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Gewäsch und Gewimmel (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2013 | 1. Auflage
615 Seiten
Klett-Cotta (Verlag)
978-3-608-10605-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
14,99 inkl. MwSt
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Man spaziert durch diesen Roman wie durch das Gewimmel einer Fußgängerzone. Manche Menschen sieht man öfter, an manche wird man sich kaum erinnern. So auch Elsas Lieblingspatientin Luise Wäns, die verliebt ist in Hans Scheffer, den Leiter eines Renaturierungsprojekts. Sie wünscht sich sehnlichst, mit ihm noch einmal in die Kindheit abzutauchen, ein kleines Arkadien zu schaffen gegen eine angeblich erwachsene Welt. Eine Welt, die großartig oder furchtbar ist wie die täglichen Nachrichten, die einen aber ständig überfordert. Und dennoch trotzen die Figuren dem Alltag stets aufs neue Bedeutung und Sinn ab. Auch in ihrem neuen Roman erfüllt die große Erzählerin Brigitte Kronauer unser unsterbliches Bedürfnis nach Geschichten und Anekdoten, nach Ernst und Komik.

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebte als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg, dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen. Brigitte Kronauer verstarb im Juli 2019.

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebte als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg, dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen. Brigitte Kronauer verstarb im Juli 2019.

Was Jan Sykowa allerdings nicht ahnt: Zu jedem zweiten Satz in den Privatissima, die er seiner Frau regelmäßig über die Etrusker erteilt – sie ist in dieser Beziehung strukturell Schicksalsgenossin der Frau eines gewissen Erwin –, fällt ihr eine Liedzeile ein. Wie es sie anstrengt, um ihn nicht in seiner Erklärungsinbrunst zu verletzen, ihr Singen zu bekämpfen, es nur in sich drin stattfinden zu lassen!

Dort aber dann schmetternd.

Rätsel


Was hat die Frau des Rheinfischers Hermann H., eine Opernsängerin (besonders beliebt in der Rolle der Liu aus Puccinis »Turandot«), die aber nicht Loreley heißt, mit ihrem unauffindbaren Mann (71) gemacht, den sie an verschiedenen Stellen durch zurechtgeschminkte Doppelgänger zur Erbringung sie begünstigender Unterschriften vertreten ließ? Was könnte es gewesen sein?

Sie selbst freilich verweigert die Aussage. Hertas Freundin Ruth behauptet, der Sängerin, die etwas Verdächtiges an sich gehabt habe, einmal begegnet zu sein.

Dämmerung


Jemand wünscht sich, mit jedem Tag inständiger, in einer im Wiedererwachen stöhnenden Vorfrühlingsdämmerung kleine Straßen abzugehen, selbst graue Unterführungen dürfen es sein. Stundenlang soll die Dämmerung dauern. Gar nicht mehr aufhören soll die zwitschernde Dämmerung. Vieles spricht dafür, daß es sich um den Komponisten Hans, auch Hannes, Keller handelt.

Großes Erschrecken


Graubünden. Weshalb fährt Herbert Wind wohl dermaßen begeistert und treu ins Gebirge? Die Schluchten, die Abgründe, die Wände sind große, hingewälzte Körper, die uns um und umdrehen. Deshalb fährt er hin: Er will sich umstülpen lassen von den Ausstülpungen und Räumlichkeiten.

Wenn er nachmittags von einem Gipfel, auf dem er Brot mit seiner selbstgemachten Marmelade gegessen hatte, eilig herunterwanderte, erfaßte ihn eine von keinem, nein keinem anderen Glück zu übertrumpfende Freude. Eine flammende Freude, die er hörte, die ihn brannte. Konnte es oben auf dem Mont Blanc, auf dem Matterhorn etwa schöner sein? Nur ging ihm manchmal das beklemmende Bett im Heimatmuseum durch den Kopf, dieses Bett in der niedrigen, beinahe schwarzen Kammer, ein Kasten für Geburt, Zeugung und Tod, das frühere Bett der Leute, die hier zuhause waren.

Diese Menschen hatten der Flur noch andere Namen als die jetzt gebräuchlichen gegeben: Leidflua und Jammertälli, Bim ussera Egg, Uf dr Höhi, In dr Müli, Muttachöpf und Mittaglugga, Zwüschat da Bäch, Hüüschitöbali. Der Ort, wo ihn in diesem Jahr bei einer Wanderung ein alarmierender Herzschmerz befallen hatte, ein Krampf, der andauerte und ihn nicht verlassen wollte, der hieß früher Tüfelsch Tälli, und in seinem Rücken befand sich der Gälb Fels und ihm gegenüber, auf der anderen Talseite das Tiertälli.

Noch eben hatte er, am Hang liegend, die Berge als strenge Freunde betrachtet. Plötzlich waren sie zurückgewichen, waren die desinteressierten Apparate eines Krankenzimmers geworden und ihm selbst, in Einsamkeit und Todesangst, gelang es nicht, sich auf die Ewigkeit zu sammeln, nicht im geringsten. Nichts Hoheitliches war sie, die Ewigkeit. Nur sture Steinklöße, an Wetterstürze gewöhnt, gab es um ihn herum, während es ärger wurde mit dem Schmerz. Der Tod, ohne Anmeldung vorbeigeschneit? Ob sich die Erde um die Sonne drehte oder doch die Sonne um die Erde, wurde unterdessen völlig gleichgültig.

Bloß nicht bewegen! Er machte sich, so vorsichtig wie möglich, obwohl ihm die Beine zitterten, in gekrümmter Haltung auf den Rückweg, um am Ausgang des Tals ein Taxi zu rufen, daß ihn zu einem Notarzt bringen sollte. Der wäre wohl unvermeidbar. Hier, an Ort und Stelle, wollte er, um die Sache nicht schlimmer zu machen, als sie war, noch nicht durchs Telefon um Hilfe schreien. Um das für sich klarzustellen, lachte er ein paarmal. Metaphysisches empfand er noch immer nicht, obwohl er sich bemühte. Statt dessen dachte er: Mit den Bratkartoffeln wird es heute abend wohl dann doch nichts! Er vermutete auch: Aus der Banalität ist nicht herauszukommen. Warum nicht? Weil ich die Angelegenheit einfach nicht ernstnehme. Obschon ich das Schlottern nicht loswerde.

Es wurde noch viel stärker, als der Arzt, den Herbert beschwor, nicht den Helikopter zu rufen, mit Mitleids-, ja fast Beileidsmiene den Rettungswagen kommen ließ, ihm zum Abschied kondolierend die Hand drückte und Wind, der sich ab sofort nicht mehr rühren durfte, eine Stunde lang wegen Infarktverdacht mit vielen Schläuchen versehen, auf kurvenreicher Strecke zum Spital fahren ließ. Man hatte ihn aus der Natur herausgezerrt und an die Maschinen der Ambulanz angeschlossen. Das ausufernde Wesen Wind von vorhin war abgeschnitten und gestutzt auf sein pures Material. Er erhob keinerlei gekränkten Widerspruch, nicht aus Schwäche, sondern weil ihm nichts anderes einfiel. Er verfolgte, als hätte er keine Seele mehr (wo war sie nur zurückgeblieben?), kommentarlos die Abfolge der Handlungen freundlicher Fremder. Es gab in ihm keine kämpferische Parteilichkeit für den Körper namens Herbert. Welche Instanz sollte das auch bewerkstelligen?

Ob sich, im Fall der Fälle, sein Todeskampf auch so geschäftsmäßig trocken abwickeln würde? Oder käme die Vermißte, die Seele, derart grob herbeizitiert, dann schleunigst aus ihrem Versteck? Er zitterte, ja, aber vor Leere, vor Einfallslosigkeit, gähnte, schwitzte auch etwas wegen unpassender Nüchternheit, beinahe zu verwechseln mit Langeweile, am ganzen Körper.

Andererseits fragte er sich, als er so dalag wie schon tot, mit den Füßen zur Tür, mit dem Kopf voran zu Tal gefahren, ob man das alles nur spielte, um die Angestellten zu trainieren oder weil man nichts zu tun hatte und die Behandlungslücke füllen wollte. Und später, längst mit beruhigender Diagnose entlassen, erwog er noch immer, ob das Ganze nicht reiner Klamauk gewesen war, sympathisch, aber auf seine Kosten und vor allem mit dem Effekt, daß er, Herbert Wind, nun diesen Bergen gegenüber einen Generalverdacht hegte. Sie lockten ihn an, und es konnte sehr leicht einmal sein, daß sie ihn, wenn sie ihn hatten, nicht wieder aus der Klemme herausgaben.

Natürlich war aber das nicht das Schlimmste. Das, was Herbert Wind fortan beunruhigt, ist das durch und durch Steinerne, gnadenlos da oben das Steinerne, das Gebirge, das im Stich läßt gerade dann, wenn es zählt und drauf ankommt.

Gut, aber was hatte er sich denn vorgestellt?

Das gewisse Etwas


Berlin. Dieser Student, fällt Katja ein, die dann plötzlich keine rechte Lust mehr zur Jagd verspürt (allenfalls der drei- oder schon vierköpfigen Familiensippschaft einen Streich spielen will), dieser Botaniker mit seinem Orchideenwahn, wie der schrumpft! Sie hat an der Tür etwas mitgekriegt, als ihm das Kleine so desillusionierend auf die Schulter kötzelte, und weiß es erst jetzt, Tage später. Fast bringt es ihr alle Liebe um, was sie da oben gerochen hat:

Die süß-saure Ausdünstung milchigster Harmlosigkeit.

Lichtblick


Berlin. Es könnte aber sein, sagt sich die Studentin Katja, die wieder mit ihrem fleißigen Anwalt liebäugelt, daß dieser botanische Kerl sich ausgerechnet und wirkungsvoll hinter dem Wohnungsmuff vor mir versteckt! Inszenierter Familienmodder. Nicht schlecht gedacht und fast gelungen. Aber nur fast. Es gilt: Jetzt gerade und keine Gnade! Selbst wenn sie sich ab sofort beim Gedanken an die biologische Schlafmütze die Nase zuhalten muß.

Rätselscherz oder Naturerscheinung?


Fluvioglaziale und Glazifluviatile Ablagerungen? Schrofen? Gries?

Tückischer Winkeffekt


Duschanbe. Während sie mit ein paar anderen Leuten auf einem Lastwagen in die auffällig bunten Berge fährt, wird der aus Deutschland über Amerika nach Tadschikistan gereisten Eva Wilkens plötzlich klar, warum sie so unerhört oft gegen ihren Willen an die Eltern denkt.

Es war deren paralleles Abschiedswinken, als würden den beiden die Arme durch die Luft trudeln und mitsamt den schwermütigen Körpern auf Nimmerwiedersehen davonwehen.

Warum sollten sie das tun? Aber es sah nun mal so aus, sah unnachsichtigerweise aus der Entfernung so aus.

Nächtlicher Schrecken


Auch Frau Fendel in der Irenenstraße kommt leider mit einer bestimmten Sache nicht zurecht und hütet sich sehr wohl, Herrn Dillburg damit zu belasten, den teuren, geplagten Mann. Nein, nein, sie würde sich gern Trost holen, aber ausgerechnet ihn will sie unbedingt schonen. Er soll nichts wissen von ihrer Angst, wenn sie mitten in der Nacht hochfährt und die Welt plötzlich mit einem Finger auf sie zeigt: Raus! Weg mit dir! Oder als bräche etwas Lebenswichtiges zusammen und risse sie mit sich in den Untergang. Frau Fendel greift dann zu ihrer einzig erprobten Medizin, einem alten Kinderbuch, das ihre kleinen Söhne, die Zwillinge, damals zu albern fanden, ein Bilderbuch über das Leben der Zwerge im Wurzelreich. Und siehe da: Sie beruhigt sich! Marienkäfer spielen auf Streichinstrumenten, Wichtelzwillinge prügeln sich und tragen die Schleppe der Braut.

Maserungen


Jeden Morgen, sagt sich die Krankentherapeutin Elsa, masert, mustert, zerstückelt mich die verfluchte Zeitung und will für den Resttag mich und meine Patienten erledigen. Und doch lasse ich es geschehen mit mir, weil ich ja weiß: Gleich fährt, unerschütterlich wie die Schlagzeilen, der kastenbrotförmige Bus am Haus entlang, auf und ab und hin und her, und ich springe, wie jeden Morgen, leicht in die Höhe, damit der Reißverschluß der Hose, aufs Neue schneeweiß, besser zugeht, und fasse, Punkt Viertel nach acht, Mut. Bin auf der...

Erscheint lt. Verlag 19.11.2013
Verlagsort Stuttgart
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 20. Jahrhundert • 21. Jahrhundert • Belletristik • Belletristische Darstellung • Büchnerpreis • Büchner-Preis • Deutsche Literatur • Gegenwartsliteratur • Krankentherapeutin • Krankentherapie • Moderne Literatur
ISBN-10 3-608-10605-7 / 3608106057
ISBN-13 978-3-608-10605-3 / 9783608106053
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