubte, ungestraft lügen, betrügen und stehlen zu können. Zwar hatten wir Reeds Pläne vorübergehend vereitelt, aber er hatte uns versprochen, dass es nicht dabei bleiben würde. Dieser Auseinandersetzung sahen wir mit Freuden entgegen, fest entschlossen, kein Inning mehr folgen zu lassen.
Außerdem hatte ich in ein paar Tagen Geburtstag. Offiziell wurde ich neunundzwanzig, obwohl ich immer noch aussah wie siebenundzwanzig drei viertel – so, wie ich wohl für den Rest meines womöglich unsterblichen Lebens aussehen würde. Es hatte eine Zeit gegeben, in der ich mit der Tatsache, dass Ethan mich in einen Vampir verwandelt hatte, überhaupt nicht einverstanden gewesen war – ich hatte keine Wahl gehabt, weil mich zuvor ein anderer Vampir schwer verletzt hatte –, doch schlussendlich hatte ich die damit verbundenen Schwierigkeiten überwunden.
Meine Vampirsinne waren stark ausgeprägt. Da wir von unzähligen Menschen umgeben waren, hatte ich meine mentalen Barrieren verstärkt. Trotzdem konnte ich die Menschen meinen und Ethans Namen flüstern hören. Wahrscheinlich kannten sie uns aus Zeitschriftenartikeln und dem Internet. Ethan hatte sogar ein eigenes Fandom: EthanSullivanIsMyMaster.net. In Anbetracht der an mich gerichteten E-Mails, die Helen, unsere Verantwortliche für Eingeweihte und Ethans Privatsekretärin, abgefangen hatte, war er nicht die einzige Berühmtheit. Ich persönlich fand das sehr nervenaufreibend. Schmeichelhaft, aber nervenaufreibend.
Was die Bedrohungen in der realen Welt betraf, so hatte Ethan mir befohlen, nicht zu mutig zu sein und mich nur dann mit jemandem anzulegen, wenn es absolut notwendig war. Da ich als Hüterin jedoch die Aufgabe hatte, ihn und das Haus zu beschützen, hatten wir zweifellos unterschiedliche Auffassungen von »absolut notwendig«.
»Wo können wir was essen?«, fragte Mallory, während sie ihren Blick über die Restaurants schweifen ließ, die das Baseballstadion umgaben. An Spieltagen war es hier immer schon belebt gewesen, aber die Renovierung des Stadions hatte noch mehr Bars und Kneipen entstehen lassen, die mehr und mehr Besucher anlockten.
»An einem wohlbekannten Ort«, antwortete Ethan und warf mir einen Blick zu. »Wenn du dann so weit bist?«
Ich packte sein Handgelenk und warf einen Blick auf seine glänzende Stahluhr. Das heutige Spiel gehörte zu den seltenen spätabendlichen Spielen in Wrigley und wurde von einer Batteriefirma gesponsert, die Cubs-Taschenlampen verschenkte.
»Wir haben anderthalb Stunden«, sagte ich, während Ethan seine Uhr zurechtrückte. »Und ich werde mir eine von diesen verdammten Taschenlampen besorgen.« Da wir nur nachts wach und dann meistens auf einer Mission unterwegs waren, um Vampire und Menschen Chicagos zu retten, selbst wenn die es nicht zu schätzen wussten, wäre eine Taschenlampe verdammt praktisch. Und eine Taschenlampe mit dem Cubs-Logo? Unbezahlbar.
»Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um dir eine zu besorgen«, sagte Ethan. »Wir gehen in die Temple Bar.«
Ich strahlte. Die Temple Bar war Cadogans offizielle Bar und nur ein paar Blocks von Wrigley entfernt. Ich war schon seit Monaten nicht mehr dort gewesen.
»Gibt es denn dort was zu essen?«, fragte Catcher.
Ethan lächelte verschmitzt. »Sie haben Pizza bestellt, für den Fall, dass Merit Hunger haben sollte. Wenn ich es richtig verstanden habe, stehen unter anderem Frischkäse und eine doppelte Portion Frühstücksspeck zur Auswahl.«
»Du kennst mich einfach zu gut«, sagte ich. Ich wollte zwar unbedingt eine von diesen Taschenlampen, aber eine Stunde mit meinen Freunden und leckerster Pizza zu verbringen war mir mindestens genauso wichtig. Außerdem waren Frischkäse und Frühstücksspeck meine absoluten Lieblingszutaten auf einer Pizza – eine kulinarische Meisterleistung, die die meisten Beschwerden heilen konnte, zumindest meiner frühstücksspeckgeschwängerten Vorstellung nach.
»Dann mal los«, sagte Mallory. »Gott bewahre, dass Merit keine Taschenlampe bekommt.«
»Taschenlampen gibt es überall«, murmelte Catcher, als sich Mallory bei ihm unterhakte und wir auf unserem Weg zur Bar die Straße überquerten.
»Du verstehst das nicht«, sagte sie und tätschelte seinen Arm, bevor sie ironisch hinzufügte: »Ehemänner. So sind sie nun mal.«
Gott, war das seltsam, diese Worte von ihr zu hören.
Die Temple Bar war ein schmales Gebäude, das aus Messing, Holz und Erinnerungsstücken an die Cubs bestand. Die getäfelten Wände waren übersät mit alten Wimpeln, T-Shirts und Spielbällen, davor standen ausgeblichene...
Erscheint lt. Verlag | 12.8.2016 |
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Reihe/Serie | Chicagoland-Vampires-Reihe |
Chicagoland-Vampires-Reihe | |
Chicagoland-Vampires-Reihe | |
Übersetzer | Marcel Aubron-Bülles |
Verlagsort | Köln |
Sprache | deutsch |
Original-Titel | Midnight Marked |
Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
Literatur ► Romane / Erzählungen | |
Schlagworte | Charlaine Harris • Chicago • Fantasy • Gestaltwandler • Hexe • Romantik • Romantische Fantasy • Vampire |
ISBN-10 | 3-7363-0196-0 / 3736301960 |
ISBN-13 | 978-3-7363-0196-2 / 9783736301962 |
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