Die schönsten Erzählungen (eBook)
315 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-0170-6 (ISBN)
Anton Tschechow wurde am 29. Januar 1860 als Sohn eines kleinen Händlers in der südrussischen Hafenstadt Taganrog geboren. Er studierte Medizin und machte sich schon während des Studiums mit humoristischen Geschichten einen Namen. 1890 unternahm der bereits lungenkranke Tschechow eine Reise auf die Sträflingsinsel Sachalin, um von den Bedingungen im Strafvollzug im Zarenreich zu berichten. Bereits während seines Arztpraktikums wurde sein Stück 'Onkel Wanja' uraufgeführt. 1892-1899 lebte Tschechow als Landarzt und Schriftsteller auf seinem Landgut in Melicho bei Moskau. 1899 siedelte er wegen seiner Lungentuberkulose nach Jalta um. 1901 heiratete er Olga Knipper, eine Schauspielerin, die oft die Titelrollen in seinen Stücken auf der Bühne des Moskauer Künstlertheaters spielte. Tschechow starb am 15. Juli 1904 in Badenweiler.Anton Tschechow ist bis heute in Westeuropa nach William Shakespeare der wohl meistgespielte Dramatiker. Auch sein erzählerisches Werk hat nicht an Anziehungskraft verloren; er gilt als unübertroffener Meister der Kurzgeschichte. Viele seiner Stücke und Erzählungen wurden verfilmt.Wichtige Werke:'Onkel Wanja' (1897), 'Die Möwe' (1896), 'Drei Schwestern' (1901), 'Der Kirschgarten' (1904), 'Die Insel Sachalin' (1893/99) und unter vielen anderen die Erzählungen 'Die Steppe' (1888), 'Die Dame mit dem Hündchen' (1889), 'Krankenzimmer Nr. 6' (1892), 'Der Mensch im Futteral' (1898), 'In der Schlucht' (1902).
Inhalt 6
Der Tod des Beamten 8
Der Orden 13
Bei der Witwe des Adelsmarschalls 18
Lebendige Chronologie 24
Allgemeinbildung 28
Gram 35
Anjuta 44
Im Sumpf 51
Wanka 79
Weiber 86
Flattergeist 106
Rothschilds Geige 145
Anna am Halse 160
Der Mensch im Futteral 180
Jonytsch 201
Herzchen 229
Die Dame mit dem Hündchen 248
Die Braut 274
Erzählungen wie Sand am Meer 304
Biographische Notiz 311
Anmerkungen 312
Textnachweis 316
"Die Dame mit dem Hündchen (S. 247-248)
I
Es hieß, auf der Strandpromenade sei ein neuer Kurgast aufgetaucht – eine Dame mit einem Hündchen. Dmitri Dmitritsch Gurow, der bereits die zweite Woche in Jalta weilte und sich schon eingelebt hatte, begann sich ebenfalls für Neuankömmlinge zu interessieren. Als er im Pavillon bei Vernet saß, sah er eine junge Dame, eine mittelgroße Blondine in einem Barett, auf der Promenade vorübergehen; hinter ihr her lief ein weißer Spitz. Und danach begegnete er ihr mehrmals am Tage, bald im Stadtpark, bald in den Anlagen. Sie ging allein spazieren, immer in demselben Barett und mit dem weißen Spitz.
Niemand wusste, wer sie war, und alle nannten sie einfach: die Dame mit dem Hündchen. Wenn sie ohne ihren Mann und ohne Bekannte hier ist, überlegte Gurow, sollte man eigentlich ihre Bekanntschaft machen. Er war noch nicht vierzig, hatte aber schon eine Tochter von zwölf Jahren und zwei Söhne, die das Gymnasium besuchten. Man hatte ihn früh verheiratet, als er noch Student im zweiten Semester war, und jetzt erschien ihm seine Frau anderthalbmal älter als er.
Sie war hochgewachsen, hatte dunkle Augenbrauen und hielt sich sehr gerade; sie war ernst und würdevoll und – wie sie selbst von sich sagte – eine denkende Frau. Sie las viel, ließ beim Schreiben von Briefen das stumme Endzeichen nach den Konsonanten weg und rief ihren Mann nicht Dmitri, sondern Dimitri; er fand sie jedoch insgeheim beschränkt, engherzig und wenig elegant, fürchtete sie und blieb nicht gern zu Haus. Er war ihr schon seit langem und oft untreu; daher kam es wohl auch, dass er von Frauen fast immer hässlich sprach, und wenn in seiner Gegenwart von ihnen die Rede war, nannte er sie stets »minderwertiges Geschlecht«.
Ihm schien, er sei durch bittere Erfahrung genügend belehrt, um sie nennen zu dürfen, wie es ihm beliebte, dennoch konnte er keine zwei Tage ohne das »minderwertige Geschlecht« auskommen. In Gesellschaft von Männern langweilte er sich, er fühlte sich unter ihnen nicht wohl, war wortkarg und kalt; befand er sich aber unter Frauen, so gab er sich ungezwungen und wusste, wovon er reden und wie er sich verhalten musste; ja, es fiel ihm nicht einmal schwer, mit ihnen zu schweigen. In seinem Äußeren, in seinem Charakter, in seinem ganzen Wesen lag etwas Anziehendes, etwas schwer zu Fassendes, das die Frauen für ihn einnahm, das sie reizte; er wusste das, und auch ihn selbst zog eine unbekannte Macht zu ihnen hin.
Die wiederholte und tatsächlich bittere Erfahrung hatte ihn längst darüber belehrt, dass jede Annäherung, die am Anfang das Leben so abwechslungsreich gestaltet und uns als ein liebenswürdiges und leichtes Abenteuer erscheint, sich bei anständigen Menschen, besonders bei Moskauern, die etwas schwerfällig und unentschlossen sind, unvermeidbar zu einer wahren und recht komplizierten Verpflichtung auswächst, die zu guter Letzt zu einer schweren Belastung wird."
Erscheint lt. Verlag | 14.6.2011 |
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Reihe/Serie | Die schönsten Erzählungen / Geschichten |
Die schönsten Erzählungen / Geschichten | |
Die schönsten Erzählungen / Geschichten | |
Nachwort | Gabriele Wohmann |
Sprache | deutsch |
Themenwelt | Literatur ► Klassiker / Moderne Klassiker |
Literatur ► Romane / Erzählungen | |
Schlagworte | 19. Jahrhundert • Erzählungen • Klassiker • Leben • Literatur • Mikrokosmos • Russland • Sammlung • Tschechow |
ISBN-10 | 3-8412-0170-9 / 3841201709 |
ISBN-13 | 978-3-8412-0170-6 / 9783841201706 |
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