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Vorwort


Piet Oudolf, Noël Kingsbury und ihre Kollegen haben die Bewegung des so genannten "New-Wave-Plantings" in der Landschaftsarchitektur der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Landschaftsarchitektur und Gartengestaltung werden oft verwechselt, doch es handelt sich um zwei eigenständige Berufsfelder. Die Landschaftsarchitektur erfordert zwar mehr urbane und bautechnische Kenntnisse, aber wie die Gartengestaltung profitiert auch sie von einem umfassenden Wissen über Pflanzen.

Die Landschaftsarchitektur für den öffentlichen Raum birgt immense Herausforderungen - vom Verstehen der in der Natur vorkommenden Systeme bis hin zur Befriedigung urbaner Belange. Sie wird von praktischen und sicherheitstechnischen Bedürfnissen bestimmt, sollte aber auch der Erholung dienen. Nichtsdestotrotz strömen die Menschen zu Gartenschauen und historischen Gartenanlagen mit gemischt bepflanzten Rabatten und arrangierten Blumenbeeten. Anstelle solche Gärten in einem neuen, zeitgemäßen Stil für die Öffentlichkeit zu gestalten, haben die meisten Landschaftsarchitekten bisher selten Stauden für großflächige Pflanzungen in öffentlichen Parks und Gärten eingesetzt. Der Grund hierfür liegt in mangelnden Kenntnissen und der Annahme, dass sie nicht robust und pflegeleicht genug seien.

Piet Oudolfs Arbeit verändert die Landschaftsarchitektur. Sein Wissen über Pflanzen ist außergewöhnlich und faszinierend, seine Gespür für Kompositionen einfach wunderbar. Er zählt zu den talentiertesten und einfühlsamsten zeitgenössischen Gartengestaltern. Als wir am Lurie Garden in Chicago arbeiteten, gestaltete er die Staudenpflanzungen. Bei der Gesamtkomposition erwies er sich manchmal als ein erstaunlicher Pflanzenmathematiker. Man spürte förmlich, wie er sein umfassendes Wissen über Pflanzen mit künstlerischer Sensibilität verknüpfte. Jede Pflanze war während der gesamten Saison ein Individuum, das nicht nur aufgrund seiner Größe, Farbe und Struktur gewählt wurde, sondern auch wegen der Art, wie es sich über die Zeit entwickelte. Er weiß über die Boden-, Wasser- und Lichtbedürfnisse von Pflanzen Bescheid und kann mit ihnen in unterschiedlichen klimatischen Bedingungen arbeiten. Etliche Menschen verfügen über großes Pflanzenwissen, doch bei Piet Oudolf kommt eine künstlerische Vision hinzu - und die Fähigkeit, diese in dynamische Pflanzenkombinationen umzusetzen und dadurch eine Gesamtkomposition zu schaffen, die sich während der Saison ständig verändert.

Noel Kingsbury widmete sich ebenfalls für uns wichtigen Punkten: der Pflege und Haltbarkeit. Seine Arbeit ist besonders informativ und das Ergebnis umfangreicher Forschung, die den neuen Ansatz verfolgt, Pflanzen mit möglichst wenig Pflege zu ziehen. Durch die Zusammenarbeit mit Noël Kingsbury erwiesen sich Piet Oudolfs Pflanzungen als bemerkenswert widerstandsfähig und langlebig. Sie wurden so angelegt, dass ihre Pflege klar und koordiniert ablaufen und sich ständig anpassen kann.

Unsere Gesellschaft entwickelt zunehmend ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Wir verstehen inzwischen, wie wichtig heimische Pflanzen und eine ökologische Balance sind - beides kann eine Rolle beim Einsatz von kultivierten Stauden spielen. Piet Oudolf, Noël Kingsbury und ihre Kollegen sind dabei zukunftweisende Leitfiguren.

Kathryn Gustafson
Landschaftsarchitektin