Du gehörst uns (eBook)

Thriller ? Der neue Thriller des internationalen Bestsellerautors

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
448 Seiten
Penguin Verlag
978-3-641-27353-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Du gehörst uns -  JP Delaney
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Sie haben dein Kind. Doch du hast ihres.
Es ist der Albtraum aller Eltern: Als Pete Riley eines Morgens die Tür öffnet, steht vor ihm ein Mann, der seinem zweijährigen Sohn Theo wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Was Miles Lambert ihm offenbart, bringt Petes Welt ins Wanken: Die Söhne der beiden Familien sind nach der Geburt vertauscht worden, Miles und seine Frau sind Theos biologische Eltern. Nach dem ersten Schock beschließen die beiden Paare, die Kinder nicht aus ihren Familien zu reißen. Sie wollen gemeinsam einen Weg finden, am Leben ihres jeweils leiblichen Sohnes teilzuhaben. Doch schnell stellt sich heraus, dass die Familien unterschiedlicher nicht sein könnten. Pete traut der heilen Welt im Hause Lambert immer weniger. Dann bringt eine Klage gegen das Krankenhaus, in dem der Fehler passiert ist, Verstörendes ans Tageslicht ...

JP Delaney wurde mit seinem ersten Thriller »The Girl Before« weltweit zum Star: Der Roman erschien in 45 Ländern und stand an der Spitze der internationalen Bestsellerlisten. Seitdem setzt JP Delaney mit seinen genialen Ideen und rasanten Romanen neue Standards im Thriller-Genre.

7


MADDIE


Als ich aus der U-Bahn-Station Willesden Green komme, schießen mir so viele Fragen durch den Kopf, dass ich Pete anrufe, obwohl ich gleich zu Hause bin.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf der NICU zwei Babys vertauscht wurden«, sage ich. »Theo lag die ganze Zeit im Inkubator, an all diese Schläuche angeschlossen. Und er hatte das elektronische Identifikationsband am Bein. Da kann so was doch gar nicht passieren.«

»Dieser Lambert sagte, er verklagt nicht das St. Alexander’s, sondern die Privatklinik, in der seine Frau war. Vielleicht ist das die Erklärung.«

Das war wahrscheinlicher. Wenn zwei Babys gleichzeitig im St. Alexander’s ankamen, konnten sie vertauscht worden sein, bevor man die Identifikationsbänder angebracht hatte. Das war denkbar. »Aber warst du denn nicht die ganze Zeit bei ihm? Ich bin übrigens schon an der Haustür.«

Pete macht mir auf und lässt das Handy sinken. »Nicht die ganze Zeit. Da waren so viele Leute, die sich um ihn gekümmert haben … Blutproben, die Schläuche … Und später haben sie mir einen Raum gezeigt, in dem ich schlafen konnte. Ich hab nicht gesehen, wann man das Band angebracht hat.«

Er nagt an seiner Unterlippe, sieht völlig verstört aus. Ich weiß, was er denkt.

»Du musstest doch irgendwann schlafen, Pete.«

»Aber ich frag mich trotzdem – wieso habe ich das nicht mitbekommen? Wie kann unser Kind mit einem anderen vertauscht worden sein, ohne dass ich es bemerkt habe?«

»Weil sie alle nicht wie Babys aussahen«, sage ich nüchtern.

Pete starrt mich an. An meine spätere Reaktion auf die NICU will er noch immer nicht erinnert werden.

»Aber du hast es gespürt, Mads«, sagt er leise. »Du hast keine Muttergefühle für Theo empfunden. Und sogar mal geäußert, ob er überhaupt unser Kind ist. Auf irgendeiner Ebene hast du es gespürt

Ich zögere, schüttle dann den Kopf. »Ich hatte nicht deshalb Probleme, eine Bindung zu ihm aufzubauen, weil er nicht unser Kind war. Sondern weil er keinerlei Ähnlichkeit mit dem Baby hatte, das ich mir vorgestellt hatte. Die ganzen Frühchen nicht. Das wäre mir mit allen anderen dort genauso gegangen. Ich fand sie so abstoßend

Das hatte ich mir jedenfalls immer selbst gesagt. Genauso wie Du bist eine unfähige Mutter und Irgendwas ist falsch mit dir. Aber obwohl ich gerade zu Pete das Gegenteil gesagt habe, frage ich mich jetzt unwillkürlich: Habe ich vielleicht doch von Anfang an gespürt, dass etwas anderes nicht stimmte?

Das erste Bild von meinem Kind war ein unscharfes Foto, das Pete mir aufs Handy schickte, als ich noch im Aufwachraum lag. Offenbar war das Foto über die Schulter vom Klinikpersonal aufgenommen worden. In einem Inkubator lag eine winzige blasse Gestalt, verkabelt mit Schläuchen und Sonden. Auf der Brust war etwas zu sehen, das wie Luftpolsterfolie aussah, aus der weitere Schläuche herausragten. Später erfuhr ich, dass die Ärzte eine vorsätzliche Unterkühlung herbeigeführt hatten, um Schwellungen im Gehirn zu verhindern. Auch aus der Nase ragten Schläuche. Das Baby sah abgemagert, krank und kaum menschlich aus.

Als ich neun Jahre alt war, bekam unsere Labradorhündin Maya Junge. Fünf wurden gesund und lebendig geboren, aber dann entstand eine lange Pause. Wir glaubten, das sei der gesamte Wurf, aber Maya schien noch zu kämpfen. Schließlich flutschte ein letzter Welpe heraus – ein winziges haarloses Würmchen. Es zeigte sich bald, dass es zu kraftlos war, um sich zwischen seinen Geschwistern zu behaupten und an die Zitzen zu kommen. Und Maya half auch nicht nach, so wie sie es bei den anderen machte. Ich zog immer wieder andere Welpen von den besten Zitzen und legte den Kümmerling an, aber er schaffte es nicht zu saugen. Zwei Tage später starb er.

Als ich dieses Foto sah, war ich endgültig überzeugt davon, dass unser Kind tot sein würde, wenn ich auf der Intensivstation ankam. Die Worte des Arztes gingen mir wieder durch den Kopf. »Er ist sehr schwach.«

Ich starrte immer noch auf das Bild, als Pete anrief. »Ich bin kurz rausgegangen, auf der Station darf man nicht telefonieren«, sagte er atemlos. »Wollte nur hören, ob du das Foto bekommen hast.«

»Ja. Hab ich.«

»Alles okay mit dir?«

»Er wird sterben, oder?«, sagte ich dumpf. Es fühlte sich surreal an, das auszusprechen. Vor vierundzwanzig Stunden hatten wir mit unseren Freunden Hochzeit gefeiert, das Kind hätte erst in drei Monaten kommen sollen, und jetzt war ich plötzlich Mutter eines Sohnes auf seinem Sterbebett.

Pete klang ruhig, aber ich merkte, wie viel Kraft ihn das kostete. »Das muss nicht sein, Mads. Hier sind Kinder, die noch kleiner sind als er. Die Ärzte sagen, die nächsten drei Tage seien entscheidend. Wenn er die übersteht, sind die Chancen wohl nicht schlecht.« Langes Schweigen. »Möchtest du, dass ich zu dir komme?«

»Nein. Bleib dort. Einer von uns sollte bei ihm sein.«

»Okay. Aber sie wollen ihm Vormilch von dir geben. Ich komme in ein paar Stunden mit einer Milchpumpe vorbei.«

»Oh Gott.« An Stilltechnik hatte ich in dieser Lage noch keinen Gedanken verschwendet, aber Pete schien im Bilde zu sein.

»Man wird die Milch erst mal einfrieren, er wird bisher über eine Magensonde ernährt.« Wieder Schweigen. »Sie möchten wissen, wie er heißen soll.«

Ein Name für einen Grabstein. Der Gedanke tauchte auf, ich konnte ihn nicht abwehren. Plötzlich fühlten sich alle Namen, die wir uns überlegt hatten – kraftvolle witzige Jungennamen wie Jack, Sam und Ed – falsch an. Ich konnte sie mir nicht mit einem Todesdatum vorstellen. »Wie wäre Theo?«

»Aber Theo wolltest du doch nicht.«

»Aber dir gefiel der Name, oder?«

»Ja.«

»Dann Theo.« Weil ich einem Kind, das sterben wird, keinen Namen geben möchte, den ich mag.

Ich stand natürlich noch unter Schock. Und wie sich dann herausstellte, starb Theo nicht. Als Tag für Tag verging und immer mehr Schläuche entfernt werden konnten, erlaubten wir uns ein bisschen mehr Hoffnung. Und nach fünf Tagen machten die Ärzte einen Gehirnscan und verkündeten, sie seien vorsichtig optimistisch.

Das hieß aber noch lange nicht, dass der Rest ein Spaziergang gewesen wäre. Wenn Pete mich besuchte, brachte er jede Menge fremde Wörter mit. Sauerstoffentsättigung: zu wenig Sauerstoff im Blut, weil die Lunge von Frühgeborenen noch nicht selbstständig arbeitet. Apnoesyndrom: Atempausen, weil Theo trotz des Beatmungsgeräts, das Luft in seine Nase blies, vergaß einzuatmen. Bradykardie: ein gefährlicher Abfall der Herzfrequenz, bei dem plötzlich das Herz zu schlagen aufhörte. Kam das vor, kraulten die Schwestern Theo behutsam am Fuß oder rieben seine Schulter, um den Herzschlag anzuregen. Es sei wie Zauberei, berichtete Pete mit großen Augen, wenn sie ihn durch diese kleinen Berührungen wiederbelebten.

Sie zögern doch nur das Unvermeidliche hinaus, dachte ich immer noch, trotz der besseren Prognosen.

Erst nach einer Woche konnte ich zu den beiden kommen. Der Kaiserschnitt war nur langsam verheilt, und ich hatte einen Virus, der erst verschwunden sein musste, bevor ich die NICU betreten durfte. Aber schließlich wurde ich in einen Rollstuhl gesetzt und per Taxi ins St. Alexander’s verfrachtet. Es war, als wolle mich die teure Privatklinik so schnell an das staatliche Krankenhaus loswerden, wie man Hundekot von seiner Schuhsohle kratzt.

Ich hatte geglaubt, auf die NICU innerlich vorbereitet zu sein. Pete hatte sie mir immerhin beschrieben, und ich hatte Fotos gesehen. Dennoch hatte ich mir die Inkubatoren nicht wie Kapseln voller Elektronik vorgestellt. Ich musste an Science-Fiction-Filme denken, in denen Leute in solchen Kapseln durchs Weltall flogen. Aber die sahen wenigstens interessant futuristisch aus, wohingegen diese Plexiglasboxen hier mit einer Unzahl von Kabeln und anderem Zubehör versehen waren. Es war so warm und feucht in dem Raum wie in der Umkleidekabine eines Schwimmbads. Tageslicht gab es nicht, einige Inkubatoren waren mit violettem UV-Licht angestrahlt. Diese Babys hatten Gelbsucht, erklärte Pete mir später. Doch am schlimmsten waren für mich die Geräusche. Frühchen können nicht schreien, bestenfalls wimmern, und die meisten hatten ohnehin Schläuche in der Nase, die jeden Laut verhinderten. Stattdessen hörte man ein Wirrwarr aus Piepen, dumpfem Dröhnen und Klingeltönen. Erst später wurde mir klar, dass es sich nicht um Alarmtöne handelte, sondern um die normalen Laute der Geräte, die unterschiedliche Funktionen hatten. Wie Mutterschafe, die das Rufen ihres Lamms inmitten einer großen Herde identifizieren können, kannten die Schwestern die jeweiligen Töne von Geräten, die für ihre kleinen Patienten zuständig waren, und konnten sofort reagieren, wenn sich etwas veränderte.

Ich hatte keine Ahnung, wo ich nach meinem Baby suchen sollte, doch dann entdeckte ich Pete in einer Ecke und ließ mich dorthin bringen. Die meisten Inkubatoren waren durchsichtig und hatten seitlich Öffnungen zum Hineingreifen, aber Pete stand neben einer Kapsel ohne Deckel und steckte gerade eine Kanüle, die mit etwas Weißem – meiner Milch vielleicht – gefüllt war, in das Ende eines Schlauchs.

Als ich bei ihm war, blickte Pete auf und warf mir ein liebevolles Lächeln zu, unterbrach aber seine Tätigkeit nicht. »Mummy ist da«, sagte er zu dem durchsichtigen Kasten. Ich spähte hinein und sah Theo zum ersten Mal.

Es hätte ein ergreifender Moment sein sollen. Mutterliebe soll ja angeblich dieses...

Erscheint lt. Verlag 1.9.2021
Übersetzer Sibylle Schmidt
Sprache deutsch
Original-Titel Playing Nice
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte believe me • Bestsellerautor • Domestic Suspense • eBooks • Harlan Coben • Krankenhaus Klage • London • Michael Robotham • Neuheiten 2021 • Psychothriller • Sorgerechtsstreit • Steve Cavanagh • The Girl before • Thriller • Thriller Bestseller • Thriller Neuerscheinung 2021 • Tolino Bestseller • Tot bist du perfekt • vertauschtes Kind
ISBN-10 3-641-27353-6 / 3641273536
ISBN-13 978-3-641-27353-8 / 9783641273538
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