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Vorwort Verbände sind elementarer Bestandteil moderner Gesellschaften, und deshalb lässt sich die Zukunftsfähigkeit eines demokratischen Gemeinwesens auch am besten an der Vielfalt und dem Einfluss seiner organisierten Interessen ablesen: Wo die Regierenden regelmäßig auf die Ratschläge verschiedenster Interessengruppen achten, ist auch Politik von hoher Qualität, wie schon der amerikanische Präsident John F. Kennedy betonte. Wo sie deren Eingaben ignorieren, läuft der Staat Gefahr, mangels zuverlässiger Informationen "pathologisch zu lernen", um ein Diktum des Politikwissenschaftlers Karl Deutsch zu bemühen. Dennoch ist die generelle Wertschätzung von Verbänden auch heute noch nicht Allgemeingut, zumal bei unterschiedlichen Gruppentypen durchaus mit verschiedenerlei Maß gemessen wird: Während Gewerkschaften immer wieder als "Modernisierungsverweigerer" apostrophiert und ihre Funktionäre als "Inkarnation des 19. Jahrhunderts" (Guido Westerwelle) abqualifiziert werden, haben Umwelt- und Tierschutzverbände wie auch Menschenrechtsorganisationen einen Grad an öffentlicher Anerkennung erreicht, der seinesgleichen sucht. Dass sich ungerechte negative Verbandsimages bis heute in beträchtlichem Ausmaße erhalten haben, ist ein wesentlicher Grund für diese Einführung. Sie soll Leistungen und Funktionen organisierter Interessen empirisch dokumentieren und theoretisch erklären, um sowohl Studierenden einen zuverlässigen Wegweiser durch die verwirrende deutsche Gruppenvielfalt an die Hand zu geben als auch Verbandsvertretern und sonstigen politisch Interessierten. Das Studienbuch besteht auf fünf Teilen: Der erste Abschnitt dient der Klärung der wichtigsten Begriffe und stellt die einschlägigen Verbändetheorien und die Funktionen organisierter Interessen vor. Der zweite Teil gibt einen Überblick über die Vielfalt der Verbände und illustriert sie anhand ausgewählter Fallbeispiele. Abschnitt III dokumentiert und analysiert die praktische Funktionswahrnehmung verschiedenster Organisationstypen. Die beiden letzten Teile thematisieren schließlich gesondert die wichtigsten aktuellen Entwicklungen im deutschen Verbändewesen und die Wandlungen, die westliche Interessengruppensysteme generell betreffen. Mit diesem Vorgehen verfolgen wir den Zweck, den Gegenstand nicht nur deskriptiv zu erschließen, sondern auch nach Gründen für die jeweiligen Befunde zu suchen und - soweit möglich - daraus sowohl theoretische als aus praktische Folgerungen zu ziehen. Sind wir zwar beide gleichermaßen für das Gesamtergebnis verantwortlich, so ist auch dieses Projekt arbeitsteilig durchgeführt worden: Martin Sebaldt erstellte das Gesamtkonzept und zeichnet auch für Gesamtüberarbeitung und Schlussredaktion verantwortlich. Auch die verschiedenen Teile der Studie entstammen jeweils einer Feder: Alexander Straßner verfasste die Abschnitte I, II und III. 2, Martin Sebaldt die Abschnitte III. 1, III. 3, IV und V. Verbesserungsvorschläge an die im Anhang zu findenden E-Mail-Adressen nehmen wir natürlich gerne entgegen. Etlichen Personen schulden wir großen Dank: Ondřej Kalina und Jürgen Stern haben sich etliche Male für Recherche-, Korrektur- und Lektoratsarbeiten einspannen lassen und darüber trotzdem ihre gute Laune nicht verloren. Wir hoffen, dass sie ihren Arbeitseinsatz im Nachhinein nicht als vergebliche Liebesmüh einstufen müssen. Auch Stefan Köppl und Carsten Pietsch danken wir für beschwerliches Korrekturlesen. Gleiches gilt für den Lektor des VS Verlags für Sozialwissenschaften, Frank Schindler, der uns mit einer Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen hilfreich zur Seite stand. Wenn diese Einführung darüber hinaus noch etwas zur Erschütterung der verbändekritischen Attitüde vieler Zeitgenossen beitrüge, wäre mehr gewonnen, als wir uns eigentlich erhoffen. Denn leider ist nichts dauerhafter als ein lieb gewonnenes politisches Vorurteil. Regensburg, im Juli 2004
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