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Julia (eBook)

oder Der Weg zur Macht
eBook Download: EPUB
2012 | 1. Auflage
304 Seiten
Rowohlt Verlag GmbH
978-3-644-46321-9 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
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Ein blutiger Familienkrieg ... ... wie er keiner Generation und nur selten den Familien erspart bleibt, auch heute nicht, die dank ihrer Macht, das heißt: riesiger Vermögen, obenauf sind. Diese tödlichen Konflikte werden meist ausgelöst wegen der Erbfolge: Kinder aus zweiten Ehen alter Männer, deren noch junge Mütter ihren Söhnen oder Töchtern früher die Weltreiche, heute die Konzerne zuschieben, stets auf Kosten der älteren Halbgeschwister. So hier im alten Rom Livia, dritte Frau des Augustus, ihrem Sohn Tiberius - was ihr nur glückte, weil sie die von den Römern abgöttisch geliebte Julia samt den vier Enkeln des Augustus beseitigte: Verbrechen über Verbrechen, aus dem Schlafzimmer verübt. So gelangte Livia an ihr einziges Ziel: ihren Sohn zum Nachfolger des Kaisers und Alleinerben, des Imperiums zu machen. Sie ging im Wortsinn über Leichen. «Die zwei Lieblingsthemen, die zwei Obsessionen Hochhuths: die Historie und die Frauen.» Frankfurter Allgemeine Zeitung: Harald Hartung

Fritz J. Raddatz nannte ihn einen «Kaltnadelradierer der Poesie, schmucklos, scharf ritzend, aber nicht ätzend ... ein besessener Aufklärer, wo er die Täter am Werk sieht, ob Diktatoren oder Shareholder.» Rolf Hochhuth war einer der erfolgreichsten Dramatiker des heutigen Theaters - mit sicherem Gespür für brisante Stoffe und Themen. Am 1. April 1931 in Eschwege geboren, erzielte er mit dem «christlichen Trauerspiel» Der Stellvertreter Internationalen Erfolg. Es thematisiert die Rolle der katholischen Kirche, speziell die von Papst Pius XII., im Zweiten Weltkrieg. Als rigoroser «Moralist und Mahner» setzte sich Hochhuth mit aktuellen politisch-sozialen Fragen auseinander; in einer Vielzahl offener Briefe plädierte er für die «moralische Erneuerung» der Politik. Er verfasste ein umfangreiches dramatisches, essayistisches und lyrisches Werk. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Kunstpreis der Stadt Basel (1976), dem Geschwister-Scholl-Preis (1980), dem Lessing-Preis der Freien Hansestadt Hamburg (1981), dem Elisabeth-Langgässer-Preis (1990) und dem Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache (2001). Hochhuth starb am 13. Mai 2020 in Berlin.

Fritz J. Raddatz nannte ihn einen «Kaltnadelradierer der Poesie, schmucklos, scharf ritzend, aber nicht ätzend … ein besessener Aufklärer, wo er die Täter am Werk sieht, ob Diktatoren oder Shareholder.» Rolf Hochhuth war einer der erfolgreichsten Dramatiker des heutigen Theaters – mit sicherem Gespür für brisante Stoffe und Themen. Am 1. April 1931 in Eschwege geboren, erzielte er mit dem «christlichen Trauerspiel» Der Stellvertreter Internationalen Erfolg. Es thematisiert die Rolle der katholischen Kirche, speziell die von Papst Pius XII., im Zweiten Weltkrieg. Als rigoroser «Moralist und Mahner» setzte sich Hochhuth mit aktuellen politisch-sozialen Fragen auseinander; in einer Vielzahl offener Briefe plädierte er für die «moralische Erneuerung» der Politik. Er verfasste ein umfangreiches dramatisches, essayistisches und lyrisches Werk. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Kunstpreis der Stadt Basel (1976), dem Geschwister-Scholl-Preis (1980), dem Lessing-Preis der Freien Hansestadt Hamburg (1981), dem Elisabeth-Langgässer-Preis (1990) und dem Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache (2001). Hochhuth starb am 13. Mai 2020 in Berlin.

Mommsen und andere Machos


Oktober 1992. Ein Fund ersten Ranges wird veröffentlicht, neunzig Jahre nach Mommsens Tod: die gültige Vorlesungsmitschrift der von Mommsen selber niemals geschriebenen ‹Römischen Kaisergeschichte›! Der Berliner Ordinarius für Alte Geschichte Alexander Demandt hat mit seiner Gattin, Lateinlehrerin am Altsprachlichen Gymnasium Zehlendorf, endlich das Manuskript publiziert, das Sebastian und Paul Hensel 1882 bis 1886 in den Vorlesungen Mommsens an der Berliner Friedrich Wilhelm-Universität stenographiert hatten. Zwei Männer, die Nachkommen Moses Mendelssohns waren: Ihr Vater und Großvater, der Hofmaler Wilhelm Hensel, hatte Felix Mendelssohn Bartholdys Schwester Fanny geheiratet, Sebastian war 1830 geboren, sein Sohn Paul 1860. Ein in dieser Familie ebenfalls eingeheirateter Nürnberger Antiquar Kistner, der 1974 gestorben ist, bewahrte die Vorlesungsmitschriften auf, von denen auch Wilamowitz Kenntnis hatte, der Schwiegersohn Mommsens. Der jedoch bekämpfte geradezu alle Bemühungen – es waren schon früher andere Mitschriften eines Italieners, auch deutscher Mommsen-Hörer, der Familie angeboten worden –, den fehlenden vierten Band der Römischen Geschichte zusammenzustücken. Erst Alexander Demandt, der die Hensel-Mitschriften 1980 von Kistners Erben gekauft hat, erfaßte ihren vollen Wert: Sie waren, verglichen mit den Stenogrammen anderer Mommsen-Hörer aus den Jahren 1863 bis 1886, die komplette, auch zuverlässigste Mitschrift. Und so schenkten er und seine Gattin endlich der Nachwelt den schon von Mommsens Mitwelt stets leidenschaftlich, doch vergebens dem Meister abgeforderten vierten Band jenes berühmtesten Wissenschafts-Epos der Bismarck-Zeit, dank dessen Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur zum erstenmal nach Deutschland brachte. (Seltsam, daß die beiden einzigen Autoren, die als Historiker den Nobelpreis erhielten, am 30. November Geburtstag hatten: Mommsen und Churchill.) Wir erfahren durch Demandt, daß der Brite Toynbee neben Gibbon, seinem Landsmann, Mommsen als den größten Historiker überhaupt bezeichnete und daß wiederum Mommsen das Werk Gibbons «für das bedeutendste, das je über römische Geschichte geschrieben wurde», gehalten hat.

Zuweilen verging Mommsen sogar deshalb die Lust, die Kaiserzeit darzustellen, er empfand Gibbon als übermächtig … Und gewiß hat das Jahrhundert, das seit Mommsen nunmehr stromab gegangen und das gekennzeichnet ist durch eine ganze Riege erstklassiger Nacherzähler der antiken römischen Historiker; und viele dieser Nacherzähler waren direkt aus Mommsens Hörerschaft hervorgegangen – gewiß hat dieses Jahrhundert die Überlieferung wie die Resultate aus späteren Funden so gründlich aufgearbeitet, daß sensationell neue Fakten und Aspekte nun aus diesem endlich vorliegenden Band nicht herausgelesen werden können. Nötig war seine Publizierung dennoch. Und keineswegs nur aus Pietät.

Schon 1884 schrieb ein Zeitgenosse an Mommsen: «Die Welt interessiert sich vielleicht weniger für die ‹Römischen Kaiser› als für Ihre Auffassung derselben.» Wir heute, da schon längst kein international berühmter deutscher Autor mehr lebt – der letzte war Thomas Mann –, können uns ja schlechterdings nicht vorstellen, wie in allen Ländern Europas, auch in Asien und in den USA, Mommsen gefeiert wurde; allein Émile Zola hatte um 1900 noch ähnlichen Ruhm. Und tatsächlich ist für uns auch heute an Mommsen noch interessanter als an jedem Historiker sonst, wie weit er seine zuweilen höchst bedeutend gewordenen Schüler beeinflußt hat: Man denke nur an Otto Seeck, der die sechs Bände ‹Geschichte des Untergangs der antiken Welt› schrieb und damit 1912 der Haupt-Veranlasser für Oswald Spenglers ‹Untergang des Abendlandes› wurde. Denn die Mommsen-Schüler in allen Ländern prägten wohl weitergehend als andere Historiker wiederum ihre Schüler und haben, sicher oft verhängnisvoll, Mommsens Neigung «vererbt», die Alexander Demandt kritisch so umschreibt: «In Mommsens Geschichtsbild dominiert das Politische, sein Interesse für das Zivilisatorische, Kulturelle und Religiöse steht zurück. Eine Darstellung der Pax Romana fehlt. Er schildert nur das – mehrfach so genannte – Kriegstheater. Erstaunlich ist, welches Gewicht Mommsen auf die Finanzen legt. In kaum vorstellbarer Weise plagt er die Studenten mit Geldpolitik und Steuerwesen … Militär und Architektur werden unter der Rubrik Einnahmen und Ausgaben abgehandelt, deren Vorrang pragmatisch herausgestellt wird. Aus dem perfektionierten Steuerwesen erklärt sich Mommsens positive Wertung der spätrömischen Bürokratie … Die ‹Historia Augustas›, von der Mommsen (früher) schrieb, daß diese Biographien ‹die elendsten Sudeleien sind, die wir aus dem Altertum haben›, wird ausgiebig als Quelle herangezogen.»

Diese Einschränkung der Bedeutung seines Fundes ist dem Herausgeber Demandt um so höher anzurechnen, als er auch noch mutig hinzusetzt, sein Mommsen-Band werde «wohl nur das wissenschaftsgeschichtlich interessierte Publikum erreichen». Anzunehmen. Aber doch wird in der deutschen Geistesgeschichte die Frage nie mehr zur Ruhe kommen: Warum verzichtete Mommsen auf seine schriftliche Festlegung der Kaiserzeit-Chronik?

Denn fast noch mit siebzig redete Mommsen sich derart leidenschaftlich in die Kaiserzeit hinein, daß er so viel Feuer unter seiner stadtberühmten weißen Mähne selber ironisierte und zu Ludwig Curtius bemerkte, es gäbe «nichts Leichtsinnigeres auf der Welt als das Kolleglesen». Und Sebastian Hensel erzählt: «Ich hatte meinen Platz ganz vorn am Katheder, so daß ich … sein ausdrucksvolles Gesicht genau sehen konnte. Wenn er … über einen großen Kaisersünder Gericht hielt, dann war der Eindruck manchmal ein dämonischer und ganz überwältigender. Manchmal ließ er sich wohl auch durch sein Temperament hinreißen, und er sagte mehr und ging weiter, als er gewollt hatte. So einmal, als er sich in Rage über Konstantin den Großen hineinredete und den Armen so zerpflückte, daß kein gutes Haar an ihm blieb. Die nächste Stunde kam er dann noch einmal auf ihn zurück und setzte ihm an Stelle des ausgerissenen Schopfes ein dürftiges Perückchen kärglichen Lobes wieder auf. Immerhin ist mir Mommsens und Treitschkes durch Haß und Liebe mitunter getrübtes Urteil tausendmal lieber als Rankes kühle, farblose sogenannte Unparteilichkeit.»

Gewiß glaubt schon längst kein Ernstzunehmender mehr an die Möglichkeit, sine ira et studio zu schreiben. Was uns aber doch, wenn wir Mommsens Kaisergeschichte lesen, schockiert, das ist seine – auf Eduard Meyer, auf Birt und besonders grotesk auf Kornemann übertragene – Selbstgewißheit, die antiken Überlieferungen objektiv scheiden zu können in «Sudeleien», die er auch mit seinem Schwiegersohn «Hofklatsch» nennt – und in seriöse Quellen. Im Biedermeier aufgewachsen, ist auch Mommsen total immun erstens gegen die Anfechtungen, jemals für wahr zu halten, was antike Chronisten aus der Gegend «unter der Gürtellinie» eines zuweilen mörderischen Familienlebens berichten. So insbesondere, wenn zum Beispiel alternde Männer ihre Kinder aus früheren Verbindungen, auch deren Mütter, um Recht und Leben bringen, zugunsten ihrer Kinder und/oder Frau aus späteren Ehen. Was Frauen zustößt an Verbrechen, interessiert den Macho Mommsen noch weniger, wenn eine Frau es ist, die diese Verbrechen Frauen antut; so hier Livia, die dritte Gattin des Kaisers Augustus.

Da, was Livia getan hat, sich «nicht gehört» – nichts wußte man im Biedermeier und Victorianischen Zeitalter genauer als das, was sich «nicht gehört» –, so will auch Geheimrat Mommsen aus Charlottenburg dergleichen nicht gehört haben … «Sudeleien»! Zweitens ist Mommsen völlig immun gegen die Selbstverdächtigung, ein Kind der sittlichen Auffassungen seiner Epoche sei – wie jeder Sterbliche – sogar er! Jacob Burckhardt hingegen wußte: «Das Wahre und Gute ist mannigfach zeitlich gefärbt und bedingt; auch z.B. das Gewissen ist zeitlich bedingt; aber die Hingebung, zumal die mit Gefahren und Opfern verbundene an das zeitlich bedingt Wahre und Gute ist etwas unbedingt Herrliches. Das Schöne freilich könnte über die Zeiten und ihren Wechsel erhaben sein, bildet überhaupt eine Welt für sich. Homer und Phidias sind noch schön, während das Wahre und Gute jener Zeit nicht mehr ganz das unserige ist.» Da in Mommsens 19. Jahrhundert sogar die Beseitigung Kaspar Hausers nur Gerücht blieb, so war es folglich auch für Mommsen ausgeschlossen, daß ein Kronprinz anders enden könne als so natürlich wie sein Zeitgenosse, der preußische Friedrich III.: etwa durch Kehlkopfkrebs. Livias Morde, ausnahmslos von allen antiken Historikern mindestens insinuiert – nachweisbar ist eben Gift damals nicht gewesen –, Mommsen erwähnt sie meist gar nicht oder hält sie für «Klatsch». Und sagt sogar: «Der Klatsch ersetzte die Teilnahme an der Politik, die dem römischen Bürger entzogen war!» Absurd.

Daß Autoren, die immerhin – was heutige Historiker stets außer acht lassen, wenn sie diese antiken der «Sudelei» bezichtigen –, die immerhin den geschilderten Ereignissen zweitausend Jahre näher waren und deshalb von ihren zeitgenössischen Kollegen, die ebenfalls darüber geschrieben hatten, aber heute verschollen sind, und überhaupt von Zeitgenossen noch weitgehend kontrolliert waren in ihren Aussagen über die Kaiserfamilie, daß die sich hüten mußten, Quatsch zu erfinden, sich viel stärker davor hüten mußten...

Erscheint lt. Verlag 2.5.2012
Co-Autor Heinrich Schlange-Schöningen
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Antike • Erbe • Familienkrieg • Kaiser Augustus • Livia • Mord • Rom • Testament Cäsars • Tiberius
ISBN-10 3-644-46321-2 / 3644463212
ISBN-13 978-3-644-46321-9 / 9783644463219
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