Um unsere Webseiten für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch Bestätigen des Buttons »Akzeptieren« stimmen Sie der Verwendung zu. Über den Button »Einstellungen« können Sie auswählen, welche Cookies Sie zulassen wollen.

AkzeptierenEinstellungen

Eisige Schatten (eBook)

Kriminalroman
eBook Download: EPUB
2015 | 1. Auflage
383 Seiten
Verlagsgruppe Droemer Knaur
978-3-426-42682-1 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
William Wisting jagt den Schattenmann - Teil 9 der Skandinavien-Krimi-Reihe von SPIEGEL-Bestseller-Autor Jørn Lier Horst Kurz vor Weihnachten wird in dem beschaulichen norwegischen Hafenstädtchen Stavern eine Leiche entdeckt. Offenbar hat der alte Mann in seiner Wohnung schon seit Monaten tot vor dem Fernseher gesessen, Anzeichen für ein Verbrechen gibt es nicht. Wenig später taucht in der Nähe, verborgen unter einer Tanne, eine zweite Männerleiche auf, zu einem Eisblock gefroren. Wisting hat ein äußerst ungutes Gefühl - das sich bestätigt, als man bei dem Toten aus dem Wald Hinweise auf einen Serienmörder findet, der seit Jahren vom FBI gesucht wird. In den USA hat der Mann zahlreiche junge Frauen verschleppt und ermordet. Und auch in Norwegen passen 14 Vermisste in sein Opferprofil ... »Jørn Lier Horsts Bücher gehören zum Besten, was der Skandinavien-Krimi zu bieten hat. Sie sind großartig konzipiert, machen süchtig und haben unvergessliche Charaktere.« Yrsa Sigurdardóttir Folgende Bände der Skandinavien-Krimi-Reihe um Kommissar William Wisting sind auf Deutsch lieferbar: - Winterfest - Jagdhunde - Eisige Schatten - Blindgang

Jørn Lier Horst, geboren 1970, arbeitete lange in leitender Stellung bei der norwegischen Kriminalpolizei, bevor er Schriftsteller wurde. 2004 erschien sein Debüt; seither belegt er mit seiner Reihe um Kommissar William Wisting regelmäßig Platz 1 der norwegischen Bestsellerliste. Für seine Werke erhielt er zahlreiche renommierte Preise, zuletzt 2019 den Petrona Award für den besten skandinavischen Spannungsroman. Auch in Deutschland stehen seine Krimis regelmäßig auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Jørn Lier Horst, geboren 1970, arbeitete lange in leitender Stellung bei der norwegischen Kriminalpolizei, bevor er Schriftsteller wurde. 2004 erschien sein Debüt; seither belegt er mit seiner Reihe um Kommissar William Wisting regelmäßig Platz 1 der norwegischen Bestsellerliste. Für seine Werke erhielt er zahlreiche renommierte Preise, zuletzt 2019 den Petrona Award für den besten skandinavischen Spannungsroman. Auch in Deutschland stehen seine Krimis regelmäßig auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

7


Line wurde langsam wach, blieb aber liegen und lauschte den gedämpften Geräuschen des Verkehrs unten auf der Straße. Schließlich schlug sie die Bettdecke zur Seite und schwang die Beine aus dem Bett. Der Fußboden war kalt. Sie zog ein paar dicke Socken über und tapste schläfrig Richtung Küche.

Ihr winterblasser Körper überzog sich mit Gänsehaut. Line legte den linken Arm über die Brust und trat ans Fenster, um nachzusehen, wie viel Schnee im Laufe der Nacht gefallen war. Ein paar Stunden, nachdem sie sich hingelegt hatte, musste es aufgehört haben, aber insgesamt war wohl ein guter halber Meter Schnee gefallen. Sie konnte gerade noch ihren Wagen unten am Straßenrand erkennen. Die Schneepflüge hatten alles zu einer festen Masse um die Fahrzeuge herumgepackt. Eine der kleineren Maschinen war gerade dabei, den Gehsteig frei zu fegen. Ein Mann mit seinem Hund stakste umständlich zur Seite und ließ den Schneepflug passieren. Lines Atem ließ die Scheibe beschlagen, während sie auf die blinkenden Warnlichter heruntersah, die gelbe Lichtfetzen auf die Hauswände warfen.

Die grauen Wolken hingen tief. Das Thermometer zeigte minus ein Grad. Was bedeutete, dass der Schnee schwer und feucht war. Line schaltete die Kaffeemaschine ein und hoffte darauf, dass einer der Nachbarn, die ihre Wagen vor und hinter ihrem Auto geparkt hatten, zuerst herausfuhr. Bevor sie ihren Wagen freigeschaufelt hätten, war es sinnlos zu duschen. Line zog einen dicken Pullover an. Eigentlich gehörte er Tommy, war aber hier liegen geblieben, nachdem ihr Ex-Freund vor über einem Jahr ausgezogen war. Auch danach hatten sie sich getroffen, und Line hätte ausreichend Gelegenheiten gehabt, ihm den Pullover zurückzugeben. Aber irgendetwas hielt sie zurück. Obwohl es schon Ewigkeiten her war, seit er ihn zuletzt getragen hatte, schien Line Tommys Geruch am Pullover noch immer wahrnehmen zu können. Wenn ihre Sehnsucht allzu groß wurde, zog sie einfach den Pullover an, was besser war, als Tommy anzurufen. Denn das hätte nur intensive Gefühle wachgerufen. Aber Line hatte sich entschieden: Tommy Kvanter war kein Mann, mit dem sie ihr Leben teilen wollte. Sie wünschte sich, eine Familie zu gründen, sie wollte einen Mann haben, dem sie vertrauen konnte, einen, der Verantwortung zeigte und Sicherheit bot. Tommy konnte nichts davon. Er war anziehend, aber leichtfertig, und sie wusste, dass er ihr nicht guttat. Daher behielt sie den vergessenen Pullover eben so lange, bis ein anderer Mensch in ihrem Leben auftauchte. Dann würde sie das Kleidungsstück ein für alle Mal entsorgen.

Die Kaffeemaschine brummte schwach und stieß heißen Dampf aus. Line nahm eine volle Tasse mit zum Küchentisch, setzte sich und hielt die Hände fest um sie geschlossen. In der Wohnung war es kühl.

Sie klappte den Deckel ihres Laptops auf und rief die Titelseite der Online-Ausgabe auf. Noch mehr Schnee im Anmarsch, lautete die Hauptschlagzeile. Line hatte keine Lust, die Sache zu verfolgen, und überprüfte stattdessen ihre E-Mails.

Es war eine Antwort auf ihre Anfrage bei der Rechercheabteilung gekommen. Dort hatten sie Informationen aus dem Einwohnermeldeverzeichnis ausgegraben, die bestätigten, was ihr Vater erzählt hatte: Viggo Hansen hatte keine Familie. Im Februar 1950 in Stavern geboren, hatte er seit dem Bau seines Hauses im Jahr 1964 in der Herman Wildenveys gate gewohnt. Sein Vater war im Jahr 1969 verstorben, seine Mutter, als Viggo Hansen vierundzwanzig Jahre alt war. Unter der Adresse waren keine anderen Personen gemeldet. Wo er in den ersten vierzehn Jahren gelebt hatte, war nicht verzeichnet. Line wusste, dass ältere Einträge im Melderegister nicht elektronisch erfasst waren, weshalb sie in den Papierarchiven nachforschen musste, wenn sie an Informationen herankommen wollte, die im Internet nicht auffindbar waren. Da Viggo Hansen jedoch in Stavern geboren worden war, konnte sie wohl davon ausgehen, dass er sein ganzes Leben in der Gegend verbracht hatte.

Aufgrund ihrer nicht unerheblichen Berufserfahrung wusste Line, dass lebende Quellen noch immer die beste Auskunft gaben. Als eine der letzten Dateien am Abend zuvor hatte sie die Antwort auf eine Anfrage beim öffentlich zugänglichen Steuerverzeichnis abgespeichert. Sie hatte nach Personen gesucht, die in Stavern wohnten und das Geburtsjahr mit Viggo Hansen teilten. Es gab sechsundfünfzig Treffer: achtundzwanzig Frauen und achtundzwanzig Männer, von denen einer Viggo Hansen gewesen war. Noch ein paar andere bekannte Namen standen auf der Liste, Menschen, von denen Line wusste, dass sie ihr ganzes Leben in Stavern verbracht hatten, und die ihr etwas über Viggo Hansen erzählen könnten. Unter anderem ein Künstler, mit dem sie im Zusammenhang mit einer Ausstellung ein Interview gemacht hatte. Damals war sie noch bei der Lokalzeitung tätig gewesen. Außerdem gab es einen Rechtsanwalt mit Namen Realfsen sowie eine Frau, die früher als Lehrerin gearbeitet hatte.

Der Künstler hieß Eivind Aske. Sie gab seinen Namen ein und stieß auf seine Homepage. Er war Zeichner, Maler und Grafiker, mit einem eigenem Atelier sowie Galerie und Druckerei in Stavern. Line erkannte die Zeichnungen, die auf dem Bildschirm erschienen. Es waren überwiegend Kinderporträts, die mit dunklen Farbstiften angefertigt waren und über einen weichen, einfühlsamen Ausdruck verfügten.

Seine Telefonnummer und die E-Mail-Adresse waren unten auf der Homepage verzeichnet. Line wählte die Nummer, und er antwortete fast unmittelbar.

Sie nannte ihren Namen und erklärte, dass sie ihn vor ein paar Jahren interviewt habe, nun aber für VG arbeite. Eivind Aske versicherte, dass er sich an das Interview erinnere, und fragte, womit er ihr helfen könne.

»Ich hatte gehofft, Ihnen ein paar Fragen über Viggo Hansen stellen zu können«, sagte sie.

»Über wen?«

»Viggo Hansen«, wiederholte Line. »Er ist tot, aber Sie beide waren im selben Alter, und da habe ich mich gefragt, ob Sie wohl zusammen zur Schule gegangen sind.«

Es wurde still, während Aske nachdachte. Line überlegte, ob sie sich wohl an alle aus ihrer Klasse erinnern könnte. Sie waren damals etwas über zwanzig Schüler gewesen, die neun Jahre lang zusammen die Grund- und Mittelschule besucht hatten. Falls jemand sie gebeten hätte, eine Namensliste zu verfassen, wären wohl einige von ihnen vergessen worden, doch sicher wäre die Erinnerung an die Menschen zurückgekehrt, wenn sie die Namen wieder gehört hätte. Das galt zumindest für die meisten.

»Viggo Hansen«, sagte der Mann am anderen Ende der Leitung und schien dabei sorgfältig nachzudenken. »Doch, ja, ich kann mich an ihn erinnern. Ein schmächtiger kleiner Junge. Ich glaube, er war viel krank. Zumindest war er oft nicht da. Das ist mehr oder weniger alles, woran ich mich erinnere.«

»Könnte ich trotzdem mal heute Nachmittag bei Ihnen vorbeischauen?«, schlug Line vor.

»Heute Nachmittag und Abend bin ich nicht zu Hause, aber Sie können morgen kommen, irgendwann nach vier.«

»Könnten wir dann vier Uhr ausmachen?«, fragte Line.

»Dann um vier Uhr«, bestätigte Eivind Aske. »Sie waren ja schon mal hier und kennen den Weg.«

Line beendete das Gespräch. Vorläufig reichte ihr die eine Verabredung. Sie würde Eivind Aske lieber nach den Namen von ein paar Menschen fragen, die seiner Meinung nach Viggo Hansen besser gekannt hatten als er, und keine Zeit mit Verabredungen vergeuden, die vielleicht nichts brachten.

Dann nahm sie einen Bogen Papier und zeichnete darauf den Teil der Straße, wo sie gelebt hatte. Der lag unterhalb des alten Wasserbeckens. Am unteren Ende traf die Straße auf den Tyrihansveien, der sich auf der Nordseite parallel erstreckte. Sie hatte nie zuvor darüber nachgedacht, aber die beiden Straßen formten ein längliches Hufeisen. Die Häuser auf beiden Seiten hatten große Naturgrundstücke und grenzten an ein freiliegendes Areal.

Sie zeichnete das Haus ihres Vaters als Herman Wildenveys gate Nummer 7 ein und danach das Haus von Viggo Hansen als Nummer 4, unten in der Kurve auf der anderen Straßenseite.

Dann fügte sie die anderen Häuser hinzu, trug die Namen der Bewohner ein und zeichnete Linien und Pfeile, wo Leute ein- oder ausgezogen waren.

Ich muss innen anfangen, dachte sie. Bei denen, die am dichtesten neben ihm wohnten, und mich dann nach außen vorarbeiten.

Die direkte Nachbarin von Viggo Hansen war Greta Tisler in Nummer 2, eine kinderlose Witwe. Im Haus gegenüber waren Silje und Steinar Brunvall aufgewachsen. Steinar war in dieselbe Klasse wie Line gegangen; Silje war drei Jahre jünger. Die Eltern hießen Tor und Marianne. Line glaubte sich erinnern zu können, dass Steinar das Haus übernommen hatte, und suchte ihn im Telefonbuch. Es stimmte. Er wohnte dort mit einer Frau namens Ida. Seine Eltern waren nicht verzeichnet.

Es würde sicher seltsam sein, Steinar nach all den Jahren wiederzubegegnen. Als Kinder waren sie ein Pärchen gewesen, hauptsächlich deswegen, weil er der einzige gleichaltrige Junge in der Straße war. Und er war der erste gewesen, den sie geküsst, und der erste, der ihre Brüste angefasst hatte. Es geschah unten am Hang nahe der Hauptstraße, bevor sie anfing, einen BH zu tragen. Es gab dort ein Baumhaus, das für zwei viel zu eng war. Sie lagen dicht nebeneinander, und nur zufällig fanden ihre Lippen zueinander. Er legte seine Hand auf ihre Brüste, zunächst außen auf den Pullover, dann wanderte seine Hand darunter und schob den Pullover nach und nach hoch, bis er ihren Busen sehen konnte. Sie war zwölf oder dreizehn und wusste nicht genau, was sonst noch passieren könnte. Dann...

Erscheint lt. Verlag 27.8.2015
Reihe/Serie William-Wisting-Serie
William-Wisting-Serie
Übersetzer Andreas Brunstermann
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Bob Crabb • Espen Mortensen • FBI • Journalistin • Kommissar Wisting • Krimi • Kriminalroman • Kriminalromane Serien • Krimi Norwegen • krimi reihen • Krimis Skandinavien • Larvik • Lier Horst Wisting • Line Wisting • Minneapolis • Nils Hammer • Norwegen • Norwegen Krimi • norwegische Autoren • norwegische Krimis • Oslo • Polizei Krimis/Thriller • Robert Godwin • Serienmörder • Skandinavienkrimi • Skandinavien Krimi • Skandinavische Krimis • Spannung • Stavern • USA • Viggo Hansen • William Wisting • William Wisting 9
ISBN-10 3-426-42682-X / 342642682X
ISBN-13 978-3-426-42682-1 / 9783426426821
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 4,0 MB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Psychothriller | SPIEGEL Bestseller | Der musikalische Psychothriller …

von Sebastian Fitzek

eBook Download (2021)
Verlagsgruppe Droemer Knaur
9,99
Krimi

von Jens Waschke

eBook Download (2023)
Lehmanns Media (Verlag)
9,99
Kriminalroman

von Ursula Poznanski

eBook Download (2025)
Verlagsgruppe Droemer Knaur
12,99