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Boogie Man (eBook)

Der zweite Dewey-Decimal-Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018
288 Seiten
diaphanes (Verlag)
978-3-03734-839-0 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
14,99 inkl. MwSt
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Dewey Decimal, über den weder wir noch er selbst allzu viel wissen, schießt sich im zweiten Band der Trilogie weiter durch ein verwüstetes und karg bevölkertes Manhattan. Dabei will er eigentlich nur eines: sein Leben (und die New York Public Library) nach seinem ganz persönlichen System ordnen. Aber er gerät zwischen alle Fronten, als er auf Material stößt, das einen mächtigen US-Senator mit dem Mord an einer koreanischen Prostituierten in Verbindung bringt. Eine dubiose Privat-Armee ist hinter ihm her, während in Korea-Town Yakuza und koreanische Gangs um die Vorherrschaft kämpfen und New York City einer No-Go-Area gleicht.

Immer näher kommt Dewey Decimal an die großen Rätsel heran - was ist geschehen, das alle politischen, sozialen und moralischen Koordinatensysteme zum Kollabieren gebracht hat? Ist der Boogie Man aus seiner Vergangenheit das Verbindungsglied zu seinem größten Gegenspieler? Und wer ist Dewey Decimal?



Nathan Larson ist ein international bekannter Musiker und mehrfach ausgezeichneter Filmkomponist (z. B. »Boys Don't Cry«, »Der große Crash - Margin Call«). Seine auf drei Romane angelegte Serie über Dewey Decimal, den auf eigene Faust agierenden ehemaligen Soldaten mit ungewisser Vergangenheit, ist in den USA ein großer Erfolg bei Kritik und Publikum. Larson ist verheiratet mit der Sängerin der weltweit erfolgreichen Pop-Band The Cardigans. Er lebt mit seiner Familie in Harlem.

 

 

 

 

 

 

Weder habe ich das erlaubt noch nahegelegt, noch billige ich …“ Basso profondo.

„Mit Verlaub, Sir, er war bewaffnet und widersetzte sich …“

„Ich habe noch nicht zu Ende gesprochen, mein Sohn. Weder mein Büro noch ich billigen den Einsatz von unnötiger Gewalt, Zwang oder unmenschlicher Behandlung, wenn ich mich mit dem Betreffenden bloß unterhalten will. Ist das klar?“

„Ja, Sir, selbstverständlich, Sir.“

Ich bin wieder wach, kriege kaum Luft unter dem Stoff, denke an die Akten …

„Nehmen Sie ihm diese unselige Kapuze ab.“

Die Kapuze wird abgezogen und blinzelnd sehe ich einen großen schwarzen Mann in einem blauen Anzug, Mitte sechzig, aber von der Statur her eine Schrankwand, und ich erkenne ihn natürlich auf den ersten Blick.

„Senator Howard.“

Senator Clarence Howard betrachtet mich, sein Schnurrbart zuckt. Nach ungefähr fünf Sekunden spricht er wieder.

„Lassen Sie uns allein.“ Zu dem Mann, der mich reingeschleppt hat.

Der Soldat zögert, räuspert sich. Nur interessiert sich kein Mensch dafür, was er denkt. Er geht, zieht laut die Tür hinter sich zu.

Blinzeln. Die Sonne geht gleich auf, und die Skyline ist fast schwarz. Eine undurchdringliche Giftwolke breitet sich über den größten Teil der Insel, aber ich kann die Lichter des Chrysler Building und die Totgeburt von Penn Plaza Nr. 15 erkennen.

Irgendjemand knipst immer noch die Lichter im Chrysler an. Irgendwie schön. Mini-Hubschrauber umkreisen das Gebäude wie Motten das Licht. Die Hubschrauber sind überall.

Es ist ein typisches 90er-Jahre-Büro, ein Traum in Beige, anscheinend unbenutzt.

Der Senator wendet mir einen Moment den Rücken zu, die Schultern leicht eingesunken, aber trotzdem so groß wie der Ruf, den er zumindest hier in der Gegend hat. Glatt gegelte Haare wie anno Tobak: Kein Schwarzer meiner Generation mit einer Spur Selbstachtung würde so was machen. Nur die Transen. Nein. Man muss der Natur ihr Recht lassen. Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

Howard pumpt sich auf, wuchtet seinen massigen Körper herum und präsentiert mir ein breites Politikerlächeln. Der große Mann hat seinen berühmten Stock in der Hand, Palisander mit einem Kupfer-Pferdekopf, die Zunge rausgestreckt.

„Mein Sohn, ich muss mich entschuldigen. Normalerweise lass ich niemand so aus dem Bett holen.“

Was für eine Stimme. Wie Samt, unterlegt mit ein paar Jahrzehnten Zigaretten. Die kann einem alles andrehen, von Jesus bis zu neuen Gesetzen.

„Vergeben und vergessen, Pops, alles paletti.“ Ich reibe mir über die rotstriemigen Handgelenke. „Hab Sie früher auf C-SPAN gesehen. Ihre Ansichten zur Einwanderung gefallen mir, Sir. Und zu diesen dreisten Gewerkschaften.“ Ungläubig schüttle ich den Kopf, tsts.

Falls der Senator den Sarkasmus aus meiner Stimme raushört, lässt er sich nichts anmerken. Im Gegenteil, er grinst sogar.

„Ha, C-SPAN! An Langeweile kaum zu überbieten. Haufenweise Leute, die nur was sagen, um sich mal wieder reden zu hören. Mein Sohn, ich will gleich zur Sache kommen.“

„Von mir aus gern, Chef“, sag ich und versuche, auf Blutsbruder zu machen, denk aber: Da kann nichts Gutes bei rauskommen.

„Ich habe … Entschuldigung.“ Der Senator zieht ein seidenglänzendes Taschentuch hervor und trompetet rein.

Ich zucke zusammen, denke: ein neuer Virenstamm von Superflu? Irgendwas, gegen das ich nicht geimpft bin? Ein Gedanke wie eine Tröpfcheninfektion.

Was gäbe ich jetzt für ein bisschen Purell®. Aber ich sitze hier in Unterhosen. Die OP-Maske baumelt an meinem Hals. Unfassbar, wie nachlässig ich geworden bin. Wenn’s mich erwischt, hab ich’s nicht besser verdient.

„Ich muss mich noch mal entschuldigen.“ Der Senator wischt sich mit dem Taschentuch über die Nase. Monogramm, CDH, zweiter Vorname Douglass.

Meine Fresse. Die Akten vom DA. Ich weiß genau, warum ich hier bin.

„Die Luft in diesem Gebäude trocknet meine Schleimhäute völlig aus“, sagt derweil der Senator. „Nun, Sir. Ich suche nach einem gemeinsamen Freund. Ich hatte in letzter Zeit keinen Kontakt mehr zu ihm, und ich mach mir langsam Sorgen. District Attorney Daniel Rosenblatt?“

Ich kneif die Augen zusammen, als würd ich in meinem Gedächtnis kramen. Nicke. Wußt ich’s doch, dass es darauf rausläuft.

„Ja“, sage ich. „Den hab ich auch schon gesucht.“

„Ach, tatsächlich?“, sagt der Senator, das Lächeln stramm zwischen den Ohren aufgespannt.

„Ja. Wie Sie vielleicht wissen, arbeite ich ab und zu für Mr. Rosenblatt. Hab ihn jetzt schon, wie lange?, sechs Wochen nicht gesehen, etwas um den Dreh. Aber letzte Woche hab ich mit ihm telefoniert.“

Fantasier ein bisschen rum. Die Stelle, wo sie mich getasert haben, brennt höllisch.

Der Senator spitzt die Lippen und lehnt sich gegen den Tisch. Klopft mit dem Stock auf dem Boden. Hey, der Mann braucht keinen Stock. Ich könnte einen brauchen, und nicht nur, weil’s so gut aussieht.

„Schade. Ich dachte, Sie könnten mir weiterhelfen. Wie es der Zufall will, mein Sohn, wurden Sie nämlich gestern Abend gesehen, als Sie Mr. Rosenblatts Büro verließen. Hat ein bisschen gedauert, bis wir eins und eins zusammengezählt und Sie gefunden haben … aber dann, na ja, dachte ich, wir sollten uns ein wenig unterhalten.“

Der verarscht mich. Scheiße. Da fällt mir ein, dass vielleicht noch ein Stück von Rosenblatts Implantat in meinem Arm steckt und vor sich hin piepst. Ich hatte gedacht, dass es ganz entfernt wurde. Aber ich lass mich nicht aus dem Konzept bringen, mit so was war zu rechnen.

„Das stimmt, und ich war überrascht, dass Daniel nicht da war. Wir waren verabredet. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass das Büro geplündert worden war. Die Tür war aufgebrochen, drinnen das reinste Chaos. Komplett zerlegt.“

Das ist alles frei improvisiert. Ich geh hier auf ganz dünnem Eis, hab ich das Gefühl. Setz mein Pokerface auf.

„Ach so“, sagt der Senator mit feinstem Samttimbre. „Das müsste dann gewesen sein, bevor der halbe Stock in Flammen aufging. Verstehe ich Sie richtig, dass Sie das nicht mitbekommen haben, junger Mann? Denn das fanden wir etwas erstaunlich. Das Feuer. Und deswegen wurden Sie heute Nacht hierhergebracht.“

Mann, Mann, Mann. Ganz schlechtes Projekt-Management.

„Was sagen Sie da? Ein Feuer in der Centre Nr. 100?“

„Ja, genau. Und was das Merkwürdige ist, es muss genau zu der Zeit ausgebrochen sein, als Sie sich dort aufhielten. Gegen Viertel vor neun erhielt ich den Anruf. Ich weiß, ich weiß, am Sonntag arbeiten … aber die Arbeit für den Staat ist wie die Arbeit für Gott … da gibt es keine Fünftagewoche, Mister, da hat die Woche sieben Tage.“

Er zwinkert mir zu. Arschloch.

„Nur so aus Neugier, Pops“, sage ich, „sind die Kongresssitzungen nicht ausgesetzt worden … quasi für alle Zeiten, Sir? Wegen des völligen –“

Howard schnieft, fummelt an seiner Krawatte rum, dem Stars-and-Stripes-Anstecker. „Nun, es gibt noch Menschen, die für dieses Land arbeiten, junger Mann. Mehr will ich dazu nicht sagen, wenn’s recht ist. Zurück zu dem Feuer im Büro unseres gemeinsamen Freundes Mr. Rosenblatt …“

„An ein Feuer würd ich mich bestimmt erinnern. Lassen Sie mich mal überlegen“, sage ich. „Acht Uhr dreißig, ja, zu der Zeit etwa war ich da, ganz sicher. Aber ein Feuer? Wobei diese alten Kästen doch alle am zusammenbrechen sind, Kurzschlüsse, Wasserrohrbrüche, passiert dauernd. Aber schlimm ist es trotzdem … Himmelherrgott. Hoffentlich ist niemand was passiert.“

Der Senator summt eine kleine Melodie, er kauft mir meine Geschichte nicht ab. Dazu ist er viel zu schlau. Das sieht sogar ein Blinder. Lässt mich fabulieren. Um rauszufinden, was ich weiß.

Während ich wiederum rauszukitzeln versuche, was er weiß.

Senator Howard sagt: „Nein, da Sonntag war, kam Gott sei Dank niemand in dem Feuer zu Schaden. Aber seltsam ist es. Und Sie müssen mir meine Neugier verzeihen, es geht mich ja eigentlich nichts an, ich will nur keine voreiligen Schlüsse ziehen. Jedenfalls wurde mir erzählt, Sie hätten irgendetwas mit sich geführt – einen Aktenkarton oder so etwas –, als sie das Gebäude verließen. Ist das richtig, Sir?“

Ich nicke.

„Wissen Sie“, fährt er fort, „meine Männer hätten Sie ja gleich vor Ort … angesprochen, wenn wir da schon die Zusammenhänge gesehen hätten, wie gesagt. Aber da wir auch nur Menschen sind, haben wir dazu ein wenig gebraucht, und deshalb sind wir gezwungen, Ihnen jetzt dieses … Ungemach zu bereiten.“

Am liebsten hätt ich dem Mann gesagt, dass mir seine tote Nutte am Arsch vorbeigeht. Ehrlich, Senator, können wir abhaken, darf ich jetzt bitte wieder nach Hause?

Aber das wäre gelogen. Wenn’s um Charakterschwächen mit Todesfolge geht: Das ist bei mir zwanghaft, mich um die Schwachen und Bedürftigen zu kümmern, und deswegen steh ich immer wieder knöcheltief in Guano. Das denk ich gerade, aber sagen tu ich: „Also, was diese Akten betrifft, die hatte ich wegen des Termins dabei. Ich hatte mit dem DA darüber gesprochen...

Erscheint lt. Verlag 1.1.2018
Reihe/Serie Literatur
Literatur
Übersetzer Andrea Stumpf
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Dystopie • Dystopie; Gewalt; Katastrophe; Kriminalität; New York; Noir; Pulp • Gewalt • Katastrophe • Kriminalität • New York • Noir • Pulp
ISBN-10 3-03734-839-9 / 3037348399
ISBN-13 978-3-03734-839-0 / 9783037348390
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