Körper und Ritual (eBook)
VIII, 401 Seiten
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Verlag)
978-3-658-01084-3 (ISBN)
Soziale Wirklichkeit wird in weiten Teilen durch rituelle Handlungen und Interaktionen hergestellt. Da Rituale von Menschen ausgeführt werden und Menschen körperlich-leibliche Wesen sind, sind menschliche Körper und Leiber grundlegend an der Gestaltung sozialer Wirklichkeit beteiligt. Vor dem Hintergrund dieser Annahmen präsentiert dieses Buch eine Auseinandersetzung mit der sozialen Relevanz verkörperter Rituale. Die zentrale Frage lautet: Inwiefern tragen die Ritualität von Körper(praktike)n und die Körperlichkeit von Ritualen zur Konstitution und Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit bei? Die Beiträge des Bandes beantworten diese Frage aus unterschiedlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven. Sie schärfen damit den Blick für das wechselseitige Durchdringungsverhältnis von Körper, Ritual und Sozialität.
Dr. Robert Gugutzer ist Professor für Sozialwissenschaften des Sports an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Michael Staack ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Sozialwissenschaften des Sports an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Dr. Robert Gugutzer ist Professor für Sozialwissenschaften des Sports an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.Michael Staack ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Sozialwissenschaften des Sports an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Inhalt 5
Zur Einführung 8
1 Körperlich-leibliche Konstruktionen ritualisierter Vergemeinschaftung 11
2 Rhythmus als Abstimmungsmodus in Interaktionsritualen 12
3 Rituelle Hervorbringung und Bewältigung spezifischer Körper 15
4 Zum Aufbau des Buchs 17
Literatur 18
Teil 1 Körperlich-leibliche Konstruktionen ritualisierter Vergemeinschaftung 20
Rituale als performative Handlungen und die mimetische Erzeugung des Sozialen 21
1 Die Berliner Ritual- und Gestenstudie 21
2 Rituale als performative Handlungen 24
3 Mimetisches Lernen praktischen Wissens in Ritualen 28
4 Zentrale Funktionen von Ritualen 31
5 Ausblick 36
Literatur 37
Gemeinschaft als KörperwissenRituelle Verkörperungen von Gemeinschaftund das Spielerische 39
1 Das Wissen von der Gemeinschaft – rituelle Praktiken und performatives Wissen 40
2 Rituelles Handeln und die Grundhaltung des Spielerischen 43
3 Gemeinschaft und Körperwissen – Bezüge zwischen Spielwelt und Alltagsrealität 47
4 Fazit 49
Literatur 50
Spielen, Jubeln und Feiern im StadionÜber den Zusammenhang von Architekturund rituellen Verkörperungen im Fußball 52
1 Spiel und Ernst im Fußball 54
2 Der gebaute Raum des Stadions 59
3 Individualisierung und Kollektivierung in heutigen Fußballarenen 63
4 Schlussfolgerungen 65
Literatur 66
Public Viewing als sportiv gerahmtes kollektivleibliches Situationsritual 68
1 „Wo was los ist – wo es action gibt“ – Public Viewing als Interaktionsritual 70
2 Situation und Atmosphäre: Von Goffman zu Schmitz und Böhme 72
3 Phänomenale Strukturmerkmale des Situationsrituals Public Viewing 77
3.1 Ortsräumliche Aufwertung und gefühlsräumliche Aufladung 77
3.2 Außeralltäglicher Zeitrahmen und erlebte Auszeit 79
3.3 Szenisches Arrangement und Körperinszenierung 82
3.4 Antagonistische und solidarische Einleibung 85
4 Vom Ritual zur Routine: Wo nichts los ist, wo es kein action gibt 89
Literatur 91
Internetquellen der Abbildungen 93
Teamsubjekte: Rituelle Körpertechniken und Formen der Vergemeinschaftung im Spitzensport 94
1 Einleitung: Das Thema Ritual 94
2 Plurale Teamsubjekte und Formen der Vergemeinschaftung 97
3 Komplementäre Vergemeinschaftung im Handball 99
4 Komplementäre Vergemeinschaftung im Boxen 103
5 Antagonistische Vergemeinschaftung zwischen gegnerischen Boxern 113
6 Fazit 116
Literatur 119
Anhang: Verwendete Transkriptionszeichen, Lemmata und Siglen 121
Rituals as they happenZur körperlichen Dimension von Vergemeinschaftungin einer Flamenco-Tanzstunde 122
1 Erfundene Traditionen unter dem Label ‚flamenco‘ 124
2 Die Flamenco-Tanzstunde 128
2.1 Exotisierungsrituale oder: Die Flamencoisierung der Situation 130
2.2 Didaktische Rituale 133
3 Schluss 137
Literatur 138
Ritualisierte Berührungen als Medium für Vergemeinschaftung 141
1 Allgemeine Begriffsbestimmung 144
2 Zuordnungsraster für Berührungen 147
3 Rituelle Berührungen am Beispiel von Alltagsberührungen in Paarbeziehungen 151
4 Fazit 160
Literatur 160
Teil 2 Rhythmus als Abstimmungsmodus in Interaktionsritualen – Zur IRC-Theorie von Randall Collins 164
KlassengesprächeGruppendiskussionen über Filme aus derPerspektive der Theorie der Interaktionsrituale 165
1 Einleitung 165
2 Theorie der Interaktionsrituale 167
2.1 Theoretische Voraussetzungen 167
2.2 Mikro und Makro 168
2.3 Verwurzelung im Interaktionismus 169
2.4 Elemente der Theorie der Interaktionsrituale 170
2.5 Interaktionsrituale und Stratifikation 174
3 Die Gruppendiskussionen 176
3.1 Daten und Methoden 176
3.2 Empirische Ergebnisse 178
4 Zusammenfassung und Diskussion 181
Literatur 182
Körperliche Rhythmisierung undrituelle InteraktionZu einer Soziologie des Rhythmus im Anschlussan Randall Collins’ Theorie der „InteractionRitual Chains“ 185
1 Einleitung 185
2 Die primäre Untersuchungsebene der IRC-Theorie: Die interaktionsrituelle Situation 186
3 Interaktionsrituelle Rhythmen, Anti-Funktionalismus und rituell-situative Kreativität 189
3.1 Anti-Funktionalismus 189
3.2 Der Rhythmus als zentrales Element interaktionsritueller Prozesse 190
3.3 Der Rhythmus als Gewährleister der Möglichkeit rituell-situativer Kreativität 193
4 Visibilisierung der fehlenden Rhythmusdefinition in der IRC-Theorie 194
5 Rhythmusdefinition der NPV 196
5.1 Der Puls als Basis eines Rhythmus: Orientierung und Synchronisierung 197
5.2 Eingesogenwerden durch den Puls 198
6 Integration der NPV in die IRC-Theorie: Rhythmus zwischen Körper und Ritual 201
6.1 Theoriesynthese 202
6.2 Soziologische Reformulierung des Rhythmusbegriffs 203
6.3 Ausblick: (Ritual-)Soziologische Empirie 205
Literatur 208
Die Absetzung König Richards II. als mitreißende Massenveranstaltung. Oder: Der heilige Körper des Königs und der Versuch, ihn zu überwinden1 Ritualtheoretische Überlegungen 213
1 Einleitung 214
2 Die Herrschaft des Heiligen – eine durkheimianische Theorie der Macht 216
2.1 „Heiligkeit“ und „Charisma“ 216
2.2 Der rituelle Ursprung des „Heiligen“ 219
3 Darf man einen König absetzen? – Spätmittelalterliche Positionen 222
3.1 Zwei Könige in einem 223
4 Die Absetzung Richards II.: Argumente und Rituale 225
4.1 Die „Argumente“ gegen Richard 225
4.2 Radikale Rituale 227
4.3 Quellendiskussion zum „Absetzungsparlament“ 228
4.4 Die Absetzung Richards II. als Massenveranstaltung 229
4.5 Die Erhebung Heinrichs IV. von England 230
5 Fazit 232
Quellen 235
Literatur 235
Bodily Interactions in Interaction Ritual Theory and Violence 238
Literatur 251
Teil 3 Rituelle Hervorbringung und Bewältigung spezifi scher Körper 253
Inklusionsrituale und inklusive CommunitasParadoxien der Behinderung in dermodernen Gesellschaft 254
1 Inklusion in die Gemeinschaft der Freaks – ein fi ktionales Ritual 254
2 Behinderung als liminaler Status – die Konzepte von Robert Murphy und Victor Turner 258
3 Inklusionsrituale in der Gegenwart 262
3.1 Embleme, Ikonen und Sequenzen – zur inklusiven Ikonographie und Performatorik 263
3.3 Zaubersprüche, Merksätze, Glaubensbekenntnis – zur Semantik der Inklusion 268
3.4 Semantische und performative Paradoxien 270
3.5 Die Konstitution der inklusiven Communitas 273
5 Schluss 275
Literatur 277
Film 278
Rituelle Dimensionen kommerzieller Sexualität 279
1 Einleitung 279
2 Zur Methodik 281
3 Der Prostitutionsbesuch als besonderes Ereignis 282
3.1 Die „Entjungferung“ 283
3.2 „Männerabende“ 284
3.3 Prostitution und die Bearbeitung persönlicher Krisen 286
4 Die Ritualstruktur des Prostitutionsbesuchs 289
4.1 Die Trennungsphase 289
4.2 Die Liminale Phase 294
4.3 Die Angliederungsphase 296
5 Fazit 298
Literatur 299
Fabrikation körperlicher Zugehörigkeit: Das Ritual des Balletttrainings 301
1 Einleitung 301
2 Das Ritual des Balletttrainings 303
3 Der Ritus der Übung 305
4 Balletttraining als ‚rite de passage‘ 313
4.1 Kein Fremdling mehr sein 315
4.2 Im Werden sein 317
4.3 Balletttänzer sein 318
5 Permanente Liminalität 321
6 Praktiken und ihre Körper 323
Literatur 324
TodesritualeZur sozialen Dramaturgie am Ende des Lebens 325
1 Sterbepraxis 326
2 Körpergeschehen 333
3 Friedhofsszenarien 339
Literatur 347
Verletzte Körper und gestörte Rituale in schwankhaften Erzählungen des späten Mittelalters 351
1 Einführung: Ritual und Narration 351
2 Störfälle des Rituals 355
3 Die verzögerte Grenzüberschreitung 359
4 Das verklagte Körperteil 363
5 Das verselbstständigte Körperteil 367
6 Fazit 373
Literatur 375
Die Selbstquantifizierung als Ritual virtualisierter Körperlichkeit 379
1 Netzwerkgesellschaft und Netzwerknormen 379
2 Selbstquantifizierung 385
3 Rituale und soziale Kommunikation 388
4 Selbstquantifizierung als Ritual virtualisierter Körperlichkeit 390
Literatur 392
Autorinnen- und Autorenverzeichnis 395
Erscheint lt. Verlag | 13.7.2015 |
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Zusatzinfo | VIII, 401 S. 9 Abb. in Farbe. |
Verlagsort | Wiesbaden |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung |
Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
Schlagworte | Kollektive Identität • Körper • Kulturwissenschaften • Performativität • Rituale • Soziale Praktiken |
ISBN-10 | 3-658-01084-3 / 3658010843 |
ISBN-13 | 978-3-658-01084-3 / 9783658010843 |
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