Einmal Filou, immer Filou. (eBook)

Eine Kriegs- & Wirtschafts-Wunder Story - Roman
eBook Download: EPUB
2024 | 3. Auflage
231 Seiten
epubli (Verlag)
978-3-7598-4509-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Einmal Filou, immer Filou. -  Christian Hülsebeck
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Dieses Buch erzählt eine Familiengeschichte aus dem Ruhrgebiet Talente können einem den Weg ins Leben spannend und abwechslungsreich gestalten. Und wer, wie der junge Protagonist in diesem Buch, schon früh weiß, wie man pfiffig seine gesteckten Ziele erreichen kann, wittert oft Chancen, die anderen meistens verborgen bleiben. Die teils unglaublichen Erlebnisse, Wendungen und Überraschungen in der vorliegenden Lebens-Story sind in diesem Roman so reizvoll beschrieben, dass sich der Leser einfach mitgenommen fühlt. Auch die Anekdoten aus der leider sehr problematischen Zeit 1943/45, zwischen Pflichterfüllung und Widerstand, sowie dem anschließenden Aufschwung im Wirtschaftswunderland sind derart authentisch, als würde man sie selbst erleben. Viele davon haben einen realen Hintergrund und sind gleichzeitig ein Spiegel dieser Zeit. Am Ende nimmt der Protagonist den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Benelux-Staaten, Frankreich und Spanien, im zusammenwachsenden Europa der fünfziger Jahre. Ein Buch, dessen Akteure man einfach wegen in ihrer Chuzpe, ihrem Mut und ihrem Einfallsreichtum bewundern kann! Tauchen Sie ein - in eine andere Zeit.

Noch vor dem zwanzigsten Geburtstag in den 1960er Jahren wird der Autor Unternehmer im Zuliefersektor des Gesundheitswesens und legt das geplante Studium der Betriebswirtschaft erst einmal auf Eis. Bereits nach einigen Jahren hat sein Unternehmen über einhundert Beschäftigte. Nach dreißig Jahren schafft er den Ausstieg aus seinem stressigen Job, doch in dieser Zeit hat er viel erlebt. Gutes, kurioses und auch äußerst denkwürdiges. Nach etlichen Jahren des aktiv gestalteten Ruhestandes hat der die Zeit gefunden, seine Erlebnisse in vier autobiografischen Werken zu erzählen.

Noch vor dem zwanzigsten Geburtstag in den 1960er Jahren wird der Autor Unternehmer im Zuliefersektor des Gesundheitswesens und legt das geplante Studium der Betriebswirtschaft erst einmal auf Eis. Bereits nach einigen Jahren hat sein Unternehmen über einhundert Beschäftigte. Nach dreißig Jahren schafft er den Ausstieg aus seinem stressigen Job, doch in dieser Zeit hat er viel erlebt. Gutes, kurioses und auch äußerst denkwürdiges. Nach etlichen Jahren des aktiv gestalteten Ruhestandes hat der die Zeit gefunden, seine Erlebnisse in vier autobiografischen Werken zu erzählen.

Vorwort und Zeit


 

Wir schreiben das Jahr 1944. Die Tage führen in einen der härtesten Winter jener Zeit. Im schlimmsten aller Kriege, die je in Europa gewütet haben, zeichnet sich der Untergang des Deutschen Reiches in den Köpfen der Bevölkerung bereits ab, während die Lügen der Parteipropaganda noch von Sieg und Endsieg schwadronieren, obwohl die schlechten Nachrichten von der Front kaum noch zu verbergen sind.

 

Kriegsversehrte Heimkehrer, denen ein Arm oder Bein fehlen, oder gleich beide, sprechen eine eigene Sprache, weshalb die Wehrmacht penibel darauf achtet, dass keine zerlumpten und abgerissenen Soldaten in der Heimat erscheinen. Das staatliche Lügengebäude würde zu schnell und offensichtlich ad absurdum geführt werden. So wird vor der heimischen Bevölkerung ein Theaterstück aufgeführt, an das immer mehr Menschen immer weniger glauben können und wollen. Aber sie dürfen es nicht aussprechen. Das Druckmittel heißt Wehrzersetzung, und die kann mit dem Tode bestraft werden.

 

Altgediente, aber eher zweifelnde Parteigänger der Nationalsozialisten tragen ihr Parteiabzeichen jetzt des Öfteren unter dem Revers ihres Jacketts oder des Mantels, um den bohrend fragenden Blicken der ihnen entgegen kommenden Menschen, denen die Entbehrungen der letzten Jahre tief ins Gesicht geschrieben stehen, auszuweichen, wenn diese sie als Parteigänger identifizieren würden. Diese Methode des verdeckten Tragens am Anfang des Herbstes war sehr praktisch und unverfänglich. Nicht selten schlugen die Männer die Krägen hoch, um sich vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Und mit einem Griff war das Parteiabzeichen wieder gut sichtbar am Revers oder Kragen. Wer wollte da etwas dagegen haben?

 

Nur die ganz strammen Nazis stolzieren erhobenen Hauptes wie die Gockel umher und verbreiten weiter Angst und Schrecken mit ihrem Auftreten unter jenen, die wissen, dass sie etwas zu verbergen haben. Und das sind nicht wenige in diesem geschundenen Land. Sei es, weil sie in der Nacht die Nachrichtensendung des Feindes, gerne der BBC aus England gelauscht haben, um an unverfälschte Informationen zu kommen. Wer wollte sich in diesen bangen Tagen nicht gerne ausrechnen können, wie lange das Leid und Elend dieses unsäglichen Krieges noch andauern würde. Wie lange müsste man noch zittern, ob nicht morgens um fünf die Gestapo, also die geheime Staatspolizei, laut an der Tür klopfen würde.

 

Da ist schon so mancher Nachbar oder Bekannter plötzlich verschwunden und wurde nie wieder gesehen, während ein anderer nach etlichen Tagen mit sichtlichen Spuren der Folterung wieder auftauchte, um seinen fragenden Angehörigen zu berichten, er sei eine Treppe heruntergestürzt. Eine schöne Legende, die aber nur bei den hartgesottensten unter den unbelehrbaren Naivlingen verfing.

 

Nicht selten waren es aber auch die Frauen, die mal für ein oder zwei Tage und Nächte verschwanden, nachdem sie von den Herren der Gestapo, jene, die man leicht an ihren langen Ledermänteln erkennen konnte, abgeholt worden waren. Oft wurden sie eines Vergehens bezichtigt, das in ihrer kargen Haushaltsführung und deren Aufbesserung lag. Hatten sie mal ein Stück Speck ergattert, blieb dem umtriebigen Blockwart der Geruch des daraus zubereiteten Gerichtes nicht verborgen. Ein Geruch, an den man sich zwar mit Wasser im Mund erinnerte, den man meist aber schon lange nicht mehr wahrgenommen hatte.

 

Dann musste die arme „Hausfrauenseele“ in einem hochnotpeinlichen Verhör eventuell zugeben, dass ihr das rare Lebensmittel vielleicht von der eigenen Großmutter zugesteckt worden war, und selbiges aus einer „Schwarz-Schlachtung“ stammte, womit die „heimlichen Metzger von eigenen Gnaden“ in höchste Gefahr geraten konnten. Diese Art der Schlachtung wurde mit drakonischen Strafen geahndet, betrachteten doch etliche Nazi-Richter die Eigenverwertung des Haus-Schweins zur Erhaltung des Lebens der eigenen Familie als Alimentationsentzug für die Soldaten. Schließlich nahm sich dieser Staat das Recht, auf jedes private Eigentum zuzugreifen. Die meisten Frauen schwiegen sich über das bei einem Verhör erlebte und erlittene Leid lieber aus.

 

Blockwarte wie jener, der den Speck gerochen hatte, waren wie eine Seuche und bei den eher kritischen Bewohnern eines Hauses oder Häuserblocks verhasst wie die Pest im Mittelalter. Trugen sie doch in ihr Notizbuch jeden ein, den sie kommen und gehen sahen, oder sie lauschten an den Wänden, ob nichts verräterisches in einer Wohnung gesprochen wurde. Einige übereifrige Berufsdenunzianten und Fieslinge dieser Zunft beobachteten auch gern die Stromzähler zu den Nacht-Stunden, in denen man die Sender der „Feinde“ abhören konnte, obwohl der geringe Stromverbrauch der Volks-Empfänger kaum dazu angetan war, für diese Handlung einen eindeutigen Hinweis zu generieren. Aber man hatte schon mal wieder etwas Verdächtiges in der Hand und den Grundstein für die nächste Denunzierung gelegt.

 

Abwechslung und Zerstreuung fand man in diesem Winter, der in Holland als schlimmster „Hongerwinter“ in die Geschichte eingehen sollte, eher in den privaten Kreisen, als in öffentlich zugängigen Räumen. Fast alles war ja geschlossen, es herrschten Ausgangssperren, und meist war Verdunklung aus Angst vor den Fliegerangriffen angeordnet. Jeder kleinste Lichtschimmer, der aus der Vorhangritze einer Wohnung drang, wurde sofort vom Blockwart geahndet, wobei die Wohnungsinhaber nicht selten von dieser unsäglichen Kreatur von Parteispitzel aufs Übelste verbal niedergemacht wurden und nicht selten Drohungen erfuhren, die ihnen für die nächsten Nächte den Schlaf rauben würden.

 

Joseph Goebbels, erst Reichs-Propagandaleiter, später Reichsminister für Propaganda, einer, der ganz dicht am „Führer“ war, also so dicht, dass kein Blatt Papier mehr zwischen diese beiden Protagonisten dieser menschenverachtenden Zeit gewalttätiger Exzesse gepasst hätte, war wegen seiner immer dreisteren Lügen bald zum Spott intellektueller Kreise geworden. Allerdings nicht öffentlich. Denn das wäre lebensgefährlich gewesen.

 

In der noch nicht durch Bomben beschädigten Villa eines Rechtsanwaltes, der eher pro forma das Parteiabzeichen sein Eigen nannte und trotzdem gute Kontakte „nach oben“ hatte, feierte die Tochter des Hauses ihren zwanzigsten Geburtstag. Alles war vorschriftsmäßig abgedunkelt. Die Gäste, ein paar Freundinnen und einige junge Männer, die aufgrund „kriegswichtiger Tätigkeit“ nicht an der Front sein mussten, diskutierten mehr verklausuliert als offen und nur andeutungsweise, obwohl es hier ja keinen Blockwart gab, und man sich „entre nous“ fühlte. Die eine oder andere Flasche Wein hatte man wohl auch in den Tiefen des Kellers requirieren können, was sich leider beim Bruder des Geburtstagskindes als etwas enthemmend auswirkte.

 

Den Rauchtisch in einer Ecke des Salons zierte ein großer Aschenbecher, dessen oberes Ende eine verchromt blitzende Halbkugel bildete, deren vordere Hälfte sich an einem kleinen Griff nach hinten klappen ließ. Bewegte man diese Mechanik schnell, sah es aus, als öffne oder schlösse sich ein Mund. Nein, eher ein Schlund, aus dem der stinkende Geruch abgestandener Zigarettenstummel drang.

 

Der besagte, etwas angeheiterte Bruder stellte sich nun neben diesen Ascher und begann eine der letzten Lügen-Reden des Propaganda-Ministers Goebbels nachzuäffen, wobei er den großen Aschenbecher im Rhythmus des Gesagten auf und zu schnappen ließ und den ihm entweichenden Gestank mit der anderen Hand zu verscheuchen andeutete.

 

Leider hatte niemand bemerkt, dass sich inzwischen zwei Herren in langen Ledermänteln Zutritt zur weitläufigen Diele durch die nur halbherzig verschlossene Eingangstür verschafft hatten und alles beobachten konnten. Man hatte das Haus vorsorglich observiert, war einem doch ein Tipp wegen einer konspirativen Zusammenkunft aus der Nachbarschaft der Villa zugespielt worden. Galt der Herr Anwalt einigen Menschen seiner Umgebung doch schon lange als verdächtig und nicht wirklich linientreu.

 

In den Gesichtern der Anwesenden erstarrten die Züge, auf denen sich gerade ein Lachen breit machen wollte. Sie geronnen zu einer erschreckten Grimasse. Der Bruder wurde auf der Stelle verhaftet und im Präsidium in eine unbeheizte Zelle im kalten, feuchten Keller gesperrt, nachdem man ihm Schuhe, Gürtel und Hosenträger abgenommen hatte. Eine offensichtlich mit dem Blut eines anderen Häftlings verschmierte Decke warf man ihm erst Stunden später vor die Füße, als er bereits am ganzen Leib starr vor Kälte zitterte. Das Blut des „Vorgängers“ sollte ihn schon mal weichkochen.

 

Als er am nächsten Morgen, begleitet von zwei Wachen, dem Verhör zugeführt werden sollte, begegnete ihm auf dem Flur der oberste Staatsanwalt des Hauses. Ein Mann, vordergründig staatsloyal und auf Linie, der aber auch mit dem Vater des Delinquenten dienstlich viel zu tun hatte. Seiner Geistesgegenwart war es zu verdanken, dass diese Episode doch noch eine gute Wendung nehmen konnte.

 

Zackig und kurz bellte er die beiden Wachen mit „Heil Hitler“ an, obwohl ihm dieser Gruß zuwider war, und befahl den beiden Uniformierten, den Häftling in einer Stunde bei ihm persönlich vorzuführen. Er, als oberster Dienstherr dieser Behörde, nehme sich des Verfahrens persönlich an. „Besondere Wichtigkeit“ fügte er scheinheilig seinen Worten hinzu.

 

Da saß er nun, der arme Sünder, und beichtete seinen alkoholbedingten Frevel. Der Staatsanwalt hatte ein Einsehen und wollte ihn schonen, musste...

Erscheint lt. Verlag 23.7.2024
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Roman • Fünfziger Jahre • letzte Kriegsjahre • Roman
ISBN-10 3-7598-4509-6 / 3759845096
ISBN-13 978-3-7598-4509-2 / 9783759845092
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